Religionskritiker: Kirche soll weniger an Dogmen festhalten

Horst Junginger, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Religionskritik in Deutschland, sieht beide Amtskirchen in einem objektiven Dilemma. Zudem bedauert er die „emotionale Aufgeregtheit“ was die Religion betreffe.
Leipziger Religionskritiker im Gespräch
Foto: dpa | Bedauerlich sei vor allem die „emotionale Aufgeregtheit, was die Religion betrifft“, kritisiert Junginger.

Horst Junginger, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Religionskritik in Deutschland, rät der katholischen Kirche, weniger an Dogmen festzuhalten. Das erklärt der in Leipzig lehrende Religionswissenschaftler im Gespräch mit der „Tagespost“. Beide Amtskirchen sieht Junginger in einem objektiven Dilemma. „In der katholischen Kirche ist es die Betonung der Tradition, auf der evangelischen Seite ist es die Betonung der Freiheit."

Bei den Protestanten, so Junginger, führe diese zu einer Anpassung, in der sich die Religion fast auflöse. „Der Außenstehende kann dann fast keinen Unterschied mehr erkennen.“ Bei den Katholiken werde das Festhalten an der Tradition als antimodernistisch aufgefasst.

Emotionale Aufgeregtheit bedauerlich

Bedauerlich sei vor allem die „emotionale Aufgeregtheit, was die Religion betrifft“, kritisiert Junginger. Alle dächten, das Ende der Welt sei nahe. Dabei meldeten sich Leute zu Wort, die überhaupt keine Ahnung hätten. „Generell fände ich es eine gute Idee, wenn Gläubige darüber nachdenken würden, was der Atheismus Gutes wäre für sie, und die Atheisten, was der Glaube für sie bringen könnte“, schlägt Junginger vor. Er betont, den Religiösen die Angst vor dem Atheismus und den Atheisten die Angst vor der Religion nehmen zu wollen.

Über den Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Religionskritik sagt Junginger: „Dadurch, dass wir uns mit allen Religionen beschäftigen, lehnen wir es ab, Aussagen über die Wahrheitsansprüche einzelner Religionen zu machen, weil die sich zum Teil widersprechen.“ Es handele sich um einen wissenschaftlichen, methodischen Atheismus, der davon ausgehe, dass Religionen „menschengemachte Dinge“ seien, so der 59-Jährige. An eine Offenbarungsreligion wie das Christentum glaubt Junginger nicht. Nachdem er evangelisch getauft wurde, ist er aus der Kirche ausgetreten.

Einen ausführlichen Beitrag über den Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Religionskritik lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 26. Juli. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.
DT/mlu

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Horst Junginger ist Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Religionskritik in Deutschland. Von Benedikt Winkler
25.07.2018, 13  Uhr
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