Todernste Spiele in totalitärer Welt

Im Kino: Die Jugendliteratur-Verfilmung „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“. Von José García
Foto: Studiocanal | Cinna (Lenny Kravitz, rechts) nimmt die letzten Vorbereitungen vor, ehe Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson, Mitte) dem Publikum als Tribute von Distrikt 12 präsentiert werden.
Foto: Studiocanal | Cinna (Lenny Kravitz, rechts) nimmt die letzten Vorbereitungen vor, ehe Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson, Mitte) dem Publikum als Tribute von Distrikt 12 präsentiert werden.

Nach den „Harry Potter“- und den „Twilight“-Filmen nimmt sich nun das Kino der Verfilmung einer weiteren Trilogie an, die unter Jugendlichen zurzeit hoch im Kurs steht: Suzanne Collins' „Die Tribute von Panem“ erreichte seit Erscheinen im September 2008 eine Auflage von 23,5 Millionen Büchern alleine in den Vereinigten Staaten. In Deutschland wurde der erste Band „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis 2010“ ausgezeichnet.

Im Stil einer postapokalyptischen Zukunftsvision erzählt Regisseur Gary Ross in „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ nach einem zusammen mit Autorin Suzanne Collins und Billy Ray selbstverfassten Drehbuch von einer nicht allzu fernen Zukunft: Nach dem Zusammenbruch der Vereinigten Staaten von Amerika entstand das totalitäre Regime von „Panem“, das aus dem wohlhabenden und technisch fortgeschrittenen Zentrum, dem „Capitol“, und zwölf hermetisch abgeriegelten „Distrikten“ besteht, die dem Zentrum wie im alten Rom „panem et circenses“ in Form von Rohstoffen und den alljährlich stattfindenden „Hunger Games“ liefern müssen. Bei diesen Spielen handelt es sich um einen „Reality Show“-Gladiatorenkampf, bei dem 24 Jugendliche, je ein Mädchen und ein Junge aus Panems zwölf Distrikten, gegeneinander antreten müssen, den nur einer von ihnen überleben darf. Der Film erzählt aus der Sicht der 16-jährigen Katniss (Jennifer Lawrence) aus dem 12. Distrikt, die sich zu den Spielen freiwillig meldet, nachdem ihre kleine Schwester Prim (Willow Shields) ausgelost wurde. Der zweite Kandidat aus Katniss' Distrikt ist Peeta (Josh Hutcherson), den Katniss seit ihrer Kindheit kennt. Vor den tödlichen Spielen werden die „Tribute“ medienwirksam aufbereitet, damit sie sich die Unterstützung des Publikums und der Sponsoren sichern können, die ihnen lebenswichtige Medikamente und Lebensmittel in die Arena schicken dürfen.

Im Gegensatz zu den „Harry Potter“- oder „Twilight“-Filmen bietet „Die Tribute von Panem“ nicht nur Action und Liebeskummer. Zu der handfesten Action kommt der gesellschaftskritische Ansatz im Sinne bester Science-Fiction-Filme als Projektion heutiger Entwicklungen auf die Zukunft hinzu. Der Totalitarismus zeigt sich etwa auch in den martialischen, an die Nazi- und Faschismus-Architektur angelehnten Bauten. Die Abriegelung verschiedener Gesellschaftsschichten erinnert an Filme über dystopische Utopien wie „Children of Men“ (DT vom 7.11.2006) oder „In Time – Deine Zeit läuft ab“ (DT vom 1.12.2011). Der sozialkritische Gestus zeigt sich insbesondere aber in der an „Big Brother“, „Dschungelcamp“ und ähnliche Reality TV-Shows gemahnenden Allgegenwart von Kameras, wobei die riesigen Banner, auf denen bei ihrer Präsentation die einzelnen Spieler erscheinen, nicht von ungefähr denen der Fußball-Champions League nachempfunden sind.

Zwar steht die Action im Vordergrund. Dass „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ an heutigen (medien-)politischen Entwicklungen Kritik übt und auch moralische Fragen stellt, verleiht dem Film jedoch eine besondere Tiefe.

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