Digitalisierung

Instagram für Katholiken: Potenzial für die Neuevangelisierung

Das weltweite Netz hat Potential für die Kirche: Das Soziale Netzwerk sollten wir Katholiken für die Neuevangelisierung nutzen. Dazu bedarf es keiner Strukturen und großer Budgets - dazu sind alle berufen und befähigt.
Instagram
Foto: dpa | Instagram wird für die Neuevangelisierung immer interessanter. Neue Features wie „Reels“ machen es möglich.

Instagram war einmal ein Bilderportal, auf dem vor allem Teenager um das gewagteste Selfie wetteiferten. Verwendung von Filtersoftware für Fotos und das Fördern bestimmter Schönheitsideale brachte den Dienst in die Kritik – denn Studien wiesen nach, dass Nutzer des Dienstes häufiger zu Depressionen neigen. Doch bei aller Kritik muss man anerkennen, dass es sich um einen stetig wachsenden Dienst handelt, der große Reichweiten ermöglicht.

„Am besten wachsen diese Profile und damit die gesamte katholische Instagram-Präsenz,
wenn viele sich die App aufs Handy holen und katholischen Inhalten folgen“

Gegründet wurde Instagram im Jahr 2010 und in Erinnerung an die gute alte Polaroid und die Instant Kameras war das Bildformat zunächst quadratisch und recht statisch. Schon 2012 kaufte Facebook, heute Meta, den Fotodienst für eine Milliarde Dollar und baute ihn konsequent aus. Mehr und mehr wurde Instagram an die Smartphone-Welt angepasst und auch für bewegte Bilder geöffnet. Die Einführung der Stories im Jahr 2016 stellte den Dienst auch als Konkurrent von Snapchat auf: Seitdem können Bildsequenzen und kurze Videos für 24 Stunden online gestellt und von „Freunden“ gesehen werden.

Ebenfalls seit 2016 werden Inhalte nicht mehr chronologisch angezeigt, sondern ein Algorithmus wählt aus, was die Nutzer zu sehen bekommen. Dies führte zunächst zu scharfer Kritik – es ist jedoch ein in Sozialen Netzen übliches Verfahren, die persönliche Timeline zu gestalten. Zugleich zwingt es die Nutzer ihre eigenen Inhalte attraktiv zu gestalten. Und seit 2018 besteht eine eigene Musikbibliothek, die die rechtssichere Verwendung von Hintergrundmusik für die Videos ermöglicht. Klar ist: Instagram ist der Social-Media-Dienst, mit dem derzeit die größten Reichweiten bei jungen Menschen erreicht wird – Fachleute gehen davon aus, dass die Nutzerzahl im Jahr 2021 ungefähr 1,22 Milliarden betragen haben dürfte.

Lesen Sie auch:

Auch Johannes Hartl und Radio Horeb sind bei „Insta“

Auch für christliche und katholische Anbieter wird das Portal zunehmend attraktiver. Katholische Medien wie Radio Horeb oder EWTN sind hier ebenso selbstverständlich vertreten wie Tagespost-Autor Johannes Hartl oder auch offizielle Kirchenvertreter wie Bischof Stefan Oster. Die Tagespost ist ebenfalls auf Instagram präsent und weist auf ausgewählte Inhalte der Webseite hin. Weil Instagram keine Verlinkung zur externen Inhalten erlaubt, bleiben die Nutzer vor allem in der App: Das ist zugleich problematisch, wenn man auf eigene Inhalte auf eigener Plattform hinweisen möchte, zum anderen hält es die Nutzer in der Nähe.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Stefan Oster (@bischofstefanoster)

Einen ganz neuen Dreh hat das Medium jüngst mit den von TikTok stark beeinflussten „Reels“ bekommen – Nutzer können seit Juni 2022 kurze Videos veröffentlichen. Mit Reels wird man leichter gefunden – sie gehen schneller viral. Und die Erstellung ist denkbar einfach: Sie geht über die App, es kann Musik hinterlegt werden, Effekte reichern das Video an und machen es optisch attraktiv. Die Herstellung ist heuristisch und es bieten sich viele Möglichkeiten. Ein paar Beispiele: Radio Horeb beispielsweise lässt einen Praktikanten eine Ordensfrau vorstellen, die ihr Habit erklärt. Wer noch nie eine Nonne gesehen hat, kann gar nicht wissen, was diese komischen Klamotten bedeuten sollen. Bischof Stefan Oster, der als gelernter Journalist ohnehin sehr medienaffin ist, stellt mit kurzen Reels die Heilige Messe vor: In ganz kurzen Sequenzen erklärt er die Teile der Messe und so kann ein Jugendlicher, der gerade vor der Firmung steht und seit der Erstkommunion keine Kirche von innen gesehen hat, sich mit seinem Lieblingsmedium auch mit der lästigen Kirche vertraut machen. So geht Neuevangelisierung.

Lesen Sie auch:

Mit selbstironischer Distanz und Humor

Dass Christen Humor haben, kann eine überraschende Entdeckung sein. Ein Account beschäftigt sich mit witzig spöttischen Memes zum Synodalen Weg (siehe DT vom 17. Juni). Aber auch der klassische Cartoon findet seinen Platz. Der katholische Cartoonist Joshua Masterson stellt Cartoons in englischer Sprache online, die das Leben in einer Pfarrei auf die Schippe nehmen. Die Legitimation dazu liefert ihm ein Zitat einer der ganz großen Frauen der katholischen Medienwelt: Mother Angelica. Die Gründerin von EWTN zitiert Masterson mit den Worten: „Versuchen Sie, viel zu lachen, denn das Leben ist lustig und heute ist jeder zu ernst. Die einzige Tragödie auf der Welt, mein Freund, ist die Sünde. "Natürlich findet sich auch EWTN auf Instagram. Dort hat man, so nebenbei, während man sich den jüngsten Ulk seiner Freunde ansah, gleich den Papst im Blick, wie er in Kanada einen Häuptlingskopfschmuck trägt.

Selbstverständlich: Die Gratwanderung zwischen tiefen Inhalten und einem seichten Rahmen ist nicht ganz einfach. Die Versuche sind so zahlreich wie die Anwender. „Berufe der Kirche“, die Berufungspastoral im Bistum Augsburg, wirbt beispielsweise mit Bildern für deren verschiedene Tätigkeitsfelder. Ähnliches machen auch andere Arbeitgeber, immerhin herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. Da bei der Kirche der Glauben zum Beruf mit dazugehört, ist eine gelungene Bild-Text-Verbindung sehr wichtig – das Bistum Augsburg setzt hier auf persönliche Zeugnisse von jungen Menschen: Authentisch, jung, ansprechend und doch mit Tiefgang – es geht also.

Zur Ehrlichkeit gehört allerdings auch, dass kirchliche Profile auf Instagram häufig (noch) erst dreistellige Followerzahlen haben. Das ist nicht nur nicht viel, es ist wirklich wenig.

Das Wachstumspotential von Instagram für die Kirche aktivieren

Aber es gibt die Leuchttürme, die die Filterbubble durchbrechen. Der Leiter des Gebetshauses Augsburg und erfolgreiche Speaker Johannes Hartl versammelt 64.000 Follower und zeigt, wie mit ehrlicher Schlichtheit und tiefgehenden, ehrlich Inhalten Menschen angezogen werden. Ein Star wie Michael Patrick Kelly hat 345.000 Follower: Wer singen kann, ist im Vorteil. Auch eine christliche Influencerin wie Jana Higholder ist bei Instagram erst bei 35.000 Followern. Doch das Medium ist sehr dynamisch – die christliche und katholische Präsenz auf Instagram haben Wachstumspotential. Am besten wachsen diese Profile und damit die gesamte katholische Instagram-Präsenz, wenn viele sich die App aufs Handy holen und katholischen Inhalten folgen. Man investiert zwar Zeit dafür, aber stärkere katholische Inhalte finden auch wieder mehr Aufmerksamkeit und so ist ein Klick auf „Folgen“ bei einem Profil, das sich für Neuevangelisierung einsetzt, eine Hilfe eben für genau diese Neuevangelisierung.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Peter Winnemöller Bistum Augsburg Die Tagespost EWTN (Eternal Word Television Network) Gebetshaus Augsburg Heilige Messe Johannes Hartl Nonnen Pfarreien Päpste Radio Horeb Stefan Oster

Weitere Artikel

Langeweile ist für viele Kinder ständiger Begleiter beim Kirchgang. Den Aufbau der heiligen Messe zu kennen dient einer bewussteren Mitfeier der heiligen Geheimnisse. (Teil 1 von 3)
04.08.2022, 05 Uhr
Florian Kopp
Es entstehen immer mehr Jüngerschaftsschulen. Warum sich das Format unter jungen Erwachsenen großer Beliebtheit erfreut: Ein Besuch in der jüngst eröffneten J9 in Passau.
05.06.2022, 15 Uhr
Veronika Wetzel

Kirche

Die Attacken von Bischof Georg Bätzing auf Kardinal Kurt Koch sind Zeichen einer Feindseligkeit, die mit dem Synodalen Weg immer mehr um sich greift. Für Rom ist das eine Herausforderung.
06.10.2022, 09 Uhr
Guido Horst
Durch die emotionalisierte Insnzenierung von einem Opfer und einem Täter, der sich entschuldigen soll, wird ein notwendiger Disput im Keim erstickt: der über das Verständnis der Offenbarung.
05.10.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt
Bischof Rudolf Voderholzer über den Synodalen Weg. Die Beratungen der Bischöfe in Fulda und der Ad-limina-Besuch in Rom im November bewegen die Gemüter.
05.10.2022, 17 Uhr
Regina Einig
Das Projekt des Erzbistum München und Freising hat den Anspruch „die Anliegen queerer Katholikinnen und Katholiken besser zu berücksichtigen sowie Austausch und Beratung für Menschen aus der ...
05.10.2022, 18 Uhr
Meldung