Erfurt/Würzburg

Judenfeindliche Reliefs entfernen? Mehrheit knapp dafür

Judenfeindliche Reliefs wie jenes an der Stadtkirche in Wittenberg sollten entfernt werden, meinen 35 Prozent der Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Tagespost-Umfrage.
Neue Beschriftung für "Judensau" am Regensburger Dom
Foto: Armin Weigel (dpa) | Die sogenannte "Judensau" am Regensburger Dom St. Peter. Der Umgang mit der Schmähplastik ist seit vielen Jahren umstritten.

Eine knappe relative Mehrheit von 35 Prozent der Deutschen ist der Ansicht, dass judenfeindliche Reliefs, wie beispielsweise an der Stadtkirche in Wittenberg, entfernt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des in Erfurt ansässigen Meinungsforschungsinstituts „INSA Consulere“, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde. Dagegen sprechen sich 30 Prozent gegen eine Entfernung aus. Mit 25 Prozent geben auch sehr viele Befragten an, nicht zu wissen, ob sie sich für oder gegen eine solche Entfernung aussprechen sollen. Weitere elf Prozent möchten sich dazu nicht positionieren.

Männliche Befragte mehrheitlich dagegen

Die Aussage, zu der die Teilnehmer der Umfrage Stellung beziehen sollten, lautete: „Ich bin dafür, dass an Kirchen, wie etwa an der Stadtkirche in Wittenberg, judenfeindliche Reliefs entfernt werden.“ Während sich weibliche Befragte relativ-mehrheitlich für eine Entfernung von judenfeindlichen Reliefs an Kirchen aussprechen (40 Prozent), sprechen sich männliche Befragte relativ-mehrheitlich dagegen aus (38 Prozent). Eine relative Mehrheit der Befragten unter 40 Jahren spricht sich für eine Entfernung judenfeindlicher Reliefs aus. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind dies 40 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen 39 Prozent.

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Andere Befragte sind gespalten: Die 40- bis 49-Jährigen sind zu 32 Prozent dafür, judenfeindliche Reliefs zu entfernen, 31 Prozent wissen nicht, wie sie dazu stehen, 28 Prozent sind dagegen. Befragte zwischen 50 und 59 Jahren sind zu 32 Prozent gegen eine Entfernung, 30 Prozent sind dafür. Befragte ab 60 Jahren sprechen sich relativ-mehrheitlich dagegen aus (37 Prozent).

Auch katholische Befragte sind gespalten: 33 Prozent sprechen sich dafür aus, dass judenfeindliche Reliefs entfernt werden, 32 Prozent sind dagegen. 23 Prozent wissen nicht, wie sie zu der Frage stehen. Protestanten positionieren sich deutlicher für eine Entfernung (37 Prozent). Dagegen sind 31 Prozent. 24 Prozent wissen auch hier nicht, wie sie sich positionieren sollen. Eine sehr deutliche Ansicht vertreten freikirchliche Befragte: Von ihnen sprechen sich 49 Prozent für dafür aus, dass judenfeindliche Reliefs entfernt werden sollten. 25 Prozent sind dagegen. Auch Konfessionslose sprechen sich mit 36 Prozent relativ-mehrheitlich für eine Entfernung aus. 

FDP-Wähler gespalten

Die Erhebung, für die 2.063 erwachsene Personen vom 17. bis 20. Juni befragt wurden, schlüsselt die Frage auch nach Partei-Affinität auf. Je weiter rechts sich die Befragten im politischen Spektrum positionieren, desto häufiger sind sie gegen eine Entfernung von judenfeindlichen Reliefs an Kirchen. Für eine Entfernung sind am häufigsten Wähler der Grünen (47 Prozent), gefolgt von Linken-Wählern (41 Prozent) und SPD-Anhängern mit 39 Prozent. Von den Unions-Anhängern wollen 33 Prozent, dass judenfeindliche Reliefs entfernt werden, eine relative Mehrheit von 42 Prozent ist jedoch gegenteiliger Auffassung. FDP-Wähler sind gespalten: Jeweils 28 Prozent sind für oder gegen eine Entfernung. 36 Prozent sind unentschlossen. Wähler der AfD sind zu 21 Prozent für eine Entfernung, die deutliche Mehrheit von 46 Prozent ist jedoch dagegen.  DT/mlu

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