Technik von morgen: Fernseher in der Hosentasche

Medien-ABC

Der Fernseher begann seinen Siegeszug in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Familie fand sich zur Tagesschau ein und verbrachte den Abend gemeinsam mit Krimi, Spielfilm oder Serie. Legendär war 1962 der Krimi „Das Halstuch“. Der Mehrteiler sorgte dafür, dass Straßen, Kneipen und Kinos leer blieben. Ganz Deutschland saß vor den noch neuen Geräten. Wurde die „Gute Stube“ vorher nur an Sonn- und Feiertagen aufgesucht, so zog das Fernsehgerät die Menschen jetzt allabendlich hierher. Die Technik brachte eine kulturelle Veränderung. Das Wohnzimmer war geboren.

Die Geräte hatten den Charakter von Möbeln. Das Bild war Schwarzweiß. Der Kasten mit den verzerrten Bildern war eine gesellschaftsprägende Technologie. Ganz gleich, ob königliche Hochzeiten, Fußballweltmeisterschaften oder Urbi et orbi, der Fernseher war das Medium, das die Welt ins Wohnzimmer brachte. Abgesehen von der Entwicklung des Farbfernsehens Ende der 60er Jahre veränderte sich dieses Medium und die dazugehörige Technologie lange Zeit kaum. Das Programm lieferten Anstalten des öffentlichen Rechts. Man diskutierte darüber, wie viele Stunden man am Tag Fernsehen konsumieren durfte, ohne Schaden zu erleiden. Kanzler Schmidt regte einen fernsehfreien Abend an.

Die zusätzlichen privaten Sender drückten zunächst das Niveau. Fernsehen wurde trivial. Doch die Technik und das System linearer und zeitabhängiger Sendungen waren nicht zu reformieren. Mit Erfindung des Internet kam die These auf, Fernsehen und Internet würden zusammenwachsen. In der Tat war auch der Computerbildschirm ein Bildschirm. Da die ersten bewegten Bilder im Internet die Größe einer Briefmarke hatten, konnte kaum jemand ahnen, dass dieses Medium das neue Fernsehen komplett übernehmen sollte. Heute sind Fernsehen und Internet nicht mehr voneinander zu trennen.

Das analoge Fernsehen ist Vergangenheit. Satelliten senden ein digitales Signal. Auch die Kabel sind digital. Statt 768 Zeilen, die der Elektronenstrahl auf die Mattscheibe schrieb, sehen wir jetzt 4096 × 2160 Bildpunkte. Das Ende ist damit noch nicht erreicht. Es sind noch viel höhere Auflösungen zu erwarten, die das Bild von der Wirklichkeit ununterscheidbar machen. Bei 60 Wiederholungen pro Sekunde flimmert das Bild nicht mehr. Mit dieser Technologie sind riesige Geräte möglich. Flachbildschirme haben keine nennenswerte Tiefe. Ein Röhrengerät mit einer Bildschirmdiagonale von 195 cm, wie er heute als Flachbildschirm durchaus üblich ist, wäre raumfüllend. Die Abwärme könnte das Haus heizen. Moderne Geräte hängen unaufdringlich an der Wand oder stehen raumsparend auf einem Tisch. Beeindruckend ist die Größe, die fast ein Kinoerlebnis erlaubt. Das Ende ist noch nicht erreicht.

Der große Bildschirm sammelt nicht mehr die Familie. Das Smartphone, das Tablet und der Laptop können auch Fernsehen. Streamingportale machen von gemeinsamen Zeiten unabhängig. Es wird geschaut, wann man Zeit hat und wo man ein WLAN findet. Die Technik, die uns im Wohnzimmer zusammenholte, treibt uns heute eher auseinander. Die Sender passen sogar Nachrichten an Zielgruppen an. Tagesschau für die Eltern, Funk für die Kids und Kika für die ganz Kleinen. Das Ende ist noch nicht erreicht.

Die Zukunft des Fernsehens geht weiter. Schon träumt die Industrie von Folien, die eine ganze Wand zum Bildschirm machen könnten. Moderne Datenübertragung wie der 5G-Standard lösen alte Sendetechnik ab. Die neue Fernsehwelt ist, wie alle Medien unserer Tage, überall und jederzeit dabei. Der Unterschied zwischen Fernsehen, Telefon und Internet löst sich auf.

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