Vater Staat und Mutter Partei

Studien zur kindlichen Früherziehung – Eine Buchempfehlung. Von Jürgen Liminski
Foto: Garamond Verlag | Schon seit langem ist bekannt, dass nicht wenige Kinder unter reduzierten Kontakten zum Vater bis hin zur Vaterlosigkeit leiden.
Foto: Garamond Verlag | Schon seit langem ist bekannt, dass nicht wenige Kinder unter reduzierten Kontakten zum Vater bis hin zur Vaterlosigkeit leiden.

Auf dem Wege zur mutterlosen Gesellschaft – so lautet die Diagnose des Diplompädagogen Burghard Behncke. Es ist das Ergebnis einer langjährigen Forschungsarbeit und auch eigener Erfahrungen, die Behnke als ehemaliger Dozent für Psychologie und Pädagogik an einer Fachschule für Sozialpädagogik und als Studiendirektor sowie Leiter einer sozialpädagogischen Bildungseinrichtung sammeln konnte. Die Zunahme der externen Betreuung schon von Kleinstkindern in den letzten Jahren insbesondere mittels Kinderkrippen ist evident. Die Gründe sind vorwiegend wirtschaftlich bedingt: Neben Vätern sollen auch Mütter möglichst früh und umfassend ins Erwerbsleben eingegliedert werden. Auf ihnen lastet ein entsprechender Druck, während zeitlich intensives mütterliches Engagement, selbst mit ihren Kindern unter drei Jahren, oft abgewertet wird. Die Interessen der Kinder und entwicklungspsychologische Erkenntnisse bleiben dabei unberücksichtigt. Behncke stellt sie leicht verständlich dar. Er weist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien zur institutionellen Früherziehung hin, die erhebliche psychische und körperliche Risiken der Krippenerziehung belegen. Dennoch werden Eltern mittels der aktuellen Familienpolitik beruhigt: Krippenerziehung fördere ihre Entwicklung oft mehr als eine Familie dies vermöge. Da schon seit langem bekannt ist, dass nicht wenige Kinder unter reduzierten Kontakten zum Vater bis hin zur Vaterlosigkeit leiden, erleben diese Kinder nun vermehrt sogar schon im zweiten und dritten Lebensjahr auch die häufige Abwesenheit ihrer Mutter. Vater Staat und Mutter Partei, das ist kein Ersatz. Zusammengenommen wird das – noch kaum reflektierte – Folgen für Familien und die Gesellschaft haben. Ein Umdenken ist notwendig, fordert Behncke und stellt auch Alternativen vor, etwa neue pädagogische Modelle sowie ein Erziehungsgehalt. Die Lektüre des im Juni im Garamond-Verlag erschienenen 472 Seiten starken Bandes ist für Erzieher, Eltern und Wissenschaftler sehr zu empfehlen, übrigens auch für Journalisten. Damit spart man sich die Lektüre mancher politisch bestellter Pseudo-Studien.

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