Würzburg

Internationale Bücherschau

Männlichkeit heute authentisch leben - Weltliteratur für Katholiken - Wie katholische Priester die westliche Zivilisation prägen.
Buchtitel: "The Catholic Gentleman – Living Authentic Manhood Today", Sam Guzman
Foto: Ignatius Press | In "The Catholic Gentleman" möchte Sam Guzman junge, aber auch ältere Männer davon überzeugen, wie heute "Männlichkeit authentisch gelebt werden" kann.

Männlichkeit heute authentisch leben

Echte Männlichkeit befindet sich – nicht zuletzt unter dem Einfluss feministischer Gedankengebäude – seit Jahren auf dem Rückzug. Sam Guzman widmet sich in seinem Buch „The Catholic Gentleman – Living Authentic Manhood Today“ – der Variante des „katholischen Gentleman“. Der Autor, der auch einen Blog gleichen Namens betreibt, für diverse christliche Online-Plattformen schreibt und häufiger Gast beim Fernsehsender EWTN ist, möchte mit seinem Leitfaden junge, aber auch ältere Männer davon überzeugen, wie heute „Männlichkeit authentisch gelebt werden“ kann. In seinem Vorwort zum Buch stellt der Präsident der American Chesterton Society, Dale Ahlquist, die Beziehung zwischen den Worten „Gentleman“ und „Ritter“ her, dessen „größte Stärke seine Zurückhaltung“ war: „Er erwarb sich Liebe und Achtung, ohne sich auf seine Macht berufen zu müssen. Er war zivilisiert und kein Barbar“. 32 kurze Kapitel („Die vielen Gesichter der Männlichkeit“, „Tugend“, „Vaterschaft“, „Tradition“, „Leiden“, „Höflichkeit“, „Wer möchte ein Heiliger sein?“, „Beten“ et cetera) werden ergänzt durch 13 „Lebensregeln“ und eine „Lektüreliste“ für den katholischen Gentleman.

 

Sam Guzman: „The Catholic Gentleman – Living Authentic Manhood Today“. Ignatius Press 2019. 160 Seiten, EUR 16,80

Weltliteratur für Katholiken

Joseph Pearce muss man eigentlich nicht vorstellen. Der 1989 zum katholischen Glauben konvertierte Brite lehrt am Aquinas College in Tennessee. Auch über die Grenzen des angelsächsischen Sprachraums hinaus wurde er als Autor weit beachteter Biographien klassischer Dichter wie Shakespeare, Tolkien, Oscar Wilde, C.S. Lewis, Chesterton und Belloc bekannt. Sein neuestes Buch „Literature – What Every Catholic Should Know“ gibt auf über 200 Seiten einen gestrafften chronologischen Überblick über Werke der Weltliteratur, die für katholische Leser von besonderer Bedeutung sind. Wobei sein Fokus naturgemäß auf englischen Klassikern liegt. Warum sollte jeder Katholik sich über Literatur bilden?, fragt Pearce in seiner Einleitung. Weil wir „in den großen Werken der Literatur zu einer tiefen Erkenntnis des Menschen Sein und Bestimmung gelangen. Wir entdecken, dass der Mensch ein homo viator, ein Pilger oder Reisender ist, der durch das sterbliche Leben reist und dabei immer das ewige im Sinn hat“. Doch dieses Verständnis darüber, was wir eigentlich sind, sei verloren gegangen. Chesterton schrieb einmal, dass der Mensch eher ein Reisender sei, der den Namen seines Ziels vergessen habe und dorthin zurückgehen müsse, wo er hergekommen sei, auch um herauszufinden, wohin er eigentlich gehe. Pearce meint, dass es heute sogar noch schlimmer sei, „weil der moderne Mensch nicht nur den Namen seines Ziels vergessen hat, sondern sogar vergessen hat, dass er überhaupt ein Ziel hat“. Der moderne Mensch sei kein homo viator, sondern ein homo superbus, ein stolzer Mensch, „ein Gefangener seines eigenen Stolzes und seiner Voreingenommenheit“. Die von ihm besprochenen Werke betrachten das Verhältnis dieser beiden jeweiligen Pole zueinander. Geschichtlich lassen sich dementsprechend drei große Zeitalter erkennen. Die vorchristliche oder heidnische Epoche, in der der homo viator bestätigt und sein Gegenspieler, der homo superbus, verurteilt wird. Dichter dieser Kategorie sind Homer, Virgil und Sophokles. Das Zeitalter des Christentums entspricht der höchsten Blüte der Zivilisation, in der das Ziel des menschlichen Daseins im Erreichen des Himmels besteht. Für diese Epoche stehen natürlich Dante, Chaucer, Thomas Morus, Shakespeare und viele weitere. Dem „weiblichen Genius“, der in Jane Austen und den Schwestern Brontë zum Ausdruck kommt, sind ebenfalls kurze Kapitel gewidmet. In der dritten Epoche schließlich, dem „Zeitalter der Ernüchterung“, sei „Ganzheit und Einheit des Christentums in einer progressiven Fragmentierung des Denkens, die bis heute andauert“, verlorengegangen. Charakteristisch dafür sei die literarische Schilderung des „beständigen Kampfes zwischen homo superbus und homo viator, zwischen Barbarentum und Zivilisation“. Vertreter dieser Epoche sind Dickens, Chesterton, Lewis, Tolkien und Waugh, um nur einige wenige zu nennen.

 

Joseph Pearce: „Literature – What Every Catholic Should Know“. Augustine Institute/Ignatius Press. 224 Seiten, EUR 15,99

Wie katholische Priester die westliche Zivilisation prägen

Das vorliegende Werk ist eine Übersetzung des bereits im Jahr 2016 beim kalifornischen Verlag Ignatius Press erschienen Bandes „Heroism and Genius – How Catholic Priests Helped Build – And Can Rebuild – Western Civilization“. Darin analysiert William Slattery die Rolle, die der katholische Glaube beim Aufbau der abendländischen Zivilisation spielte. Dabei blickt er auf den Genius einzelner Katholiken, die mit ihrer Vision vom Reich Gottes das Abendland so geformt haben, wie es noch heute in christlich fundierten Gesellschaften weltweit in vielen Bereichen aufscheint. Herausgekommen ist ein weites Spektrum an – von Männern und Frauen des Glaubens geleisteten – Beiträgen zu ganz unterschiedlichen Domänen, wie etwa zur Bildung, zu einem Wirtschaftssystem freier Unternehmen, zu den großartigen Kunstwerken in Musik, Malerei und Architektur. So etwa ist auch ein Kapitel den Bewahrern der alten Liturgie gewidmet. Kardinal Robert Sarah empfiehlt die Lektüre mit den Worten: „Ich freue mich, das Buch von William Slattery über das Ethos des Heroismus und der Geistesgröße, von dem die Erbauer der christlichen Zivilisation inspiriert wurden – und das die Erbauer einer christlichen Kultur in der Zukunft – ob in Afrika, Asien, Europa oder Amerika – inspirieren kann.“ William Slattery wurde 1991 von Papst Johannes Paul II. zum Priester geweiht. Er hält Vorträge und Exerzitien in Amerika und Europa. In einem Gespräch mit der Zeitschrift „Famille Chrétienne“ stimmte Slattery Houellebecq zu, dem zufolge es besser wäre, „dass die katholische Religion wieder die Oberhand gewinnt“. Dies sei nötig, bestätigt Slattery, weil die einzige Möglichkeit, die Gesellschaft zu retten, darin bestehe, zu den Fundamenten dieser vom Katholizismus aufgebauten Zivilisation zurückzukehren.

 

William J. Slattery: „Comment les catholiques ont bâti une civilisation“. Éditions MAME 2020, 382 Seiten, EUR 34,90

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Sünde, Schuld, Hybris und Erlösung: Die Literaturtagung in Trumau zeigte anhand der Geschichte des Brudermords, wie zeitlos und aktuell die Themen der „Genesis“ sind.
18.05.2022, 07  Uhr
Emanuela Sutter
Themen & Autoren
Katrin Krips-Schmidt Abendland Christliche Kunst und Kultur Jane Austen Johannes Paul Johannes Paul II. John Ronald Reuel Tolkien Oscar Wilde Paul II. Pilger Sophokles Thomas Morus Vorchristliche Zeit (Jahrhunderte) Weltliteratur William Shakespeare

Kirche

Deutsche Bischofskonferenz gibt mit dem Katholischen Medienpreis 5000 Euro für Selbstdemontage der katholischen Kirche aus. Den Bischofsstab haben nun die Medien. Ein Kommentar. 
17.08.2022, 20 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie hängen an Häusern in Nischen. Verkündigung als Teil der Architektur. Hausmadonnen weisen Passanten auf die Geheimnisse des Glaubens hin. 
17.08.2022, 09 Uhr
Thosten Paprotny