Religiöse Bücher wieder ein großer Erfolg

Ein Überblick über die Neuerscheinungen in Theologie und Literatur auf der Frankfurter Buchmesse. Von Michael Karger
Foto: dpa | Auch wenn auf der Frankfurter Buchmesse über die Idee des Buchs debattiert wurde – das religiöse Buch bleibt unverzichtbar.
Foto: dpa | Auch wenn auf der Frankfurter Buchmesse über die Idee des Buchs debattiert wurde – das religiöse Buch bleibt unverzichtbar.

Auf der Frankfurter Buchmesse war das Zwei-Päpste-Jahr 2013 das Hauptthema der kirchlichen Verlage. Nach dem überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. sind zahlreiche zusammenfassende Würdigungen seines Pontifikats und Gesamtdarstellungen der Theologie des deutschen Pontifex erschienen. Als Gesamtbiographie angelegt ist beispielsweise der Bildband von Anton Curic „Benedikt XVI. Demut und Bescheidenheit“ (Helmut Lingen Verlag). Die Texte zu den einzelnen Lebensabschnitten von Joseph Ratzinger sind sachlich weitgehend korrekt, die Bildauswahl ist gelungen. Umfangreich ist der Sammelband „Der Theologenpapst“ (Herder) den Jan-Heiner Tück herausgegeben hat. Zahlreiche Autoren bewerten die Amtszeit und die theologische Lebensleistung von Papst Benedikt unter verschiedenen Gesichtspunkten. Noch für dieses Jahr kündigt der Verlag Herder die Christologie von Joseph Ratzinger an, die im Rahmen der Gesammelten Schriften (Band 6/1 und 6/2) herauskommen soll. Darin werden alle bisher weit verstreut publizierten Einzelbeiträge Ratzingers zur Christologie erstmals unter einer neuen Systematik und zusammen mit der Trilogie „Jesus von Nazaret“ vorgelegt.

Drei Tage nach seiner Rücktrittserklärung hat Benedikt XVI. eine – wie er es nannte – „kleine Plauderei“ über das Zweite Vatikanische Konzils vor dem versammelten römischen Klerus gehalten. Es handelt sich dabei um eine äußerst wichtige Ergänzung zu den Konzilserinnerungen in seiner Autobiographie. Nachzulesen in dem Bändchen mit den letzten Ansprachen ab der Rücktrittsankündigung: Papst Benedikt XVI.: „Ich habe mich nie allein gefühlt“ (Verlag Media Maria). Auffällig ist das große Angebot an Auswahlbändchen mit Ansprachen von Papst Franziskus. Wer sich für die Biographie von Jorge Mario Bergoglio interessiert, dem sei das Porträt des Journalisten von Radio Vatikan, Mario Galgano empfohlen: „Franziskus. Der Papst vom anderen Ende der Welt“ (Sankt Ulrich Verlag). Einer der größten Druckaufträge Deutschlands ist die Herstellung des neuen Gebet- und Gesangbuches „Gotteslob“. An den Messeständen konnte man die Standard-Ausgabe in Grau, eine weitere in Weinrot, die blaue aus Kunstleder mit Silberschnitt und die Ausgabe aus schwarzem Rindsleder mit Goldschnitt sowie die Großdruckausgabe in Grau begutachten. Nach zehnjähriger Vorbereitungszeit ist mit dem neuen „Gotteslob“ nicht nur ein Liederbuch, sondern auch ein Meditations- und Gebetbuch als Begleiter für jeden Tag entstanden. Es löst das erste deutsche katholische Einheitsgesangbuch ab, das 1975 unter dem gleichen Namen eingeführt wurde. Die Einteilung in einen sogenannten Stammteil, der für alle Bistümer gleich ist und einen Eigenteil, der von jedem Bistum eigenverantwortlich zu erstellen war, wurde beibehalten. Im Einzelnen mag man über manches streiten, aber als Schatzhaus des deutschen Kirchenliedes ist dem „Gotteslob“ eine eifrige Benutzung zu wünschen. Wer mit Liedkatechesen die Einführung des neuen „Gotteslobes“ vertiefen will, greife etwa zur Erschließung von vierzig neuen und bekannten Liedern, die vorwiegend im „Gotteslob“ enthalten sind, von Meinrad Walter in dem Band „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen“.

Weltweit wurden mehr als drei Million Exemplare des zusammen mit Jugendlichen erarbeiteten Katechismus „Youcat“ verkauft. Diese Erfolgsgeschichte wird nun mit einer Bibelauswahl für Jugendliche fortgesetzt: Georg Fischer, Dominik Markl, Thomas Söding: „Youcat Jugendbibel“ (Sankt Ulrich Verlag). Das ebenfalls neue Anwenderbuch „Docat“, eine jugendgerechte Einführung in die katholische Soziallehre wird, von Kardinal Reinhard Marx herausgegeben. Bereits erschienen sind „Youcat Update! Beichten“ und der „Youcat Firmkurs“ bestehend aus Handbuch und Firmbuch (Sankt Ulrich Verlag).

Stark beachtet wurde der Band des Philosophiehistorikers Kurt Flasch „Warum ich kein Christ bin“ (C.H. Beck Verlag). Flasch, der den Titel vom britischen Philosophen Bertrand Russell entlehnt hat, bezeichnet die Religion als „Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse“. Obwohl vom Christentum nicht mehr als ein „Bildersaal religiöser Empfindungen“ zurückbleibt, hat er für das liberale Kulturchristentum nur Verachtung übrig. „Gegen die Verharmlosung Jesu“ von Gerhard Lohfink bietet darauf die beste Antwort (Herder).

Zwei Professoren der New York University haben das moderne Weltbild auseinandergenommen. Da ist zuerst der Philosoph Thomas Nagel, der sich in „Geist und Kosmos“ (Suhrkamp) gegen die evolutionsbiologische und rein physikalisch Welterklärung wendet. Was den menschlichen Geist auszeichne lasse sich eben nicht auf physikalische Gesetze reduzieren. Materialismus und Biologismus liegen seiner Meinung nach völlig falsch. Sein Plädoyer gegen Relativismus und Konstruktivismus hat Paul Boghossian „Angst vor der Wahrheit“ genannt (Suhrkamp). Der amerikanische Philosoph legt die offensichtlichen Schwachpunkte des modernen Dogmas von der Unerkennbarkeit der Wahrheit beziehungsweise der Relativität aller Aussagen offen. Zwei Titel, die im Dialog mit dem zunehmend aggressiver werdenden Atheismus wertvolle Dienste leisten können.

In der Belletristik geht der Siegeszug der großen katholischen Briten weiter. Mit einer riesigen Werbeoffensive begleitet der Verlag Klett-Cotta den Filmstart des zweiten Teils des Kinderbuches von J.R.R. Tolkien „Der Hobbit“ im Dezember. In der Übersetzung von Wolfgang Krege liegt „Der Hobbit“, die Keimzelle des großen Epos „Der Herr der Ringe“ in verschiedenen Ausgaben vor. Zeitgenosse von Professor Tolkien war der katholische Schriftsteller Evelyn Waugh. In neuer Übersetzung und liebevollster Buchgestaltung bringt Diogenes das Hauptwerk von Waugh, den Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ heraus. Geschildert wird der Untergang einer katholischen englischen Adelsfamilie in der Zwischenkriegszeit und die unzerstörbare prägende Kraft des Glaubens. Unter der Masse nichtiger und überflüssiger Weihnachtstitel dieses Bücherherbstes ragt das kleine Bändchen „… damit der Mensch Gott werde. Weihnachten als Fest der Erlösung“ (Echter Verlag) heraus. Der Autor, Adalbert Keller, ist Professor für Alte Kirchengeschichte und bringt dem Leser die Kernaussagen der Erlösungslehre der Kirchenväter nahe.

Ein wichtiger Beitrag zur Rückbesinnung auf die eigentliche Botschaft der Weihnacht. Bereits jeder fünfte Leser in Deutschland (21 Prozent) liest elektronische Bücher, sogenannte E-Books. Die Zukunft des Buches ist ungewiss. Was das Buch und seine Vorläufer für die Kulturgeschichte der Menschheit bedeutet, kann man durch den wunderbaren Bildband „Die Bibliothek“ von James W. P. Campbell und Will Pryce erfahren (Verlag Knesebeck). Die Verfasser haben nicht nur weltweit siebzig der schönsten Bibliotheken besucht und fotografiert, sondern auch eine chronologische Geschichte des Buches und der Bibliothek erstellt. Auch wenn bereits 54 Prozent der Neuerscheinungen auch als E-Book auf den Markt kommen, wird doch das gedruckte Buch nicht verschwinden.

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