Schwarzes Kreuz auf weißem Mantel

Mit „Vestis alba et crux nigra“ hat Dieter Salch ein beeindruckendes Standardwerk zur Geschichte des Deutschen Ordens vorgelegt. Von Markus Reder
Foto: Verlag | Mantel mit Kreuz eines Priester des Deutschen Ordens. Gemälde um 1455.
Foto: Verlag | Mantel mit Kreuz eines Priester des Deutschen Ordens. Gemälde um 1455.

Vorsicht ist geboten, wenn Bücher heute schnell als Standardwerke gelten. Allzu leichtfertig gehen Verlage und Werbegurus mit dieser Bezeichnung um und betreiben so im Namen der Verkaufsförderung die geistige Verflachung des Buchmarktes. Das Werk, das hier zur Rezension steht, hat die Bezeichnung Standardwerk in jeder Hinsicht verdient. Mit „Vestis alba et crux nigra“ (Weißer Mantel und schwarzes Kreuz) hat der Würzburger Jurist Dieter Salch ein Buch vorgelegt, das für alle, die sich vertieft mit der Geschichte des Deutschen Ordens befassen, unverzichtbar ist.

Aus rechtsgeschichtlicher Perspektive widmet sich Salch den Insignien des Deutschen Ordens in dessen über 800-jährigen Historie – von den Anfängen über deren Missbrauch im Laufe der Geschichte bis hin zu Mantel und Kreuz in den neuen Ordensregeln und im Rechtsschutz. Insignienfragen sind keine Randnotizen der Geschichtsschreibung. Das macht Salchs Buch deutlich. Äußere Zeichen sind stets Ausdruck innerer Haltung. So führt die Auseinandersetzung mit den Insignien mitten hinein in das Selbstverständnis jener früheren Ritter- und heutigen Ordensgemeinschaft, die ein schwarzes Kreuz auf weißem Mantel trägt und darin den Sieg Christi über die Mächte der Finsternis und des Todes symbolisiert sieht.

Salch geht es nicht um den schnellen Überblick über die reiche und wechselvolle Geschichte des Deutschen Ordens, sondern um Vertiefung und Durchdringungen, um detailgenaue Quellenarbeit und deren präzise Auswertung. Stets belegt er, begründet und bezieht dann Position. Die Leidenschaft eines Historikers und die konsequente Recherche eines Juristen gehen in dieser Studie eine Symbiose ein, die ihr einen eignen Charakter gibt. „Vestis alba et crux nigra“ ist ein Buch für den Schreibtisch. Keine leichte Lesekost, sondern wissenschaftliche Kärrnerarbeit. Wie ergiebig und segensreich die sein kann, lässt sich hier schwarz auf weiß besichtigen.

Mehr als 120 Seiten Anmerkungen und über 900 Fußnoten sind dabei ein Ausweis für die außerordentliche Literatur- und herausragende Detailkenntnis des Autors. All jene Plagiatoren unter den Polit-Karrieristen, die sich in Fußnotenaffären verstrickt haben, können sich an diesem Buch ein Beispiel nehmen, was wissenschaftliches Arbeiten auf höchstem Niveau bedeutet.

Für die Wissenschaft wie für den an der Geschichte des Deutschen Ordens interessierten Laien ist dieses Buch eine nicht versiegende Quelle wertvoller Informationen. Es bietet inspirierende Anregungen zum Nach- und Weiterdenken und interessante Diskussionsanstöße für die Fachwelt – für Historiker ebenso wie für Theologen und Juristen.

Dieter Salch: Vestis alba et crux nigra, N. G. Elwert Verlag, Marburg, 253 S., 16 Abb., ISBN: 978-3-7708-1335-3, EUR 26,–

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