Zweck heiligt Mittel nicht

US-Bischöfe verurteilen Forschung an embryonalen Stammzellen

Die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten haben sich gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen gewandt. Die „Zerstörung menschlicher Embryonen“ zu Forschungszwecken stelle den Respekt für das Leben erneut in Frage, heißt es in einer Grundsatzerklärung, die die Vollversammlung der Bischofskonferenz am Wochenende in Orlando im Bundesstaat Florida verabschiedete. Die „falsche Annahme“, dass ein guter Zweck eine „direkte Tötung rechtfertigen“ könne, habe der Welt viel Unheil gebracht. Auch ein einwöchiger Embryo sei ein „menschliches Leben“ und verdiene dieselbe Würde wie alle anderen Mitglieder der Menschheitsfamilie, so die Bischöfe. Wenn „Grundrechte“ wie das Recht auf Leben von unterschiedlichen Fähigkeiten oder Qualitäten abhängig gemacht würden, gebe es keine wahre Gleichheit unter den Menschen, sondern nur „Privilegien für die Starken“.

Aus der Grundsatzerklärung soll ein Dokument werden

Die Erklärung richtet sich auch gegen die Tötung sogenannter überzähliger Embryonen aus künstlichen Befruchtungen, gegen menschliches Klonen und die „groteske Praxis“, geklonte Embryonen in der Gebärmutter einer Frau heranwachsen zu lassen, um Zellmaterial und Organe zu gewinnen. Letzteres ist in den Vereinigten Staaten bislang verboten.

Obwohl sich die katholische Kirche in den USA wiederholt gegen die Forschung mit Embryonen ausgesprochen hat, gab es bislang keine offizielle Stellungnahme der Bischofskonferenz. Die neue Grundsatzerklärung soll zum Wegweiser für ein späteres pastorales Dokument werden.

Diskussion um Übersetzung des Römischen Messbuchs

Bei dem dreitägigen Frühjahrstreffen diskutierten die Bischöfe in Orlando auch über sexuellen Missbrauch durch katholische Priester sowie über ethische Richtlinien zur künstlichen Ernährung im Gesundheitswesen. Die Abstimmung über eine neue Übersetzung des Römischen Messbuchs wurde aufgeschoben, da keine Zweidrittelmehrheit zustande kam. Die Arbeiten dafür hatten 2006, vier Jahre nach Veröffentlichung des lateinischen Originals, begonnen. Unter englischsprachigen Klerikern ist seit mehr als 30 Jahren umstritten, wie weit die Übertragung liturgischer und biblischer Texte von den lateinischen Originalvorlagen abweichen darf. Seit einer Änderung der Statuten bei der zuständigen „International Commission on English in the Liturgy“ (ICEL) mit Sitz in Washington im Oktober 2003 hat der Vatikan ein Mitspracherecht bei der Besetzung des zuvor weitgehend autonomen Gremiums. Einige Bischöfe und Theologen sehen darin eine unzulässige Beschneidung ihrer Autonomie in Übersetzungsfragen. DT/KNA

Themen & Autoren

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann