Überall ist McDonalds, Coca Cola, Microsoft

Die Welt wächst zusammen. Doch alles Völkerverbindende scheitert, solange die Idee auf irdische Macht gründet. Von Burkhardt Gorissen
Weltwirtschaftsforum in Davos
Foto: Foto: | Alles eins? Microsoft-Gründer Bill Gates blickt noch etwas skeptisch.dpa

Weltregierung? Weltstaat? Hoffnungsvolle Träume ranken sich darum und ein ganzer Dschungel Paranoia schürender Verschwörungstheorien. Daran, ob die „eine Welt“ die unausweichliche Modalität des Fortschritts ist oder der „Untergang des Abendlandes“, scheiden sich die Geister. Unabhängig davon wächst die Welt immer weiter zusammen.

Längst beherrschen Global Player die Weltbühne. Der internationale Finanzmarkt, elektronisch vernetzt und getaktet, lenkt die Geldflüsse und bedient den Handel. Sekundenschnell umspannt das Kommunikationsnetz den Erdball, wer heute auf Lebensmittelpreise wettet, beklagt morgen den Hunger in der Welt, George Soros lässt grüßen. Nichts ist so schnell wie die Nachricht, die den Kurs bestimmt. Hausse oder Baisse – alles wird geregelt von Gier und anthropomorpher Selbstherrlichkeit. Die Börse ist nur das Abbild einer mammon-gläubigen Elite. Letztlich werden ökonomische Entwicklungen nur vom internationalen Wirtschaftsgeflecht bestimmt. Abschottungstendenzen und kulturelle Gegenbewegungen gegen die Globalisierung sind nahezu chancenlos. Weltbank und Internationaler Währungsfonds sind schon lange stärker als jeder Nationalstaat.

Überall ist McDonalds, KFC, Coca Cola, Microsoft. Über sämtliche Nationalstaaten hinweg bestimmen Facebook, Instagram und Twitter die Kommunikation. Die freie Meinung lässt sich vor der Weltöffentlichkeit nicht mehr unterdrücken. Nichtregierungsorganisationen nehmen Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung. Nationalstaatliche Autoritäten werden durch geschickte Schachzüge untergraben. Das alles sind Facetten einer Globalisierung, die seit einigen Jahrzehnten in steigendem Maß unser Leben bestimmt. Die Welt ist ein globales Dorf. „We are the world, we are the children“, der Song von Michael Jackson und Lionel Richie war eine der ersten großen Pophymnen auf die eine Welt. Als Brüder im Geiste organisierten am 13. Juli 1985 Bob Geldof und Midge Ure Live-Aid-Konzerte, die zu Spenden für die Hungerhilfe in Äthiopien aufriefen. Knapp zwei Milliarden Menschen in 150 Ländern sahen zu, wie eine bis dahin nie gesehene Zahl von Stars ihre Visitenkarte für eine neue Weltordnung abgaben: Queen, U2, Bob Dylan, Madonna, Mick Jagger, Paul McCartney, David Bowie, Sting, die Beach Boys, Tina Turner, Led Zeppelin … die Liste liest sich wie ein „Who is Who“ (Wer ist Wer) der Popbranche. Ist Solidarität nur ein Nebenprodukt des schönen Scheins? Schnell und bunt ist die neue Welt. So viel steht fest: Die modernen Eliten verbinden sich mit dem internationalen Markt, dem Starruhm und der populären Kultur. Multikulturalismus passt perfekt zu diesem Lebensstil.

Dabei wird das schmeichelnde Bild eines globalen Basars verbreitet. Alles ist hip, extravagante Kleidung, exotische Küche, folkloristische Stammesbräuche, Kult-Rituale inbegriffen. Und die Heilige Messe? Alles kann wahlweise konsumiert werden, ohne dass man sich zu irgendetwas verpflichtet. „We are the world“ – Nichts ist unmöglich. Was machbar ist, wird durchgeführt.

Die Kirche hat die Eine-Welt-Kultur erfunden

Auch Lady Gaga hat kürzlich ihre Sicht auf die Eucharistie unterstrichen: Kein „Preis für die Perfekten“ sei die Kommunion, sondern eine Speise, die „Gott gibt“. Alles klar. Auch die Technik kennt keine Grenzen mehr, ihre Auswirkungen sowieso nicht. Spätestens seit Tschernobyl eine Binsenweisheit. Doch das vollmundige Versprechen, die Globalisierung bringe Wohlstand für alle, hat sich bislang nicht erfüllt. Auch das karitative Engagement eines Bill Gates hat die Welt bisher nicht ins Paradies verwandelt. Im Gegenteil, die neoliberale Wirtschaftspolitik vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich, sowohl innerhalb der Gesellschaften, als auch zwischen Nord und Süd. Ein Umstand, der Papst Franziskus immer wieder zur Kapitalismuskritik veranlasst. Mögen viele Wege nach Rom führen, der Weg ins Himmelreich führt nur durch ein schmales Nadelöhr. Die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen auf eine bedrohliche Art, dass wir nur noch miteinander in verantwortungsvoller Solidarität leben können. Doch anhand der Entwicklungen supranationalistischer Organisationen, wie der UNO oder der EU, wird ersichtlich, wie schwierig es ist, eine globale Solidarität zu erzeugen, selbst wenn humanistische Ideale höhergestellt werden als ökonomische Interessen. Alles Völkerverbindende scheitert, solange die vereinende Idee auf irdische Macht gründet. Neu ist das nicht. Dafür biblisch. Psalm 133 drückt die wehmütige Hoffnung nach einem Paradies auf Erden aus: „Siehe, wie fein und lieblich ist es, dass Brüder einträchtig beieinander wohnen.“ Seit Jahrhunderten gibt es schon eine zuverlässige Eine-Welt-Kultur, sie ist universell, kultur- und nationenübergreifend, allumfassend. Kurz: katholisch. Auch das One-World-House gibt es, Jesus nennt es: „Das Haus meines Vaters“.

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