US-Präsident wirft Vatikan bauliche Abschottung vor

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat den Päpsten bauliche Abschottungsabsichten vorgeworfen.
Die Grenze zwischen Mexiko und USA ist bereits jetzt massiv
Foto: Daniel Ochoa De Olza (AP) | Die Grenze zwischen Mexiko und USA ist bereits jetzt sehr massiv.

Wir Deutschen wissen wohl am besten, was der Bau einer Mauer bedeutet. Wir haben erlebt, dass ein Steinwall Freiheit unterbindet, Kommunikation verhindert, eine Gesellschaft spaltet und Furcht erzeugt. Mauern sind nicht nur mega-uncool, sondern auch zutiefst unethisch. Das wusste vor knapp 50 Jahren sogar die DDR-Führung, die unmittelbar vor dem Bau der Berliner Mauer verschleiernd verlautbarte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Man sollte daher annehmen, dass das Thema seit 1989 so abgeräumt ist wie der Eiserne Vorhang. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie jüngste Diskussionen deutlich machen.

Eine unüberwindliche Mauer an der Grenze zu Mexiko

Der US-amerikanische Präsident Trump hatte schon in seinem Wahlkampf angekündigt, an der Grenze zu Mexiko eine unüberwindliche Mauer zu errichten, was auf der ganzen Welt zu erbitterten Kontroversen führte. Und Franziskus hat darauf 2016 reagiert, indem er als Pontifex Maximus sagte: „Jemand, der Mauern statt Brücken bauen will, ist kein Christ“. Die Diskussion geht jetzt in eine neue Runde, da das US-Abschottungsprojekt ein moralisches Gütesiegel verpasst bekommt, das von ganz oben kommt. Trump ist sich nicht zu schade, die moralische Weltmacht, den Papst, zu bemühen, den er ansonsten ganz unbekümmert kritisiert hatte.

"Der Vatikan hat die größte Mauer von allen"

So hat der Präsident am 3. Januar in einer Kabinettssitzung hemdsärmelig von sich gegeben: „Wenn Sie sagen, die Mauer sei unmoralisch, sollten sie etwas in Sachen Vatikan tun, denn der Vatikan hat die größte Mauer von allen.“ Grundsätzlich bedürfen halbstarkes Gebaren und eindimensionale Diktion keines Kommentars. Aber zumindest die eigentümliche Logik fordert Klärungsbedarf ein: Ist der Papst eine moralische Größe, dann sind seine wie auch immer gearteten Mauern ganz in Ordnung; ist er es nicht, warum wird er denn in Sachen Moral als Autorität zitiert? Vielleicht ist das ja auch eine irrelevante Frage und anachronistische Belanglosigkeit im Zeitalter der fakenews!

DT/mee (jobo)

Aber wie kam der Papst nun zu seinen Mauern, die man schließlich nicht leugnen kann? Und welche Bedeutung haben diese? Professor Stefan Samerski erklärt Donald Trump die vatikanischen Mauern. Lesen Sie den ganzen Text in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 10. Januar 2019.

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