Würzburg

Internationale Zeitungsschau vom 15.01.2020

Spaltung wegen LGBT, die Mehrheit muss gehen - „Unkontrollierte Einwanderung“ nach Europa: die Folgen für Afrika - Die Liberalisierung der Sexualität und der „Umsturz der Werte“ - Widerstand gegen Katholiken in China und Indien - Washington oder Teheran: Wer ist schuld?
Internationale Zeitungsschau - National Review vom 27.01.2020
Foto: National Review

Spaltung wegen LGBT – die Mehrheit muss gehen

Die United Methodist Church (UMC, Evangelisch-Methodistische Kirche) wird sich voraussichtlich im Mai in zwei Gruppen aufspalten, wie der National Review vermeldet. Die evangelische Denomination sei schon seit langem über die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Ordination von „LGBT-Geistlichen“ zerstritten. Vor einem Jahr votierte die Kirche auf einem ihrer Treffen dafür, Geistliche, die gleichgeschlechtliche Eheschließungen vornehmen, zu bestrafen. Die Abstimmung machte die Spaltung zwischen „liberalen und eher traditionellen Mitgliedern offenbar, von denen viele aus Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten stammen, vor allem aus Afrika“. Nun teilten führende Geistliche mit, man plane, „eine traditionalistische Fraktion von der United Methodist Church abzuspalten, während der übrigen UMC gleichgeschlechtliche Eheschließungen und die Ordination von LGBT-Geistlichen erlaubt werde“.

„Unkontrollierte Einwanderung“ nach Europa: die Folgen für Afrika

Die New York Times widmet sich den verhängnisvollen Folgen einer „unkontrollierten Einwanderung“ nach Europa: „Die Frauen schocken ihre traditionellen Dörfer in Westafrika, indem sie Geld verdienen und große Haushalte verwalten, während ihre Männer in Europa auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind.“ In ganz Westafrika seien in den Dörfern Ehemänner und Söhne „in der Blüte ihre Jahre verschwunden, die nach Europa aufgebrochen und niemals zurückgekehrt sind. Die Frauen, die gemerkt haben, dass sie vielleicht niemals das Geld sehen werden, das ihnen ihre Männer zu schicken versprochen hatten, haben zunehmend das übernommen, was als Rolle des Mannes betrachtet wird, indem sie Geld verdienen und den riesigen Haushalt ihrer Großfamilie leiten“. Während in Europa die Migrationskrise andauert, steige weiterhin der Betrag an „Geld, das die im Abendland bereits niedergelassenen Migranten in ihr Herkunftsland schicken“. Der Weltbank zufolge hätten die von den „Wirtschaftsmigranten“ überwiesenen Gelder im letzten Jahr die Summe von 466 Milliarden Dollar erreicht.

Die Liberalisierung der Sexualität und der „Umsturz der Werte“

Seit Wochen diskutieren französische Medien empört über einen lange von ihnen protegierten und hofierten Schriftsteller, der nun in Ungnade gefallen ist. Auslöser ist das Buch von Vanessa Springora, die dem heute 83-jährigen Gabriel Matzneff vorwirft, sie als 13- und 14-Jährige missbraucht zu haben. Doch seinerzeit hatten linke Medien pädophile Praktiken nicht nur toleriert, sondern vehement ihre „Entkriminalisierung“ im Sinne einer Liberalisierung der Sitten gefordert. Im Figaro will die Philosophin Chantal Delsol in der heutigen Missbilligung des Pädophilen die Rückkehr moralischer Prinzipien erkennen. Springora stelle in „Le Consentement“ die Frage, weshalb man vor 30 Jahren mit einem derartigen Elan sexuelle Freizügigkeit in alle Richtungen verteidigte und heute die gleichen Umtriebe entsetzt verurteile. Delsol notiert dazu: „Ich persönlich habe die Taten von Erwachsenen, die gleichzeitig die Seele des Kindes als auch seinen Leib schändeten, als geradezu widerlich empfunden. Doch natürlich hätte man mich als prüde Katholiken beschimpft, wenn ich meine Meinung vor 30 Jahren öffentlich gemacht hätte.“ Es sei festzustellen, dass unsere Zeit „ein großer Experte für den Umsturz von Werten“ sei: „Die Homosexualität oder Abtreibungen, die noch vor kurzem verpönt waren“, seien heutzutage „legitim und legal“. Der „kulturelle Linksradikalismus“ sei während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine „Form des Nihilismus gewesen, dessen Motivation die Vernichtung der christlichen Moral war“. Doch die damalige Leugnung aller moralischen Werte sei langfristig nicht existenzfähig: „Künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft und andere zynische Manipulationen könnten eines Tages sich als das zeigen, was sie sind: schändliche Angriffe auf die Menschenwürde. Einer meiner Kollegen sagt, dass es in den kommenden Jahrzehnten ein Nürnberg der Bioethik geben werde.“

Widerstand gegen Katholiken in China und Indien

Der Catholic Herald zitiert einen Regierungsbericht der USA über chinesische Katholiken: „Im Laufe des Jahres 2019 fand die vom Kongress eingesetzte Kommission über China heraus, dass sich die Menschenrechtssituation verschlimmert hat und sich die Rechtsstaatlichkeit weiter verschlechtert, da die chinesische Regierung zunehmend Verordnungen und Gesetze umsetzt, um eine soziale und politische Überwachung durchzusetzen.“ So gehörten zu den seit Februar in Kraft gesetzten neuen Einschränkungen, dass religiöse Gruppen „den Anweisungen über die Religionen in China zu folgen hätten, die Werte des Sozialismus umzusetzen“ sowie die „Grundsätze und Richtlinien der chinesischen kommunistischen Partei“ zu fördern. Dasselbe Magazin berichtet über Katholiken in Indien, die planen, eine etwa 30 Meter hohe Christusstatue aufzustellen. Das Denkmal in Indien soll auf einem 40 000 Quadratmeter großen Grundstück errichtet werden, das der Erzdiözese Bangalore gehört. Doch Hindugruppen widersetzten sich dem Projekt mit dem Einwand, dass das Gelände der Aufenthaltsort ihrer Gottheit Kapali Betta sei.

Washington oder Teheran: Wer ist schuld?

„Teheran, und nicht Trump, hat die Eskalation verursacht“, titelt Le Point in Bezug auf die Tötung des Terroristen Souleimani im Irak. Luc de Barochez meint, in Europa animiere ein „antiamerikanischer Reflex allzu sehr dazu, das iranische Regime als Opfer zu betrachten“. Diese Sichtweise, vor allem aus den Reihen der Linken, gehe davon aus, „in dem Mord an Souleimani einen Fehler seitens von Donald Trump zu sehen, der damit einerseits das Risiko eines schweren Konflikts auf sich genommen und andererseits einen Militärchef eliminiert habe, der ein Bollwerk gegen den IS gewesen sei“. Doch diese Sicht sei falsch. Im letzten Jahrzehnt habe Souleimani gewaltsam eine imperialistische Eroberung betrieben, „um den Einfluss Teherans auf den Irak, auf Afghanistan, Jemen, den Libanon und Syrien auszudehnen“. In den vergangenen Monaten habe der Iran „eine amerikanische Drohne abgeschossen, Handelsschiffe im Golf aufgebracht, und schließlich saudische Infrastrukturen für Öltanker bombardiert“. Mit der Tötung eines Amerikaners im Irak habe der Iran „die rote Linie überschritten“, weshalb Trump nun eingriff.

DT/ks

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