Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 25. Juli

Regelmäßig blickt die Tagespost in andere europäische Medien. In dieser Woche geht es unter anderem um die Völker Amazoniens, Priestersoutanen in Frankreich und Abtreibungen in Großbritannien.
Zeitschriftenregal
Foto: Lukas Schulze (dpa) | In der Internationalen Presseschau blickt die Tagespost auf interessante Beiträge in Zeitschriften aus aller Welt.

Friedfertiges Amazonien?

Homme Nouveau zitiert den Blog von Jeanne Smiths über die Amazonas-Synode. Die Autorin schreibt, dass das Arbeitspapier der nächsten Synode uns „die Amazonier als wahrhaftige gute Wilde im Sinne Rousseaus präsentiert“. Stimmt dieses Bild?

Smiths weiter: „Bei ihrer ersten Landung im 16. Jahrhundert fanden die Europäer amazonische Volksstämme vor, die sich in konstantem Krieg befanden. ,Weise alte Männer‘ führten Überfälle auf Nachbarkolonien durch, mit dem Ziel, Frauen und Territorien zu rauben. Die Praxis des Kannibalismus kam nicht selten vor und lieferte ein weiteres Motiv dafür, Krieg mit den Nachbarvölkern zu führen. Nach einer Studie von 2012 ist vor der Ankunft der Europäer etwa ein Drittel aller Sterbefälle unter den amazonischen Volksstämmen gewalttätigen Konflikten geschuldet. Sobald die europäischen Missionare das Innere des Landes erreichten, begann das Niveau der Gewalt zu sinken.“


Weniger Soutanen bei Priestern

„Nach Jahrzehnten des Fegefeuers“, schreibt Vincent Mongaillard in Le Parisien, werde „das seit Jahrhunderten traditionelle Priestergewand wieder in Gnaden aufgenommen“. So hätten sich „mehrere hundert Priester in Frankreich entschieden, das auffälligste religiöse Kleidungsstück zu tragen, das man schon vom Aussterben bedroht glaubte“, und einzig den sogenannten „traditionalistischen“ Gottesdienern vorbehalten schien.

Der 44-jährige Pater Simon Chouanard etwa ist ein „ganz normaler Priester“, der „kein Tradi“ ist. In der Kirche wie beim Fahren auf dem Motorroller in der Stadt trägt er Soutane: „Nicht aus Nostalgie, es ist kein Prunkgewand, es ist meine Arbeitskleidung.“ In den letzten Jahrzehnten ist die Soutane „aus den Pfarrhäusern quasi verschwunden“, doch nun wollen die Geistlichen ihre Identität sichtbar machen. Es sei „eine Wiederherstellung der Vertikalität des Priestertums, eine Reaktion auf die Auflösung der Priester innerhalb der Gesellschaft im Laufe der Jahre 1970 bis 2000, als sie zu Sozialanimatoren geworden waren“, erläutert der Religionshistoriker Jean-François Colosimo.

Es sei „eine Frage der Generation“, stellt der 28-jährige Abbé Stanislas Briard fest, „der wie viele ehemalige Mitseminaristen seit seiner Weihe im Jahr 2016 an der Soutane festhält“. Er sieht in ihr „ein Instrument zur Evangelisierung“. Es sei „eine ganz einfache Weise, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Man wird auf der Straße angesprochen. Man kann einen sehr tiefen Austausch haben oder mitten in einem Supermarkt eine Anfrage zur Beichte bekommen“, bemerkt er. Pater Chouanard, der sein Amt seit 14 Jahren ausübt, macht die gleichen Erfahrungen: „Es heißt, dass die Soutane die Türen versperrt – mir werden sie damit geöffnet. Sie ist ein Vorwand, um ein Gespräch anzufangen.“


Der Niedergang des Glaubens in Großbritannien

„Großbritannien entwickelt sich unaufhaltsam zu einem Land der Säkularisten und Atheisten“ heißt es in The Tablet. Der „British Social Attitudes Survey“, eine jährlich vom National Centre for Social Research durchgeführten Umfrage, stellte einen „drastischen Rückgang“ des christlichen Glaubens und der christlichen Praxis fest. Zugleich sei die Anzahl derer ohne Religionszugehörigkeit sowie jener, die nicht-christlichen Glaubensrichtungen angehörten, gestiegen.

Der Prozentsatz der Anglikaner fiel von 40 Prozent im Jahr 1983 über 22 Prozent im Jahr 2008 auf zwölf Prozent im vergangenen Jahr. Dem katholischen Glauben erging es etwas besser: der Prozentsatz fiel von zehn Prozent Katholiken über neun Prozent auf nunmehr sieben Prozent. Die Studie definiert den Rückgang als „generationsabhängig“: „Zwei nichtreligiöse Elternteile geben ihre fehlende Religion erfolgreich an ihre Kinder weiter. Zwei religiöse Elternteile haben etwa eine Chance von 50 Prozent, den Glauben weiterzugeben.“ Bei einem religiösen Elternteil liege die Chance bei nur ungefähr 25 Prozent. In der Terminologie des radioaktiven Zerfalls gesprochen, habe „die institutionelle Religion in Großbritannien heute eine Halbwertszeit von einer Generation“.

Als Reaktion auf die Studie twitterte der Bischof von Portsmouth, Philip Egan: „Derzeit studiere ich das ernüchternde Buch ,Mass Exodus‘ von Stephen Bullivant. Wie man (erneut) eine Verbindung zu den 87 Prozent nicht-praktizierenden Katholiken in unserer Diözese wiederherstellen kann, ist momentan der Fokus unseres diözesanen Pastoralkonzils.“


Mehr Verhütung und auch mehr Abtreibungen

„Empfängnisverhütung hat die Nachfrage nach Abtreibungen nicht vermindert“, titelt der Catholic Herald. Mary Kenny schreibt, dass die Abtreibungen im vergangenen Jahr im Vereinigten Königreich mit mehr als 205.000 einen „Höchststand“ erreicht hätten. Empfängnisverhütung sollte ja die Nachfrage nach Abtreibungen drosseln: „Doch das hat offensichtlich nicht so funktioniert.“ Jedenfalls seien die ständig zunehmenden Zahlen sehr traurig.

Bei den Legalisierungskampagnen Mitte der Sechzigerjahre fand man es beklagenswert, dass es bis zu 50.000 Abtreibungen jährlich gebe. Kenny erinnert sich, „dass die Labour-Abgeordnete Lena Jager damals sagte, dass die Anzahl auf ein absolutes Mindestmaß gesenkt werden könne, wenn Abtreibung erst einmal legalisiert werde und eine angemessene Familienplanung zur Verfügung stünde“.


Die Kathedrale von Reims und Notre-Dame de Paris

In einem Interview mit dem Wochenmagazin L'Express plädiert der Kunsthistoriker Thomas Gaehtgens für einen originalgetreuen Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre Dame. Der Gründungsdirektor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris und Verfasser von „Die brennende Kathedrale: Eine Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg“ (2018) entdeckt Parallelen zwischen der 1914 durch deutsche Bombardierungen entfachten Feuersbrunst in Reims und dem Brand in dem Pariser Gotteshaus.

So sei die Kathedrale von Reims im Vergleich zu Notre-Dame de Paris sehr viel stärker beschädigt worden: „Es gab viel mehr Schäden im Innern und an der Außenfassade, sodass es eine Diskussion darüber gab, ob es möglich sei, sie wiederaufzubauen. Diese Frage stellt sich nicht für Notre-Dame. Man fragte sich damals, ob man die Kathedrale von Reims als Ruine belässt, um aus ihr ein Denkmal für die deutsche Barbarei zu machen.“ Die Kirche entschied sich damals für den Wiederaufbau. Schließlich habe man Träger aus Beton, und nicht aus Holz, verwendet.

Aus dieser Diskussion könne man für die Rekonstruktion von Notre-Dame lernen: Man müsse sehen, „ob ein Wiederaufbau wie früher in Holz möglich ist oder ob es dabei Risiken gibt. Ideal wäre eine originalgetreue Rekonstruktion, doch es sind weitere Fragen, vor allem die nach der Sicherheit, zu bedenken“.

DT/KS

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