Würzburg

Theologische Zeitschriften vom 12. September

Augustinus zu den Seligpreisungen - Latein ist angesagt
Aus den Internationalen Zeitschriften

Augustinus zu den Seligpreisungen

Von der Lektüre der Kirchenväter erhoffen sich Christen über die Konfessionsgrenzen hinweg zeitlos gültige Wegweisung. Der spanische Augustiner Pío de Luis Vizcaíno OSA stellt in der Halbjahreszeitschrift seines Ordens Revista Agustiniana (No 181–182) die Predigten des heiligen Augustinus über die Bergpredigt nach dem Matthäusevangelium vor. Die Seligpreisungen beinhalten aus Sicht des Kirchenvaters von Hippo nicht nur die endgültige Norm für das christliche Leben, sondern auch eine Stufenleiter zur Seligkeit. Den Gedanken, dass die einzelnen Seligpreisungen in einem inneren Zusammenhang miteinander stehen, verknüpft Augustinus mit der platonischen Tradition einer inneren Dynamik. Übertragen auf den biblischen Text werden so Ausgangspunkt und Ziel erkennbar. Die Seligpreisungen beinhalten ein Lebensprogramm zum menschlichen Glück. Der Autor vergleicht es mit einer Stufenleiter; ein Bild aus den Psalmenkommentaren von Augustinus. Ausgehend von der Demut als Kerneigenschaft der Armen im Geiste, die sich der göttlichen Autorität unterwerfen und Gott fürchten, führt diese Stufenleiter zum Herrn. Weitere Stufen bilden die Kenntnis der Heiligen Schrift als Übungsfeld der Sanftmütigen. Sie zweifeln Wahrheiten auch dann nicht an, wenn sie sich ihnen nicht erschließen und setzen dem Willen Gottes keinen Widerstand entgegen. Die Armen sind nach Augustinus nicht in erster Linie als die materiell weniger Begüterten zu verstehen, sondern als die geistlich Unbemittelten, denen Gott fehlt. Arm sind zudem die Demütigen, die Gott ihre Wünsche anheimgestellt haben.

Auf einer weiteren Stufe erkennt der Christ, was ihn an die Sünde fesselt und er bereut unter Tränen, was er verloren hat. Die Seligpreisungen sind in der augustinischen Lesart einem geistlichen Prozess gleichzusetzen Dieser hebt sich durchaus ab von der überwiegend diesseitsorientierten, gesellschaftspolitischen Lesart der Gegenwart, die den Text mitunter als Ausdruck der Revolutionsromantik vereinnahmte. Hunger und Durst nach Gerechtigkeit plagen nach Augustins Wahrnehmung Seelen, die bis zur Erschöpfung gegen die Sünde kämpfen und sich nach göttlichem Beistand sehnen. Barmherzigkeit übt, wer im Tiefsten verinnerlicht hat, dass er auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Insbesondere die Herzensreinheit steht für die Entäußerung von materiellen Wünschen. Auf dieser Stufe innerer Läuterung ist die Seele bereits ganz auf das ewige Ziel hin ausgerichtet. Die Betrachtung der Wahrheit verschafft dem Menschen schließlich Ruhe. Gott ähnlich werden und ihn schauen ist das Ziel dieser Stufenleiter.

Der Autor erinnert an die Beziehung zwischen den Seligpreisungen und den sieben Gaben des Heiligen Geistes bei Augustinus. Dem Ringen des Menschen um den Aufstieg der Seele kommt Gott mit den Gaben seines Geistes entgegen.

Latein ist angesagt

Twittern auf Latein ist en vogue: Papst Franziskus hat die Zahl seiner Follower, die ihn in der Sprache der Kirche lesen, seit 2013 fast verzehnfacht: Von 100 000 auf 914 000. Grace Spiewak bricht in der Jesuitenzeitschrift America (America Media, 05/08/19) eine Lanze für Latein als Weg zur Glaubensvertiefung. Dezidiert widerspricht sie dem Vorurteil, die Sprache stehe für überholte Traditionen. Spiewak ordnet die Vernachlässigung der lateinischen Sprache in Unterricht und Liturgie als Ausdruck der Geschichtsvergessenheit ein. Das Studium alter Sprachen führe zu umfassendem Lerneifer und sporne dazu an, an sich selbst zu arbeiten.

Darüber hinaus erleichtere Latein den Ausstieg aus dem täglichen Smalltalk. Das steigere die Aufmerksamkeit und wecke den Sinn für das Heilige. Darum sollten lateinische Gebete nicht nur in der Liturgie stärker berücksichtigt, sondern auch in die Alltagsspiritualität integriert werden. „Latein kann der Kirche helfen, redlich über sich Auskunft zu geben: was sie war, was sie ist und was sie sein will“, so das Fazit der Autorin.

DT/reg

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