Internationale Zeitschriftenschau vom 15. November 2018

Internationale Zeitschriftenschau

Roger Scruton und die „Kommissare der Political Correctness“

„Wenn man dich erst einmal als rechts identifiziert, gilt es als völlig inakzeptabel, sich mit dir argumentativ auseinanderzusetzen“, schrieb Sir Roger Scruton. „Deine Ansichten sind irrelevant, deine Persönlichkeit ist diskreditiert, deine Anwesenheit auf dieser Welt ein Fehler. Du bist kein Gegner, mit dem man diskutiert, sondern eine Krankheit, die überwunden werden muss. Das ist meine Erfahrung.“ Die britische Regierung ernannte den 74-jährigen konservativen Philosophen und Autor dutzender Werke, wie Toby Young im Spectator berichtet, zum Vorsitzenden einer Kommission, die neue Wohnanlagen „schön“ gestalten will. Binnen weniger Minuten nach der Ernennung seien die nach „Vergehen forschenden Archäologen“ ans Werk gegangen und hätten alles, was er bisher geschrieben hat, „durchstöbert – in der Hoffnung, ,unangemessene‘ Aussagen zu finden, die empören könnten. Sie brauchten nicht lang, und der Mob formierte sich“. Scrutons „ungeheuerlichste Sünde“ bestand darin, dass er in Ungarn in einer Rede sagte, dass „viele Intellektuelle in Budapest Juden sind und ,zu den umfangreichen Netzwerken um das Soros-Imperium gehören‘“. Der Kontext blieb unerwähnt. Sir Rogers Thema war eine Kritik am Nationalismus. So erklärte er weiter, dass einige der Pro-EU-Intellektuellen Ungarns Juden sind, und dass sie gemeinsam mit George Soros „mit Recht misstrauisch gegenüber dem Nationalismus sind“, da sie ihn für „die Hauptursache der Katastrophe Mitteleuropas im 20. Jahrhundert“ hielten. Er machte deutlich, dass er diese Art von Nationalismus nicht verteidige. Er habe eher eine „Loyalität zum Nationalstaat im Auge“. Weitere seiner Äußerungen wurden aus dem Zusammenhang gerissen, „um die Empörungsmaschinerie auf Touren zu bringen, einschließlich einiger leicht kritischer Bemerkungen über ,Islamophobie‘“: „Wenn man in Bezug auf von Muslimen gegen Frauen begangene Verbrechen Empörung äußert und andeutet, dass der Islam damit etwas zu tun haben könnte, wird einem ,Islamophobie‘ vorgeworfen.“ Viele Labour-Abgeordnete hätten „nun seinen Kopf gefordert“, so auch Andrew Gwynne, der apodiktisch feststellte: „Niemand, der solche Positionen vertritt, hat einen Platz in der modernen Demokratie.“ Der Premierminister müsse „Scruton rauswerfen und untersuchen lassen, wie er überhaupt ernannt werden konnte“.

Wegen Benachteiligung weiblicher Mitarbeiter: Keine bezahlten Besuche mehr im Striplokal

„Under Armour macht Schluss mit unentgeltlichen Besuchen von Striplokalen“ titelt das Wall Street Journal. Hintergrund der Story ist, dass die Angestellten des großen Sportbekleidungsherstellers ihre Aufenthalte in den Etablissements nunmehr nicht mehr mit den Kreditkarten ihrer Firma begleichen können. Die langjährige Praxis des Unternehmens wurde durch eine E-Mail an die Mitarbeiter abgeschafft. Die Zeitung schreibt: „Jahrelang gingen Führungskräfte und Mitarbeiter des Bekleidungsunternehmens einschließlich des Geschäftsführers Kevin Plank nach Firmen- und Sportveranstaltungen mit Sportlern und Kollegen in Striplokale, und die Firma bezahlte oft die Besuche vieler Teilnehmer.“ Erstaunlich ist hierbei nicht nur die Tatsache, dass solche Orte gemeinsam besucht wurden, sondern, dass die Firma dafür bezahlte. Noch erstaunlicher ist jedoch die von Under Armour vorgebrachte Begründung für die Änderung seiner Unternehmenspolitik in diesem Punkt. Wie das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes mitteilte, waren es offenbar Frauen, „die es entwürdigend fanden, dass die Firma dafür bezahlte“. Dies sei ein Problem, „weil weibliche Angestellte oftmals von Veranstaltungen in Striplokalen ausgeschlossen sind und damit auch von Kunden- und Kollegenkontakten, die hier geschlossen werden“, wodurch die Frauen benachteiligt würden. Under Armour, so Forbes weiter, meine offenbar, mit dem Stopp der Bezahlung „einen großen Schritt auf ein integratives Arbeitsumfeld für Frauen getan zu haben“ und damit in der #MeToo-Ära auf der Höhe der Zeit zu sein.

Ohne Grenzen keine Identität

Autor Philippe de Villiers publiziert ein Buch nach dem anderen, in dem er die Vergangenheit untersucht, um die Gegenwart besser zu beleuchten. Im Figaro gibt er Auskunft über seine neueste Veröffentlichung „Le Mystere Clovis“ („Das Geheimnis Chlodwig“). Nach dem Untergang des Römischen Reiches erschien der Gründer des Frankenreiches Chlodwig auf der Bildfläche, dessen Taufe die Geburt des christlichen Abendlandes einläutete. Zwischen dem Fall Roms und „unserem eigenen Verfall“ entdeckt de Villiers erstaunliche Parallelen: „Irgendwann hielten die vornehmen Senatoren es nicht mehr für nötig, den Limes, die Grenze des Reiches, zu schützen. Von da an gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Staatsbürgern und Ausländern. Und mit dem Verlust des Limes verlor Rom zugleich seinen Stolz, und seine Fähigkeit, sich zu verteidigen, war geschwächt. Wenn es keine Grenze mehr gibt, löst sich die Identität auf.“ Die zweite Gemeinsamkeit weise auf „die Trägheit hin, mit der den Barbaren die Territorien überlassen wurden. Die Verweigerung des Militärdienstes ermunterte die Römer zum Müßiggang, um ihre eigene Sicherheit den Goten oder den Vandalen anzuvertrauen, was heutzutage ähnlich geschehe, „wenn man am Flughafen Roissy Fichés S [verdächtige Personen bis hin zu Gefährdern] arbeiten lässt“. Früher sagten die Senatoren von den Barbaren: „Sie sind sanft und friedlich.“ „Wenn man die beiden wesentlichsten Züge der römischen Dekadenz entschlüsselt – die Überflutung von außen und den inneren Zerfall –, begegnet man einigen Symptomen der Gegenwart“, so de Villiers.

Englische Katholiken gegen Abkommen mit China

Einem Beitrag im Catholic Herald zufolge haben englische Katholiken „großes Entsetzen“ über die vorläufige Vereinbarung des Vatikan mit Beijing geäußert. Darin kritisieren sie das Abkommen, „mit dem der atheistischen chinesischen Regierung erlaubt wird, bei der Auswahl von Bischöfen in einer Zeit wachsender Unterdrückung eine Rolle zu spielen“. Sie schreiben: „Seit 2017 werden Kirchen in Henan, Jiangxi, Zheijiang, Liaoning und Hebei aufgefordert, Spruchbänder und Darstellungen mit religiösen Botschaften zu vernichten, die chinesische kommunistische Flagge zu hissen und bei Gottesdiensten die Nationalhymne zu singen. Kindern wurde sogar verboten, in die Kirche zu gehen. Allein in Henan sind Hunderte von Christen verhaftet und Bibeln konfisziert worden, mehr als 20 Kirchen wurden zerstört und etwa 100 Kreuze und weitere christliche Symbole entfernt oder vernichtet.“ KS

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