"Der Vorname"

Wie ein Streit eskaliert: Trotz teilweise repetitiven Dialogen macht Sönke Wortmanns „Der Vorname“ die Risse hinter der bürgerlichen Fassade sichtbar. Von José García
"Der Vorname"
Foto: Constantin | Im Streit wechseln auch mal die Fronten bei Elisabeth, Thomas, René und Stephan, nachdem Thomas erzählte, er wolle seinen Sohn Adolf nennen.

Es sollte ein schöner Abend werden: Hochschulprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) haben deren Bruder Thomas (Florian David Fitz) und seine schwangere Freundin Anna sowie Familienfreund René (Justus von Dohnányi) in ihr Bonner Haus zum Essen eingeladen. Anna verspätet sich zwar noch etwas, aber die andern wollen schon von Thomas den Namen erfahren, den sich das junge Paar für den Sprössling ausgesucht hat. Als Thomas verkündet, der Junge soll Adolf heißen, folgt auf die erste Sprachlosigkeit eine entrüstete Antwort von Stephan.

Fast die gesamte Handlung findet in einem Raum statt

Thomas’ Argumente – was ist mit dem Adolf-Grimme-Preis? Nach diesem Maßstab dürfte auch niemand mehr Josef heißen (wegen Stalin) – machen Stephan nur noch rasender. Erst unmerklich, dann immer deutlicher verlagert sich der Streit ums politisch Korrekte in Richtung persönliche Angriffe. Verdrängte Ressentiments etwa zwischen dem Schulabbrecher Thomas und dem spießig-bildungsbürgerlichen Stephan kommen an die Oberfläche. Als die ahnungslose Anna (Janina Uhse) endlich kommt, gießen ihre wohlgemeinten, aber missverständliche Kommentare neues Öl ins Feuer.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

„Der Vorname“ basiert auf dem französischen Theaterstück. „Le prénom“ von Alexandre de la Patelliere und Mathieu Delaporte, die ihre Komödie 2012 für die große Leinwand adaptierten. Deshalb findet bis auf kleine Ausnahmen die gesamte Filmhandlung in einem einzigen Raum statt. Deshalb aber auch die Bedeutung der Dialoge, die meistens pointiert und geschliffen daherkommen, teilweise aber auch etwas repetitiv wirken, gegenüber einer Kameraführung, die auch in 360-Grad-Fahrten Akzente zu setzen sucht, meistens aber auf für den Dialog typischen Schuss-Gegenschuss-Einstellungen beharrt. Wie etwa auch der ebenfalls auf einem Theaterstück basierende Spielfilm „Der Gott des Gemetzels“ (DT vom 26.11.2011) entlarvt „Der Vorname“ eine oberflächige bürgerliche Kultiviertheit, die leicht durch Gehässigkeiten Brüche bekommt.

DT

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