Täterprofile müssen geklärt werden

Für die Nennung der Herkunft von Tätern: Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Von Alexander Riebel
Geistlicher Abend mit Zentralrat der Muslime
Foto: dpa | Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hier bei einer Veranstaltung zum Reformationstag in der evangelischen Stadtkirche in Altdorf bei Nürnberg.

In der monatelangen Debatte, ob in den Medien die Herkunft von Tätern genannt werden soll, hat sich nun eine muslimische Stimme gemeldet. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat sich für die Nennung der Herkunft der Täter ausgesprochen, um das Profil der Tat zu verdeutlichen. In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte Aiman Mazyek: „Die Nationalität sollte beim Tatprofil nicht verschwiegen werden.“ Er wandte sich aber auch gegen Verkürzungen, die bei der Nennung der Herkunft entstehen könnten: „Aber Verkürzungen, die nur aus der Nationalität bestimmte Kausalzusammenhänge schließen, sind meist Bestätigungen von Vorurteilen und helfen kaum, die Tat zu verstehen.“ Allerdings heben sich solche Verkürzungen schnell von selbst auf, wenn das Herkunftsprofil bei bestimmten Handlungen immer dasselbe ist. Wenn Mazyek aber meint, es gebe in jeder Kultur einen Teil von Menschen, der kriminell sei, versucht er zu beschwichtigen. Damit ist die nächste Stufe erreicht: Zuerst sollte die Herkunft verschwiegen werden, nun soll man sich mit der Krise abfinden. Dieses Sichabfinden und Akzeptieren einer permanenten Bedrohung durch Übergriffe – eine Krise, die angeblich nicht gelöst werden könne und hinzunehmen sei –, widerspricht aber dem Willen der Bürger zu Beginn des Jahres, so weiterleben zu wollen wie bisher.

Die Diskussion über die Nennung der Herkunft war dadurch in Rollen gekommen, dass der Deutsche Presserat im März dafür plädiert hatte, die Nationalität von Straftätern nur bei „begründetem Sachbezug“ zu nennen. Das kommt aber einer Zensur gleich. Denn die Medien haben eine Aufklärungsfunktion und nicht die Aufgabe, das zu verschweigen, was gerade nicht mit den Absichten einer Regierung übereinstimmt. Dass hieraus der Vorwurf der Lücken- und Lügenpresse entstand, war beinahe unvermeidlich. Auch wegen der Gefahr, dass bei verschwiegener Herkunftsnennung von Tätern erst recht Gerüchte und Vorurteile entstehen können, hatte die „Sächsische Zeitung“ Anfang Juli erklärt, sich nicht an die Empfehlung des Deutschen Presserats halten zu wollen. Das hatte damals auch die Zeitung „Le Figaro“ in Frankreich erklärt, wo es eine ähnliche Diskussion wie in Deutschland gibt. Die Terroranschläge in Deutschland haben gezeigt: Wer schnell über Täterprofile informiert werden möchte und nicht erst Tage später, schaut im Internet am besten auf ausländische Medienseiten – bei CNN, bei „The Guardian“ oder bei „Le Figaro“ erhält man häufig rasch die Hintergründe, die man wissen will.

Themen & Autoren

Kirche