Zensur

Eine intolerante Löschkultur verhindert vernünftige Debatten

Eine Studentin und Jungreporterin aus New York leistet Widerstand. Ihre Rede gegen die intolerante und ausgrenzende „Löschkultur“ findet in den Sozialen Netzwerken mehrheitlich Zustimmung.

Unsere Generation erlebt eine Epidemie der Zensur. Junge Menschen sind davon überzeugt, dass sie Anspruch auf alles haben. Das liegt daran, dass sowohl unsere Dozenten als auch Prominente den jungen Menschen beibringen, narzisstisch zu sein und zu glauben, dass jede andere Sichtweise der Realität als die eigene eine Bedrohung darstellt.“

Die deutlichen Worte, mit denen die herrschende Stimmung an den Universitäten der Vereinigten Staaten angeprangert wird, entstammen freilich nicht einer Wahlkampf- oder sonstigen politischen Rede. Erstaunlich dabei ist es, dass sie von einer Teilnehmerin an der Wahl zur „Miss New Jersey“ bei ihrer Bühnenpräsentation ausgesprochen wurden.

Zu Trumps Zeiten war sie Praktikantin im Weißen Haus

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Die 22-jährige Justine Brooke Murray, die sich auf der Homepage ihrer Agentur als „Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Model“ bezeichnet, macht in den Sozialen Netzwerken aus ihrer konservativen Haltung keinen Hehl: Sie war Praktikantin im Weißen Haus unter Donald Trump – sowohl auf ihrem Facebook- als auch auf ihrem Twitter-Profil findet sich ein Foto, in dem sie neben dem ehemaligen US-Präsidenten steht.

Bei ihrer Vorstellung zur Miss-Wahl, die im Sommer stattfand, über die jedoch kein deutsches Medium berichtet hat, sagte sie über die „Löschkultur“ weiter: „Das habe ich an meiner Universität erlebt. Dort geht die Zensur so weit, dass manche Leute glauben, die Äußerung einer Meinung sei Gewalt. Sie glauben, dass sie deshalb denjenigen, die eine andere Meinung haben, mit Gewalt drohen könnten – nur weil sie eine Meinung äußern, mit der sie nicht einverstanden sind.“ Die „New York Post“ berichtete darüber unter der Überschrift „Miss New Jersey-Teilnehmerin kritisiert in feuriger Rede scharf ,orwellsche‘ Zensur an der Universität“.

Opferstatus als Totschlagargument

Autorin Jackie Salo beginnt ihren Beitrag mit den Worten: „Die Teilnehmerin am Miss New Jersey-Wettbewerb wetterte auf der Bühne gegen eine ,Epidemie von Zensur und Anspruchsdenken?, die die Universitäten überschwemme. Sie behauptete, dass die Worte ,Ich bin beleidigt‘ benutzt würden, um Studenten zum Schweigen zu bringen und Professoren zu entlassen.“

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In einem Video mit Murrays Vorstellung beim Schönheits-Wettbewerb, das auf Twitter gepostet und auch auf YouTube abgerufen werden kann, sagt die Absolventin der Syracuse University im Bundesstaat New York weiter: „Die freie Meinungsäußerung steht nicht umsonst an erster Stelle unserer ,Bill of Rights‘ (Zusatzartikel zu der Verfassung der Vereinigten Staaten), denn ohne sie fallen alle anderen Freiheiten in sich zusammen. Doch heute sehen wir, wie diese Freiheit immer wieder von eben jenen Institutionen angegriffen wird, die eigentlich die Gedankenvielfalt fördern sollten. Die Aussage ,das ist beleidigend? wird als Vorwand benutzt, um Studenten zum Schweigen zu bringen, Dozenten der Universität zu verweisen und Menschen zu kündigen, nur weil sie nicht der gängigen Meinung sind. Das ist meine Erfahrung, ein Orwellsches Phänomen, das die Universitäten fast bis hin zur Gewalt führt. Ich möchte den Titel Miss New Jersey nutzen, um anderen jungen Frauen eine Stimme zu geben, damit sie sich nicht scheuen, für das einzutreten, woran sie glauben.“

Konservative werden an vielen Universitäten angegriffen

Justine Brooke Murray war bereits vorher für ihr Eintreten für die freie Meinungsäußerung an der Universität bekannt. In einem ausführlichen, ebenfalls auf YouTube eingestellten Interview mit Podcasterin Chrissie Mayr sprach sie Anfang Juni über die Angriffe, die sie aufgrund ihrer offen konservativen Haltung auf dem College-Campus erfahren hatte, sowie über ihre Bemühungen, die freie Meinungsäußerung an der Universität wiederherzustellen.

Trotz – oder gerade wegen – ihrer freimütigen Rede gewann Murray den Wettbewerb nicht, ja sie kam nicht einmal in die engere Wahl. Auf Twitter postete sie: „Ich habe nicht gewonnen. Ich konnte mich ja nicht einmal platzieren. Aber ich hätte kein einziges Wort an meiner Rede ändern wollen“.

„Unser Land hat eine glänzende Zukunft,
wenn wir mehr Kämpfer haben wie Justine Brooke.“

 

Ihr Twitter-Konto verzeichnet so gut wie ausnahmslos positive Reaktionen auf dieses Video. Der Kommentar mit den meisten „Likes“ anderer Twitter-User lautet: „Du hast nicht gewonnen, weil Du Intelligenz und freies Denken bewiesen hast. Du hast über die wahre Situation gesprochen: Der Kaiser ist nackt. Sei stolz – letztlich hast Du viel mehr gewonnen!“

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Ähnlich hieß es in einem anderen Kommentar: „Das war eine Siegerrede. Du hättest allein mit dieser Rede gewinnen müssen. Du hast eine glänzende Zukunft vor Dir.“ Dazu ergänzte ein weiterer Twitter-User: „Unser Land hat eine glänzende Zukunft, wenn wir mehr Kämpfer haben wie Justine Brooke.“

Dass Murray einen Nerv getroffen hat, davon zeugen weitere Kommentare: „Du hast die falsche Antwort gegeben, um zu gewinnen. Aber Du hast die Antwort gegeben, die unsere Kultur unbedingt hören musste. Du hast einen Mut gezeigt, der Menschen inspiriert hat, die Dich nie treffen werden. Ich bete dafür, dass Du eine der vielen mutigen Stimmen der nächsten Generation wirst. Gut gemacht, Justine!“

In den Sozialen Medien findet Murray große Zustimmung

Noch konkreter hieß es in einem anderen Tweet: „Bravo, Justine. Deine Einsicht und Ehrlichkeit sind bemerkenswert! Die Zukunft gehört Dir! Bitte überlege Dir, unserem Land für eine oder zwei Amtszeiten im Kongress zu dienen. Wir brauchen dringend einen solch glänzenden Stern wie Dich, um unsere große, aber fehlgeleitete Nation neu auszurichten!“

Mit ihrer freimütigen Rede gesellt sich Justine Brooke Murray zu den Menschen, die gegen die Löschkultur an US-amerikanischen Universitäten ihre Stimme erheben. Offensichtlich wird sie deshalb nicht nur angefeindet – in den Sozialen Netzwerken bekommt sie dafür uneingeschränkte Zustimmung.

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