Sag, wie hältst Du's mit dem „C“?

Belgische Professoren debattieren über den künftigen Namen der Katholischen Universität Löwen

Den Großkanzler der Katholischen Universität Löwen, Brüssels Erzbischof Godfried Kardinal Danneels, erwartet nach der Rückkehr von der Bischofssynode ein handfester Hochschulkrach. Seit vergangener Woche streiten Professoren und Studierende über das „C“ im Namen der „Université Catholique de Louvain“. Äußerer Anlass für die Auseinandersetzung ist die Vereinigung französischsprachiger katholischer Universitäten in Belgien. Einem Beschluss der Universitätsrektoren vom März 2007 zufolge sollen vier katholische Universitäten künftig unter dem Dach der Löwener Hochschule vereint werden. Gründungsmitglieder der „Académie Louvain“ sind neben der „Université Catholique de Louvain“ (UCL) die katholische Hochschule Saint-Louis in Brüssel, die Jesuitenhochschule Notre-Dame-de-la-Paix in Naumur und die Ende des 19. Jahrhunderts von katholischen Industriellen ins Leben gerufene Wirtschaftshochschule in Mons (FUCAM). Für die „Académie Louvain“ hat sich im Sprachgebrauch auch der etwas sperrige Begriff „Nouvelle UCLouvain“ (Neue Katholische Universität Löwen) etabliert.

Am vergangenen Dienstag appellierten fünf Professoren der von der Fusion betroffenen Hochschulen dafür, die Bezeichnung „katholisch“ künftig aus dem Namen der Hochschule zu streichen. Der Zusatz sei mit dem Selbstverständnis der Hochschule nicht mehr vereinbar, heißt es in einem Internet-Aufruf, der in der vergangenen Woche in der belgischen Tageszeitung „Le Soir“ abgedruckt wurde. Die künftige Hochschule solle „den Geist eines anderen Pluralismus zeigen“, heißt es. Vor allem im deutschsprachigen Raum und in der angelsächsischen Welt verschlösse die Bezeichnung „katholisch“ Türen.

Darüber hinaus argumentieren die Unterzeichner, der Zusatz „katholisch“ schade dem internationalen Ansehen der UCL. „Schaffen wir diese Bezeichnung ab, die nichts mehr mit der Identität unserer Universität zu tun hat und die um uns herum die schlimmsten sektiererischen Zwischentöne weckt“, fordert der Psychologieprofessor Pierre Philippot. Seine Unterstützer erinnern daran, dass auch bekannte katholische Universitäten wie die Jesuitenhochschule Georgetown und die Fordham Universität in den Vereinigten Staaten keinen expliziten Hinweis auf die Konfession im Namen tragen.

Innerhalb von 48 Stunden unterzeichneten gut achthundert Personen einen Aufruf im Internet, darunter 195 Hochschullehrer. Einig ist man sich bisher darin, dass das Bild der Gottesmutter Maria im Logo der Universität bleiben soll. Auch die Kruzifixe wollen die Initiatoren nicht aus den Hörsälen entfernen. Die Rolle des Großkanzlers soll unangetastet bleiben. Mehrere Unterzeichner lassen in ihren Kommentaren durchblicken, die Universität decke den Anspruch des Namens nicht mehr ab. Die Löwener Hochschule führt seit Jahrzehnten In-vitro-Fertilisationen durch und akzeptiert embryonenverbrauchende Stammzellforschung. Mehrfach hat der Vatikan die Hochschule daher gemahnt, Forschung und Lehre in Einklang mit der katholischen Doktrin zu bringen – bisher vergebens.

Eine Bezeichnung, die nichts mehr erläutere, sondern nur Verwirrung schaffe, sollte abgeschafft werden, argumentieren nun Hochschulangehörige. „Das Wort ,katholisch‘ lässt nicht erkennen, wer wir sind und ist eine Quelle von Missverständnissen“, bemängelt einer der Unterzeichner. Die Universität sei in puncto Forschung und Lehre durch und durch laisiert. Feierliche Messen und ein paar christlich angehauchte Aktivitäten rechtfertigten das „C“ nicht, kritisiert der emeritierte Hochschullehrer Jules-Gérard Simon und fordert im selben Atemzug die Abschaffung der theologischen Fakultät. Andere sehen in der Namensänderung eine konsequente Fortsetzung der Politik der sechziger Jahre. Damals begann die Hochschulleitung der UCL, Nichtchristen in den Lehrkörper aufzunehmen.

Seit Donnerstag vergangener Woche appellieren fünf Professoren derselben Hochschulen auf der Internetseite www.uclouvainquelavenir.be für die Beibehaltung des „C“. Zu ihnen gehört Bruno van der Linden, Professor der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität Löwen. Mit der Bezeichnung „katholisch“ sichere sich die Hochschule in Zeiten harter Verteilungskämpfe gegenüber anderen Hochschulen ab, argumentiert er. Schließlich könne der Tag kommen, an dem die Universität die Frage, wozu sie da sei, nicht mehr klar beantworten könne. „Katholisch“ bedeute umfassend, nicht sektiererisch, so van der Linden. Auch wenn der Name der Uni bei einigen Misstrauen wecke, wirke er auf andere anziehend. Man solle daher auch die Studierenden und die Ehemaligen in die Debatte einbeziehen.

Für das „C“ spricht aus seiner Sicht, dass der Name christliche Werte signalisiere. „Unsere Identität soll klar zum Ausdruck bringen, an welchen Idealen wir uns orientieren“, heißt es im Appell der fünf Hochschullehrer. Eine katholische Universität sei kein Ort, an dem unter der Kontrolle der Kirche gelehrt und geforscht werde. Ohne akademische Freiheit verlöre eine katholische Universität ihren Sinn. Auf die Bezeichnung „katholisch“ im Namen zu verzichten, bringe die Gefahr mit sich, nach und nach alle Bemühungen zu ersticken, mit denen versucht werde, dem Anspruch des Namens mit wachen Augen gerecht zu werden. Eine Universitätsverfassung allein reiche in diesem Fall nicht aus.

Wörtlich heißt es in dem Appell: „Der christliche Bezug im Namen der Hochschule ist von Bedeutung. Auch wenn die Universität ihm nie gerecht werden wird, ist sie ein Signal an uns. Die Werte des Evangeliums sind ein Schatz, der uns Anregungen bietet und uns antreibt, um unsere Welt besser zu gestalten. Das „C“ zieht auch eine Grenze gegenüber Strömungen, die die Universität auf die Rolle eines „Wissensmarktes“ reduzieren wollen. Können wir es verantworten, einen Schatz zu vergraben, um unser Image hypothetisch zu verbessern?“ Mit knapp fünfhundert Unterschriften liegt die Zustimmungsquote allerdings deutlich unter der für die Gegenseite.

Die Katholische Universität Löwen ging aus der Abspaltung von der flämischen Katholischen Universität Leuven hervor und ist mit gut 21 000 Studenten die größte französischsprachige Universität Belgiens. Ihre Gründung im Jahr 1425 geht auf Papst Martin V. zurück. Die UCL ist damit eine der ältesten katholischen Universitäten der Welt. Mit Blick auf die Tradition des Hauses regen einige Hochschulangehörige nun an, den bis 1835 gebräuchlichen Namen Universitas Leodiensis wieder zu verwenden. Der Rektor der Katholischen Universität Löwen hat in der vergangenen Woche gegenüber der Tageszeitung „La Libre Belgique“ zur Gelassenheit gemahnt. Die Debatte sei nicht neu. Seine Kollegen im Rektorenamt und er verbürgten sich schon jetzt für eine möglichst entspannte Diskussion.

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