Sprachrohr der Nachwuchsliteratur

Die Leipziger Buchmesse will auch in diesem Jahr Impulse für die Buchbranche setzen

Zur Leipziger Buchmesse (18.–21. März) haben sich rund 2 100 Aussteller aus 39 Ländern angekündigt, die ihre neuen Publikationen auf 65 000 Quadratmeter Messefläche präsentieren werden. Mit diesen Zahlen befindet sich die sächsische Bücherschau „trotz allgemeiner Wirtschaftskrise stabil auf Vorjahresniveau“, betonte Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, bei der Vorstellung des Gesamtprogramms. „Auch die Länder Mittel- und Osteuropas halten trotz schwierigster wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ihre starke Präsenz in Leipzig aufrecht“, so Zille. Auch immer mehr Balkanländer – wie in diesem Jahr erstmals Bosnien-Herzegowina – entdecken Leipzig als Plattform, um in den deutschsprachigen Literaturmarkt einzusteigen. Hinzu kommen Schwerpunkte wie die Literatur aus Spanien, Skandinavien und lateinamerikanischen Ländern.

Insgesamt setzt die „kleinere Schwester“ der Buchmesse in Frankfurt am Main auch in 2010 auf ihre bereits seit Jahren etablierten Säulen und bietet kleinen und regional verankerten Verlagen, dem deutschen Schriftstellernachwuchs, der Kinder-, Jugend- und Bildungsliteratur, dem Hörbuch und den Comics ein Forum. Dass die Verlagsbranche in manchen Bereichen in eine fragile Situationen geraten ist, belegen die Absagen einiger Sachbuch- und Ratgeberverlage, vor allem aber publikumsträchtiger Zeitschriften- und Zeitungsverlage wie etwa der FAZ-Gruppe, die angesichts der anhaltenden Krise im Zeitungswesen ihre Aktivitäten ganz auf die Messe in Frankfurt am Main konzentriert.

Im Bemühen, weitere Nischenanbieter der deutschen Verlagslandschaft an die Leipziger Buchmesse zu binden, gelang den Organisatoren die Etablierung eines eigenen Ausstellungsbereiches für Musikverlage, von denen sich rund zwanzig zum ersten Mal gemeinsam auf der Leipziger Buchmesse präsentieren (Halle 5). Zusammen mit einem Rahmenprogramm „wird damit auch die langjährige Tradition Leipzigs als Musikverlagsstadt unterstrichen“, betont die Leipziger Messeleitung. Bereits zum fünften Mal sind in diesem Jahr 25 verschiedene kleinere Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihren literarischen Neuentdeckungen bei der „Leseinsel Junge Verlage“ präsent. Überhaupt bietet Leipzig dem debütierenden, literarischen Nachwuchs aus dem deutschsprachigen Raum auch 2010 wieder ein breites Spektrum an Gelegenheiten, um auf sich aufmerksam zu machen: Bei der „Langen Leipziger Lesenacht“ werden am 19. März in den Gewölben der Moritzbastei rund 50 junge Autorinnen und Autoren wieder einen vielseitigen, fünfstündigen Lesemarathon absolvieren. Die Lesereihe „Junge Wilde“ ist Autorinnen und Autoren vorbehalten, die jünger als 35 Jahre sind.

Die durch Neugründungen und Neuzugänge wie Suhrkamp stetig wachsende Verlagsstadt Berlin ist mit der Rekordzahl von 252 Verlagen in Leipzig vertreten. Für die Messeleitung Grund genug, zusätzlich zu traditionellen Einrichtungen wie dem Leseforum „Berliner Zimmer“ in Halle 5, die Zusammenarbeit mit literarischen Institutionen wie dem Literarischen Colloquium Berlin (LCB) zu intensivieren, das erneut seine Stipendiaten der „Autorenwerkstatt Prosa“ vorstellt. Im Rahmen des „Autorenspecials“, das die Buchmesse gemeinsam mit dem LCB organisiert, lautet das Thema in diesem Jahr „Krise! Welche Krise?“. Unterstützt vom Auswärtigen Amt wurden sechs europäische Schriftsteller – darunter Friedrich Christian Delius (Deutschland), Andri Snaer Magnason (Island), László Földényi (Ungarn) und Natalja Kljutscharjowa (Russland) – eingeladen, einen Essay über die persönlichen, aber auch gesellschaftlichen Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise zu schreiben, die zur Leipziger Buchmesse erstmals öffentlich vorgelesen werden.

Auch außerhalb der Messehallen und regulären Messezeiten wird wieder sehr viel vorgelesen, schließlich ist das Lesefest „Leipzig liest“ mit über 2 000 Veranstaltungen, an der mehr als 1 500 Autorinnen und Autoren teilnehmen, schon längst kein Zusatzangebot mehr, sondern das eigentliche Herzstück der Leipziger Bücherschau. Zu der enormen Vielfalt an Leseorten zählen auch in diesem Jahr wieder Cafés und Kneipen, Buchhandlungen und andere Geschäfte, Theater, Galerien, Museen, Schwimmbäder, die Universität, aber auch der Zoo, das Finanzamt, die Wasserwerke, das Zentralstadion, die Freimaurerloge und die Friedhöfe. Sachbuchautoren, Lyriker und Romanciers, darunter die Nobelpreisträger Herta Müller und Günter Grass sowie Peter Härtling, Christoph Hein, Jana Hensel, Volker Braun, Wulf Kirsten, Ingo Schulze, Paul Maar, Martin Suter, Angela Krauß, Georg Kreisler, Reiner Kunze, Jostein Gaarder, György Dalos, Julia Schoch, Alissa und Martin Walser werden die ohnehin geschichtsträchtigen Orte der sächsischen Metropole vier Tage lang in einen gigantischen Salon schöngeistiger Inspiration verwandeln.

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