Schmuck für Mitren und Messgewänder

Anschaulich und leicht verständlich erklärt: Das „Heraldische Handbuch“ ist eine lesenswerte Hilfestellung für Geistliche und Laien. Von Ulrich Nersinger
Foto: Nersinger | Das Wappen des deutschen Priesterkollegs beim Campo Santo Teutonico im Vatikan – ein Beispiel aus dem besprochenen Handbuch.
Foto: Nersinger | Das Wappen des deutschen Priesterkollegs beim Campo Santo Teutonico im Vatikan – ein Beispiel aus dem besprochenen Handbuch.

Menschen unserer Zeit scheinen mit der Heraldik (der Wappenkunde, -kunst und -führung) kaum noch etwas anfangen zu können; viele sehen sie in längst vergangenen Zeiten beheimatet, betrachten sie als ein verstaubtes Artefakt, das höchstens noch einen musealen, historischen Wert besitzt. Doch die Heraldik ist auch in der Gegenwart, im 21. Jahrhundert, präsent. Im weltlichen wie im kirchlichen Ambiente. Und zwar weitaus existenzieller als vermutet. Vor allem in der katholischen Kirche besitzen Wappen noch heute eine enorme Gewichtung. Geistliche Würdenträger – Kardinäle, Bischöfe und Äbte – führen Wappen als kunstvolle „Ausweise“. Sie zieren damit ihr Briefpapier, ihre Mitren, Messgewänder und Stolen. Diözesen, Abteien und geistliche Gemeinschaften weisen mit dem heraldischen Schmuck auf ihre Entstehung oder ihre himmlischen Patrone hin. Pfarrämter beglaubigen mit wappengeschmückten Siegeln Bescheinigungen über Taufen und Firmungen und stellen mit ihnen Urkunden zu kirchlichen Eheschließungen aus.

Regeln und Gesetze der Wappenanfertigung

In seinem „Lexikon der Heraldik“ benennt Gert Oswald die Heraldik als eine „historische Hilfswissenschaft, die sich mit der Geschichte, den Regeln und Gesetzen der Wappenanfertigung und Wappenführung sowie auch ihrer Anwendung beschäftigt“.

Die Heraldik der katholischen Kirche machte Erzbischof Bruno Bernhard Heim, ein hochverdienter Diplomat in Diensten des Heiligen Stuhls und weltweit anerkannter und geschätzter Heraldiker, mit seiner 1947 erschienenen Schrift „Wappenbrauch und Wappenrecht in der Kirche“ bekannt; unter Beachtung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des kirchlichen Gesetzbuches von 1983 legte er Jahrzehnte später „Heraldy in the Catholic Church. Its Origins, Customs and Laws“ vor, das bis dato als Standardwerk des Genres gilt. Eine weitere wichtige Publikation zu dem Thema erschien 2014 aus der Feder von Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo: „Manuale di Araldica Ecclesiastica nella Chiesa Cattolica“.

Fast siebzig Jahre nach der Schrift von Erzbischof Heim hat ein Konventuale des österreichischen Stiftes Geras ein „Heraldisches Handbuch der Katholischen Kirche“ in deutscher Sprache herausgegeben. Der Prämonstratenser-Chorherr Simon Petrus – geboren 1966 als Simon Burbach in Wissen an der Sieg (Deutschland) – kann auf eine jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet geistlicher Wappenkunst verweisen. Er schuf zahlreiche Wappen für Prälaten und Kleriker im In- und Ausland. In seiner Publikation stellt er ausführlich die entsprechenden Regelungen der kirchlichen Heraldik vor, erläutert und belegt sachkundig deren Entstehung und illustriert sie mit unzähligen Beispielen.

Er geht umfassend auf die Fragen ein: Was macht ein gutes kirchliches Wappen aus? Warum ist der Hut in der kirchlichen Heraldik grün oder rot, schwarz oder weiß? Was bedeuten die unterschiedlichen heraldischen Abzeichen? Gibt es im Vatikan eine Behörde, die sich dem kirchlichen Wappenrecht widmet und eine Art von Kontrolle ausübt? Der Autor gibt Auskunft über die diversen „Nebenstücke“ der Wappen (Tiara, Conopaeum, Hut, Mitra, Quasten und Schnüre oder Pallium), listet die Wappenträger (Personen und Körperschaften) auf und behandelt „simplex atque perspicuus – einfach und deutbar“ die Wappengestaltung. Das Handbuch ist hervorragend illustriert, verfügt über Verzeichnisse zur Literatur und zu wichtigen vatikanischen Schreiben, die sich mit der kirchlichen Heraldik beschäftigen.

Es gibt nur wenig Kritisches zu Simon Petrus Burbachs Buch anzumerken. Zu manchen Nebenstücken hätte man gerne mehr erfahren. Frühere und heutige Laiendignitäre (wie der Konklavemarschall und der Bannerträger der Kirche), deren Wappen und Fahnen, so wie auch manche Körperschaften (beispielsweise im Vatikan die Päpstliche Schweizergarde und das Gendarmeriekorps des Staates der Vatikanstadt) finden in der Publikation kaum oder gar nicht Erwähnung. Dankbar wäre man für eine deutsche Übersetzung der in den Fußnoten verwendeten fremdsprachigen Texte gewesen.

Mit Wappen die Geschichte der Kirche erschließen

In dem Vorwort seines Werkes gibt der Autor an, sein Handbuch wolle „eine Hilfestellung für all jene sein, die für römisch-katholische Geistliche ein Wappen erstellen“. Doch die Publikation ist mehr als eine profunde Instruktion für die Fachwelt. Sie ist auch eine verständliche und lesenswerte Information für den interessierten Laien. Er findet sich durch die mehr als gelungene Darstellung einer schwierig zu vermittelnden Materie angesprochen und wird die Lektüre des Werkes als Genuss empfinden. Das „Heraldische Handbuch der Katholischen Kirche“ lädt zu einer weiterführenden Beschäftigung mit geistlichen Wappen ein, die Wege in die Geschichte der Kirche erschließen, aber auch Aspekte der Gegenwart auf eine anschauliche Weise vermitteln.

Simon Petrus O.Praem: Heraldisches Handbuch der Katholischen Kirche. Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2016, 296 Seiten, zahlreiche, teils farbige Abbildungen, ISBN 978-3-86646-1284, EUR 29,90

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