Tagesposting: Lieber mit einem Segen reisen

An einen Reisesegen erinnere ich mich besonders gut: Es war während meiner aktiveren Zeit im Lebensschutz. Von Claudia Kaminsiki
Claudia Kaminski
Foto: pr | Die Autorin ist Ärztin und Direktorin für Kommunikation bei k-tv.

Neulich in einem Garten-Restaurant beteten meine Freundin und ich vor dem Abendessen – inklusive Kreuzzeichen. Dann plauderten wir fröhlich weiter. Ein uns unbekanntes älteres Ehepaar verließ den Garten kurze Zeit später. Erst gingen sie an uns vorbei, dann kam die Dame zurück und meinte: Ich finde das sehr schön, dass Sie sich segnen! Wir schmunzelten, denn sie hatte wohl das Kreuzzeichen gesehen, aber wohl nicht verstanden, dass wir ein Tischgebet gesprochen hatten. Ein solches Gebet ist ja mittlerweile in der Öffentlichkeit – und vermutlich auch in vielen katholischen Familien – nicht mehr an der Tagesordnung. Ebenso wie der Reisesegen! Der neue Generalvikar in Köln, Markus Hoffmann, erteilte ihn kürzlich in einem youtube-video. Eine schöne Idee, fand ich und leitete den Reisesegen an viele Freunde „online“ weiter – leider hielten ihn manche für Spam oder löschten die Botschaft gleich ungelesen.

Wie lange ist es eigentlich her, dass ich im realen Leben den Reisesegen empfangen habe? Die Frage ist in der Woche, in welcher die Kirche des Hl. Christophorus gedenkt, erlaubt. An einen Reisesegen erinnere ich mich besonders gut: Es war während meiner aktiveren Zeit im Lebensschutz. Ich habe damals zahlreiche Bischöfe besucht, um die Lebensrechtsbewegung bekannter zu machen und mit der Kirche zu vernetzen. Nur ein Einziger erteilte uns damals den Reisesegen: Bischof Walter Mixa aus Augsburg. Ich war sehr gerührt, weil es so etwas Beruhigendes hatte, mit dem persönlichen Segen des Bischofs zu fahren.

Auch den Reisesegen meiner Mutter vergesse ich nicht – sie hatte überall im Haus verteilt kleine Weihwasserfläschchen aus Lourdes oder Rom oder Fatima. Sobald eines ihrer Kinder oder Enkel sich auf den Weg machte, wurde ein Fläschchen gesucht und der sich auf die Reise Begebende mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn auf den Weg geschickt. Ein wunderbarer Brauch– wenn auch Freunde einmal meinten, es sei wichtiger, sich mit Weihwasser zu bekreuzigen, wenn man von draußen in seine Wohnung oder in sein Haus zurückkommt. Um die bösen Geister draußen zu lassen. Mag sein.

Sehr wichtig ist auch der Segen, der uns – hoffentlich – alle auf der letzten Wegstrecke begleitet: die Krankensalbung. Dieser Segen kann uns auf dem Weg zu Gott stärken und begleiten. Auch dazu eine Anekdote: Es war auf der Intensivstation. Einem Familienmitglied war gerade die Krankensalbung gespendet worden und dies bedeutete spürbar auch Frieden und Segen für uns alle, die wir in Sorge waren. Der Priester ging schließlich zum Nachbarbett und fragte die dort versammelten Angehörigen, ob er denn auch den Patienten, dem es sichtbar schlecht ging, segnen dürfe. Die Angehörigen verneinten und meinten, dass ihm nichts daran gelegen sei.

Als wir nachmittags wieder auf die Station kamen, um unseren Patienten zu besuchen, war das Bett neben ihm leer. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Mensch sich auf seine letzte Reise begeben hatte, und ich war traurig, dass man ihm den Segen verweigert hatte. Mich hat es darin bestärkt, die Krankensalbung lieber früher als später für meine Lieben zu erbitten.

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