Rot-Grün plant Chaos an Schulen

Nordrhein-Westfalen erprobt Gemeinschaftsschulen, die CDU zieht mit. Von Alexander Riebel

Mit Schulpolitik könnte die CDU punkten. Doch diese Anstrengung unternimmt sie nicht. In Nordrhein-Westfalen hat die CDU mit dem Leitantrag „Jedem Kind gerecht werden“, wohl in Anlehnung an George W. Bushs Slogan „Kein Kind bleibt zurück“, ihr schulpolitisches Konzept für den Landesparteitag am 12. März vorgelegt. Es heißt darin: „Wir sehen in den Gesamtschulen ein wichtiges Element des gegliederten Schulsystems“, auch wenn man keine Einheitsschule will. Der Unterschied ist jedoch nicht näher definiert, aber geht es nicht doch letztlich um die Integrierte Gesamtschule? Und zur Hauptschule heißt es, sie entspreche häufig nicht mehr der Akzeptanz der Eltern. Man wolle, wenn wegen geringer Schülerzahl die Hauptschule und Realschule nicht mehr nebeneinander bestehen können, „wohnortnah ein differenziertes Schulangebot gewährleisten“.

Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen ist zu Recht empört, denn die nordrhein-westfälische CDU sei der Hauptschule in den Rücken gefallen, hieß es kürzlich in dessen Pressemeldung. Und die Vorsitzende des Vereins katholischer Lehrerinnen, Roswitha Fischer, erklärte gegenüber diese Zeitung, die Pläne der CDU bewegten sich auf die „Einheitsschule“ hin, auch wenn dies im Augenblick noch nicht so formuliert wird.

Die Frage in der Schulpolitik ist, wie und ob sich die CDU gegen die Grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann in Nordrhein-Westfalen durchsetzen kann. Und ob sie es will. Löhrmann unterstützt, was ausdrücklich als Schulversuch bezeichnet wird: „Längeres gemeinsames Lernen – Gemeinschaftsschule“. Dieses Projekt ist ein von Löhrmann unterschriebener Leitfaden für Schule und Gemeinde, das Papier steht unter dem Titel: „Auf dem Weg in die Gemeinschaftsschule“. Die rot-grüne Koalition ist dabei, die bisherigen Schultypen in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Auffällig ist dabei, dass genauso wie bisher im gegliederten Schulsystem mit der individuellen Förderung der Schüler argumentiert wird. Löhrmann schriebt, dass die optimale Förderung eines jeden Kindes nur unzureichend ist, und dass erst die Gemeinschaftsschule besonders begabte Schüler wie auch solche, die Unterstützung benötigen, fördern kann. Ab dem Schuljahr 2011/12 sollen die Schüler der fünften und sechsten Klasse gemeinsam unterrichtet werden, nach den „Lehrplänen aller Schulen“. „Der Schulträger“, heißt es in dem Leitfaden, „entscheidet mit allen Beteiligten, wie es nach der sechsten Klasse weitergeht: Lernen alle gemeinsam weiter oder werden die Schulformen durch verschiedene Zweige abgebildet?“ Und die Landesregierung will offen sein für die verschiedenen Ansätze.

Das kann nur heißen, dass das Chaos vorprogrammiert ist. Wo bleibt die Bildungsgerechtigkeit, wenn jede Schule andere Wege gehen kann, was ist dann noch vergleichbar? Und wo will die CDU, von der hierzu leider keine Stellungnahme zu bekommen war, hier noch ihr gegliedertes und differenziertes Schulsystem unterbringen? Differenziert kann künftig nur noch heißen, dass es Differenzen unter den Schulen gibt. Den Kindern ist damit nicht geholfen, nur der Politik, die sich irgendwie beweisen muss. Die Sogwirkung des neuen Systems ist leicht vorstellbar: Wenn einige Schulen damit anfangen, wollen auch andere auf den Zug aufspringen. Und ob in der Gemeinschaftsschule wirklich eine höhere Differenzierung in der Förderung möglich ist, liegt keineswegs mit Notwendigkeit im System. Es müsste die Differenziertheit unter einem Dach wieder hergestellt werden, die im gegliederten Schultyp besteht. 17 Gemeinschaftsschulen sollen im Herbst schon mal beginnen.

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