Tagesposting

Was eine Sex-Puppe auslösen kann

In einer Gesellschaft, in der vorgeblich alles möglich sei, wird das natürlich Gegebene zum exotischen Außenseiter gestempelt. Jede_*R macht sich die Welt selbst, verpartnert sich mit der WG oder auch dem Pferd und adoptiert sich ein, zwei Kinder dazu. Eine Dystopie.
Tagesposting: Gedanken über  eine Sex-Puppe
Foto: pr | Alexander von Schönburg schreibt Bücher und gehört zur BILD-Chefredaktion.

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich meine Lebenszeit mit sehr viel Zeitungslektüre verschwende. In den seltensten Fällen lohnt es sich. Neulich aber bin ich über eine Meldung gestolpert, die mich nicht mehr loslässt. Es ging um einen Mann in Almaty (Kasachstan), der seine neueste Eroberung mit folgenden Worten pries: „Ich habe Margo in einer Bar kennengelernt und irgendwann habe ich die Leute dort gefragt, ob ich sie mit nach Hause nehmen darf.“ Margo, muss man wissen, ist eine aufblasbare Sex-Puppe. „Da sie eine Puppe ist“, sagt der Mann, „hat sie mir nie Widerreden gegeben und sie hat mir auch nie Vorwürfe gemacht, wenn ich mal keine Zeit für sie hatte.“

Nach acht Monaten harmonischer Zweisamkeit, hat er Margo allerdings verlassen, sie war kaputt. Nun hat er sich zwei neue Puppen angeschafft, Luna und Lolo, im November will er beide heiraten. Da die Behörden da wohl nicht mitmachen, plant er eine kleine, private Feier, um das Ereignis zu begehen.

„Irgendwann werden „Normale“
– für sie gibt es bereits die leicht diskriminierende
Bezeichnung „Cisheteronormalos“ –
als pervers gelten“

Neulich hat mir auf dem Kurfürstendamm eine Schaufensterpuppe beim Vorbeigehen schöne Augen gemacht. Es liegt mir also fern, mich über Agalmatophilie lustig zu machen. Im Gegenteil. Die Geschichte des Mannes aus Almaty und meine eigene Begegnung auf dem Ku'damm weist auf ein echtes Problem hin, dem wir uns früher oder später stellen müssen, wenn wir das mit der sexuellen Selbstbestimmung und all dem LGBTQ-Gedöns auf die Spitze treiben. Die „Ehe für alle“ ist ja in Wahrheit keine Ehe für alle, sondern speziell für Homosexuelle.

 

Wenn – was uns die Gesellschaft ja aufzudrängen versucht – Ehe kein Bund mehr ist, den nur ein Mann und eine Frau eingehen können, wenn wir die möglichen Konstellationen also ausweiten, gibt es keinen – oder nur willkürliche – Gründe, Grenzen zu ziehen. Mit welchem Recht möchte man zum Beispiel jemanden davon abhalten, seine beiden besten Freunde oder gar sämtliche Bewohner seiner WG in Berlin-Friedrichshain zu heiraten? Oder eben eine Puppe. Oder ein Pferd.

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Die nächste Schallmauer ist das Adoptionsrecht. Wenn nicht mehr die Natur, sondern Willkür entscheidet, mit welchem Recht will man dann einer, sagen wir, 85 Jahre alten Dame den Wunsch nach Kindsadoption verweigern? Auch einer Wohngemeinschaft aus mehreren Personen wird man, wenn erst einmal der Willkür Tür und Tor geöffnet ist, irgendwann den Kinderwunsch nicht mehr absprechen dürfen. Mit welcher Begründung auch? Die kluge Mary Harrington behauptete neulich auf Unherd.com (einer empfehlenswerten Internet-Zeitung), dass unsere Gesellschaft inzwischen ein derart breites Spektrum an möglichen sexuellen Vorlieben und Selbstdefinitionen propagiert, dass Menschen, die „normale“ Mann-Frau-Beziehungen bevorzugen, die womöglich sogar auf so etwas Altmodisches wie Fortpflanzung ausgerichtet sind, inzwischen geradezu suspekt wirken.

Normal? Wie pervers!

Irgendwann werden „Normale“ – für sie gibt es bereits die leicht diskriminierende Bezeichnung „Cisheteronormalos“ – als pervers gelten. Wenigstens werde ich dann mit meinem leichten Hang zu Agalmatophilie nicht mehr sozial auffällig.

 

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