Tagesposting: Was Frauen benötigen?

Von Andreas Thonhauser
Andreas Thonhauser
Foto: ADF | Andreas Thonhauser leitet die Kommunikationsabteilung von ADF International.

Welche Nöte haben Frauen in entlegenen Regionen tatsächlich? Dieser Frage ging die Weltfrauenorganisation der Vereinten Nationen bei der jährlichen Kommission zur Stellung der Frau in New York nach. Nach Ansicht der UNO und einiger einflussreicher Mitgliedsstaaten benötigen Frauen und Mädchen vor allem drei Dinge: Zugang zu Abtreibung, liberale Sexualerziehung und weniger Einflussnahme der Eltern. Bereits zum 62. Mal trafen sich Experten, Repräsentanten von Nationalstaaten und UN-Delegierte, um gemeinsam Strategien zu entwickeln, die das Leben von Frauen weltweit verbessern sollen. Die Ergebnisse werden in einem Abschlussdokument zusammengefasst und landen auf dem Tisch der Entscheidungsträger aller UN-Mitgliedsländer. Es sind keine Gesetze, die hier verabschiedet werden, aber einflussreiche Vorlagen. Außerdem sind sie ein wichtiger Faktor für milliardenschwere Entwicklungsfinanzierungen. Meine Kollegin Elyssa Koren leitet die Arbeit von ADF International an den Vereinten Nationen. Sie war auch bei diesen Verhandlungen vor Ort.

Delegierten aus afrikanischen, arabischen und den meisten lateinamerikanischen Ländern fiel die Antwort auf die eingangs formulierte Frage leicht. Kein Wunder, sie repräsentieren die Mehrzahl an Frauen in ländlichen Regionen. Dementsprechend forderten sie, Armutsbekämpfung, Zugang zu Arbeit und politische Beteiligung sicherzustellen. Der sogenannten „entwickelten“ Welt waren diese Dinge allerdings nicht wesentlich genug. Deshalb sprach man kaum über Chancen, dafür umso mehr über Abtreibung, Sexualerziehung und Elternrechte. Zwar mahnten „westliche“ Delegierte oft zur Offenheit gegenüber Andersdenkenden. Sobald es aber um diese ideologisch gefärbten Themen ging, versuchten dann allen voran die Europäische Union, Kanada und Australien den Entwicklungsländern ihre Agenda aufzuzwingen. „Ideologischen Kolonialismus“ nannte Papst Franziskus diese Art von politischem Vorgehen. Entgegen nationalen Gesetzen und der Mehrheitsmeinung in der jeweiligen Gesellschaft versucht man Entwicklungsländern eine bestimmte Haltung aufzuzwingen. Da sitzen die Delegierten dann bis vier Uhr früh in Verhandlungen über Sexualaufklärung und die Rolle der Eltern. Während die meisten afrikanischen, arabischen, und lateinamerikanischen Länder eine elterliche Einflussnahme befürworten, hätte die Europäische Union diese am liebsten komplett unterbunden. Der persönliche Druck auf Delegierte ist hoch. Beschwerden auf Regierungsebene über Gesandte, die sich nicht dem Willen des Westens beugen, sind keine Seltenheit. Immer wieder kommt es zu Abberufungen. Der Einsatz ist hoch. Für das Richtige einzutreten, bedeutet für manche Diplomaten, ihren Job und ihre politische Karriere zu riskieren. In diesem Fall gab man nicht klein bei. Das Abschlussdokument der 62. Kommission zum Status der Frau lässt genügend Spielraum, Eltern auch weiterhin Verantwortung in der Sexualerziehung ihrer Kinder zuzugestehen. Wie sie ihren Töchtern künftig bessere berufliche Chancen ermöglichen könnten? Für solcherlei Erwägungen blieb auch in diesem Jahr leider kaum Zeit.

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