Feuilleton

Hoffnung durch Haltung

Jana Highholder soll als frisches Gesicht die EKD im Netz vertreten. Zugleich wird sie wegen ihrer bibeltreuen Einstellung kritisiert. Von Josef Bordat
Jana Highholder - Die Hoffnung der EKD
Foto: IN | Die Hoffnung der EKD: Jana Highholder.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steckt nicht weniger in der Krise als die Katholische. Hier wie dort fehlen vor allem junge Menschen, die sich berufen fühlen, in ihrer Kirche für den christlichen Glauben einzustehen. Was tun? Die EKD hatte eine Idee: Wenn die jungen Menschen nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen. Ganz originell ist das nicht, doch der Gedanke wurde konsequent umgesetzt. Mit der 19-jährigen Medizinstudentin, Poetry-Slammerin und gläubigen evangelischen Christin Jana Highholder wurde eine junge, attraktive YouTuberin engagiert, die den Glauben frisch und frei verkündet und dabei beachtliche Resonanz erfährt: Ihr Kanal „Jana glaubt“ wird von über 12 000 Abonnenten verfolgt, ihre Videos erreichen tausende Besucher und behandeln (nicht nur) religiöse Themen in jugendgerechter Weise. „Jana Highholder ist die Hoffnung der Evangelischen Kirche“, fasst das „Pro Medienmagazin“ euphorisch zusammen.

Also: Eigentlich alles perfekt. Wäre da nicht ihre konservative theologische Linie, die sich durch die Clips zieht. Besonders ihr Frauenbild steht im Zentrum der Kritik. In einer rund 20-minütigen Diskussion mit der Pfarrerin Hanna vertritt Jana die Position, dass sie sich sehr wohl einem Mann unterordnen könne, wenn dieser sie liebe „wie Christus die Gemeinde“. Empörung allerorten! So schnell kann das gehen: Von der Hoffnungsträgerin zur Hardlinerin. Dabei ist eine starke persönliche Haltung gerade das, was auch andere Menschen stärkt, was ihnen Hoffnung gibt.

Seitdem schlagen die Wellen hoch – innerhalb wie außerhalb der EKD. Sogar „Zeit Online“ greift die als ambivalent empfundene Digitalstrategie der Evangelischen Kirche auf und fragt in Richtung Jana: „Ist sie die Antwort?“ Das wiederum kommt freilich ganz auf die Frage an, die gestellt wird. Von erstaunlicher Solidarisierung zeugt in diesem Zusammenhang ein geradezu apologetischer Beitrag Hanno Terbuykens, Leiter Digitale Kommunikation im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in seinem Blog („Confessio Digitalis“) auf dem Portal „evangelisch.de“: „Dass Jana in ihrem eigenen Glauben freikirchlich geprägt ist, war schon bei der ersten Agenturpräsentation klar. Unter den YouTubern, die die Agenturen mit eingebracht haben, war sie aber diejenige mit der besten Bildschirmpräsenz und der klarsten eigenen Glaubens-Ansage. Wenn man zeigen möchte, dass christlicher Glaube auch für junge Menschen ein Halt sein kann, und YouTube ein personalisiertes Medium ist, braucht man eine Person, für die das selbst so ist und die davon erzählen kann. Ein Wischi-Waschi-Ethik-Sozial-YouTube-Kanal funktioniert dafür erst recht nicht.“ Wie wahr.

Was Jana Highholder von dem Wirbel um ihren YouTube-Kanal hält, erfährt man unterdessen in keinem der zahlreichen Presseberichte. Auch für „Die Tagespost“ war sie bisher nicht zu erreichen. Zu hoffen bleibt, dass sie selbst ihre Hoffnung nicht verliert.

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