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Tagesposting: Die Generation Greta

Mit der Aufklärung begann ein Erosionsprozess allgemein gültiger Werte. Zunächst stießen politische Ideologien in diese Lücke.
Fridays for Future Demonstration in Berlin
Foto: Paul Zinken (dpa) | Manche Menschen sehen in den Schülerdemonstrationen für Klimaschutz nicht mehr als einen "Greta-Kult".

Jeder Mensch braucht Werte, an denen er sein Leben orientiert. Tradition und Religion haben diese Werte jahrtausendelang in großer Selbstverständlichkeit kultiviert. Vor allem die monotheistischen Religionen haben diese Wertorientierung durch ein Heilsversprechen geschärft, das die Menschen auf ein Jenseits verwiesen hat. Doch mit der Aufklärung begann ein Erosionsprozess, an dessen Ende die religiöse Verheißung zu einer Privatangelegenheit der Unbelehrbaren geschrumpft war.

In dieses Vakuum der Werte stieß die moderne Politik, die eine bessere Welt schon im Diesseits versprach, sei es als Nationalsozialismus, sei es als Kommunismus. Heute können wir mit einer gewissen Erleichterung sagen, dass wir das hinter uns haben. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR war auch für linke Fanatiker erkennbar, dass die Welt am Ende der Ideologien angekommen ist. Seither herrscht der Werterelativismus: Toleranz, Lifestyle, Identitätspolitik, Diversity und Selbstverwirklichung. Flüchtlingshilfe, „Umweltbewusstsein“ und die Rufe nach „sozialer Gerechtigkeit“ sind Leerformen der Devotion, die Selbsttranszendenz versprechen – ein paradoxes Resultat der Selbstverwirklichungskultur.

Doch wenn man keine Werte hat, die man zu verteidigen bereit ist, wird Toleranz zum Einfallstor des Nihilismus. Angesichts dessen kann es nicht überraschen, dass sich die Menschen nach einer Ersatzreligion sehnen – und die Grünen bieten sie, indem sie dem Prozess der Zivilisation den Prozess machen. Das funktioniert vor allem hierzulande, weil ihr Schuldgefühl die Deutschen nach Strafen suchen lässt. Und passgenau bedienen die Grünen das Schuldbewusstsein der westlichen Wohlstandswelt mit ihren Unheilsversprechen, mit der Verhaltenssicherheit ihrer Öko-Rituale und dem Kult ihrer Prophetin Greta.

Und damit sind wir bei „Fridays for Future“. Die Castingshows zeigen Wirkung: Nun wollen die Kinder nicht mehr nur als Models und Popstars, sondern auch als Politiker auftreten. Offenbar droht wieder ein Kinderkreuzzug zur Rettung der Welt vor den Ungläubigen. Und noch viel peinlicher als die Kinder, die die Schule schwänzen, um die Welt zu retten, sind die Eltern, die sie dafür loben. Die Massenmedien haben sich bereits auf sie eingestellt und präsentieren Schulkinder in Talkshows als Wahrheitszeugen. Die Unduldsamkeit und der Fanatismus dieser Diversity-Prediger zeigt, dass Toleranz zum tyrannischen Wert pervertiert werden kann.

Unduldsame moralische Überlegenheit und die hohe Kunst des Beleidigtseins formen den autoritären Charakter der Generation Greta. Ihre Unfähigkeit, abweichende Meinungen zu ertragen oder gar zu akzeptieren, hat aber nichts mit den sozialen Medien zu tun, sondern mit der Weigerung, erwachsen zu werden. Dass immer mehr Kirchenvertreter sich in dieser Öko-Sphäre wohl fühlen und am Greta-Kult beteiligen, kann nicht überraschen, denn das Gutmenschentum ist nichts anderes als verrückt gewordenes Christentum. Stimmen der Vernunft gibt es natürlich nach wie vor. Aber wer gesunden Menschenverstand hat, wird immer verlieren, wenn er mit einem Fanatiker diskutiert.

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