Feuilleton

Martin Walser: Suizid sollte erlaubt sein

Ein Staat oder eine Religion, die es verbieten, sich das Leben zu nehmen, seien lächerlich, meint der 91-Jährige Schriftsteller und räumt gleichzeitig ein, dass es schwierig sei, alt zu werden.
Martin Walser
Foto: Felix Kästle (dpa) | „Ich bin ganz dafür, dass es erlaubt ist, sich das Leben zu nehmen, wenn man es denn kann“, so Walser.

Martin Walser, 91-jähriger Schriftsteller, macht sich viele Gedanken über das Altern und den Tod. „Ich bin ganz dafür, dass es erlaubt ist, sich das Leben zu nehmen, wenn man es denn kann“, sagte Walser der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). „Ein Staat oder eine Religion, die das verbieten, sind lächerlich“, sagte er. „Wenn ich irgendwo 80 Tabletten bekommen würde, dann könnte ich es vielleicht. Dann würde ich eine Flasche Whiskey trinken, Steine in die Taschen meines Wintermantels stopfen und in den See gehen. Das ist zumindest eine schöne Vorstellung“, so Walser.

Walser räumte ein, dass es schwierig sei, alt zu werden. „Aber ganz instinktiv wehrt man sich dagegen, dass Schluss ist. Das ist komisch, darüber kann ich noch so lange nachdenken und komme doch zu keinem widerspruchsfreien Ergebnis. Den Tod gibt es für uns nicht. Was uns bevorsteht, ist das Sterben. Das weiß ich durch gelegentliche Vorspiele des Sterbens. Dabei erlebt man sich als einen ganz anderen, nicht als denjenigen, der klug darüber nachdenkt“, sagte der Schriftsteller. „Befreit davon sind nur diejenigen, die es geschafft haben, selber Schluss zu machen.“

DT/KNA

 

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