Feuilleton

Hermit & Hog: Gibt's im Himmel Stahlbeton?

Pater Johannes Maria Schwarz startet neues Evangelisierungsprojekt im Internet: „Hermit & Hog“. Von Josef Bordat
Pater Johannes Maria Schwarz mit dem animierten Wildschwein Heinrich
Foto: „Hermit & Hog“ | Neues aus der Eigenbrödelei: Pater Johannes Maria Schwarz evangelisiert als Eremit mit dem animierten Wildschwein Heinrich.

YouTube ist das Videoportal für filmische Botschaften aller Art – vom Katzenvideo über Urlaubserinnerungen bis hin zum Produktmarketing mit Hilfe zumeist junger „VLogger“ (Video-Blogger, also Betreiber eines YouTube-Kanals), die als „Influencer“ Kaufentscheidungen beeinflussen sollen. Ein ganz besonderer Influencer ist Pater Johannes Maria Schwarz, Vizedirektor im Priesterseminar Leopoldinum in Heiligenkreuz. Er ist für seine Evangelisierungsprojekte im Internet bekannt. Nach der populären 24 Episoden umfassenden Katechesereihe „Mein Gott und Walter“ sowie der 72-teiligen Cartoonreihe „3 Minute Catechism“ hat der Zisterzienser ein neues Evangelisierungsprojekt auf YouTube gestartet: „Hermit & Hog“ – Geschichten aus der Einsiedelei Sant'Onofrio in den Alpen. Der Geistliche war schon immer sehr medienaffin. Bereits während des Theologiestudiums arbeitete Johannes Maria Schwarz bei kath.net. Nach Lizenziat, Priesterweihe und Promotion (bei Manfred Hauke in Lugano), lehrte er am International Theological Institute in Gaming und Trumau. 2011 entstand „Mein Gott und Walter“, ein Sendeformat, in dem Johannes Maria Schwarz zusammen mit Johannes Speckle (als „Walter“) den Zuschauern Gott und die Welt erklärt. Themen wie „Der Mensch“, „Der dreifaltige Gott“, „Glaube und Wissenschaft“, „Das Böse“, „Die Erlösung“, „Der Vatikan“, „Die Beichte“, „Das Leben aus Christus“ (um nur einige zu nennen) ermöglichen dem zumeist jüngeren Publikum Einblicke in Fragen der Fundamentaltheologie, der Religionsphilosophie und der Kirchengeschichte. Ein kompakter filmischer Glaubenskurs, der kurz und bündig erklärt, was es mit dem Christentum katholischer Prägung auf sich hat.

Von Mai 2013 bis August 2014 war Pater Schwarz auf einer Fußpilgerreise ins Heilige Land unterwegs. Ein bewegtes Leben und viel Stoff für die publizistische Aufarbeitung. So kam es, dass er zwar im September 2014 zum Vizedirektor im Priesterseminar Leopoldinum in Heiligenkreuz ernannt, zwei Jahre später jedoch für katechetische Medienarbeit freigestellt wurde. Gott sei Dank, denn so konnte er nicht nur die Cartoonreihe „3 Minute Catechism“ realisieren, die tief in den katholischen Glauben einführt und in zehn Sprachen abrufbar ist, sondern auch das neueste Projekt entwickeln: „Hermit & Hog“. Vor rund einem Monat erschien die erste Folge. Mit Episodentiteln, die neugierig machen („Gibt es im Himmel Stahlbeton?“, „Über die Religiosität von Hirschkühen“, „Kurz getauft und schon gestorben!“) und witzigen Dialogen zwischen dem Pater und einer Trickfigur namens „Heinrich“ geht es auf eine atemberaubende Reise über die Via Alpina Sacra, „ein 4 300 Kilometer langer Pilgerweg durch acht Länder und den gesamten Alpenbogen zu den höchsten, schönsten, ältesten, interessantesten Kapellen, Kirchen, Klöstern, Heiligtümern und Wallfahrtsorten“. Wackelbilder einer Handkamera, die in einem rasanten, an die Sehgewohnheiten der Digital Natives angepassten Schnitt arrangiert sind, wechseln sich mit beschaulichen Schwenks über herrliche Landschaften und geschichtsträchtige Sakralbauten ab. Analog der Musikeinsatz – zwischen Technobeats und Gregorianik, mal laut, mal leise. Die einzelnen Etappen und Stationen geben Pater Johannes Maria Schwarz die Gelegenheit, Glaubensfragen zu stellen und ebenso tempo- wie einfallsreich zu beantworten – eine gelungene Fortsetzung von „Mein Gott und Walter“ und „3 Minute Catechism“.

Evangelisation dort, wo die Menschen sind

Pater Johannes Maria Schwarz gibt mit seinen Internet-Projekten Antwort auf die oft gestellte Frage, wie Evangelisation heute gelingen kann: Sie muss dahin, wo die Menschen sind (und das ist zunehmend die Online-Welt zwischen Kommentarspalten, Fotos und Videos), sie muss sich in Sprache und Stil anpassen (nicht jedoch im Inhalt), sie muss die Eigengesetzlichkeit des Mediums berücksichtigen (und nicht etwa meinen, dieses müsse sich der Kirche anpassen). Ein Blick in die Videos des Geistlichen mit dem Rauschebart lohnt sich – auch für gestandene, glaubensfeste Katholiken.

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