Tagesposting: Christen dürfen Christus bezeugen

Christen dürfen Christus bezeugen - Tagesposting
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Interreligiöser Dialog, Pluralismus und Kirche der Zukunft: alles wunderbar. Spätestens bei einem Punkt erhitzen sich aber die Gemüter. Wie kürzlich bei den theologischen Studientagen des „Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft“ an der Universität Fribourg (CH). Auf dem Podium saß kein Geringerer als Miroslaw Volf. Der anglikanische Theologe und Autor lehrt derzeit an der Yale-Universität und gilt als einer der populärsten protestantischen Theologen weltweit. Bekannt wurde er auch als Vorreiter des islamisch-christlichen Dialogs. Umso gespannter war ich auf seine Replik auf die Aussage einer katholischen Theologin, dass die Kirche sich gerade in Zeiten grassierender Ausländerfeindlichkeit deutlich gegen die Bekehrung von Muslimen aussprechen sollte. Nun ist die Geschichte der christlichen Mission keineswegs eine unproblematische. Aufarbeitung und Problembewusstsein stehen heutigen Christen hier gut zu Gesicht. Volfs Antwort war zunächst der Hinweis, dass sich das Wort „bekehren“ in der Apostelgeschichte nirgends für das Handeln der Kirche fände. Die frühe Kirche gab Zeugnis, der Herr fügte Menschen hinzu.

Ein wichtiger Hinweis, denn Indoktrination oder Überredung widerspricht tatsächlich dem Wesen des christlichen Zeugnisses. Dass das Christentum jedoch immer ein Zeugnis gebender Glaube ist, sei unverhandelbar. Die Kirche existiere für die Mission wie das Feuer zum Brennen. Sie müsse Christus bezeugen und könne nicht anders. Darauf die Erwiderung, dass ein solches Glaubenszeugnis doch keine Objektivität verlangende, universale Aussage sein könne, sondern nur eine persönliche Ich-Botschaft. Also nur „für mich ist Jesus der Weg“. Auch hier widersprach Volf: Eine feste Wahrheitsposition zu beziehen, sei nicht das Ende des Gesprächs, sondern dessen Bedingung. Nur wer einen Standpunkt habe, nehme seinen Gesprächspartner ernst. Im Letzten geht es bei dieser Frage also nicht um den Islam, er war hier nur alsBeispiel genannt. Denn die Botschaft des Evangeliums ist nun einmal nicht nur „Religion“.

Nach dem Motto: Hauptsache, man glaubt an etwas. Selbstverständlich haben Verkündiger all das Gute und Wahre zu wertschätzen, was sich in den Kulturen und Religionen der Menschen findet, zu denen sie sprechen. Die zentrale Botschaft ist jedoch nicht nur, dass es Gott oder etwas Höheres gibt. Christen können nicht von Gott reden, ohne auch mit zu sagen, dass er die Liebe ist und dreifaltig. Christen können nicht von Gott, Glaube oder Spiritualität reden, ohne auch zu sagen, dass Jesus Christus der Weg ist. Dass die Erlösung durch sein Kreuz und den Glauben an ihn kommt. Dass ein freudiges Bekennen dieser Wahrheit nichts Verklemmtes haben muss, das konnte am vergangenen Wochenende in Wien bei „Awakening Europe“ bestaunt werden. Dass in einer Großstadt wie Wien 10 000 Christen verschiedener Konfessionen sich versammeln und voller Enthusiasmus für Jesus aufstehen, zeigt, dass es neben den Schrumpfstatistiken der Großkirchen noch etwas anderes gibt: die bleibend ansteckende Kraft des Evangeliums. Sie entfaltet sich dort, wo dieses in Klarheit, demütig, ohne falsche Bescheidenheit verkündet wird.

 
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