Reise mit Hindernissen durch halb Europa

Komödiantischer Rosenkrieg am Rande des Klamauks: „Eyjafjallojökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“. Von José García
Foto: SquareOne/universum | Um trotz Luftraumsperrung zur Hochzeit ihrer Tochter nach Griechenland zu reisen, nehmen die seit 20 Jahren geschiedenen Valérie (Valérie Bonneton) und Alain (Dany Boon) Strapazen in Kauf.
Foto: SquareOne/universum | Um trotz Luftraumsperrung zur Hochzeit ihrer Tochter nach Griechenland zu reisen, nehmen die seit 20 Jahren geschiedenen Valérie (Valérie Bonneton) und Alain (Dany Boon) Strapazen in Kauf.

Als im Jahre 2010 ein bis dahin kaum bekannter isländischer Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallojökull ausbrach, verbreitete sich über Europa eine Aschenwolke, die den Luftraum lahmlegte. In dieser Zeit ist Alexandre Coffres Spielfilm „Eyjafjallojökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“ angesiedelt. Schon der hübsche Vorspann mit Flugzeugen und dem Vulkanausbruch deutet darauf hin. Alain (Dany Boon) und Valérie (Valérie Bonneton) befinden sich in einem Flugzeug auf dem Weg von Paris nach Griechenland, weil ihre einzige Tochter Cécile (Bérangere McNesse) drei Tage später auf Korfu heiraten soll. Alain und Valérie reisen aber getrennt, sind sie doch seit etwa 20 Jahren geschieden. Ihre zufällige Begegnung im Flugzeug bringt den alten Hass wieder zum Vorschein.

Als die Maschine zur außerplanmäßigen Landung in München gezwungen wird, denkt Valérie nur noch daran, wie sie nach Paris zurückfahren kann. Dann entdeckt sie aber, dass es Alain gelungen ist, den letzten Mietwagen zu ergattern. Sie besteht darauf, mit Alain und dessen Onkel Roger (Albert Delpy) die etwa 2 100 Kilometer im Porsche zurückzulegen. Weil dieser die beiden Streithähne nur zu gut kennt, verzichtet Onkel Roger wohlweislich auf die gemeinsame Reise. Dafür findet sich auf dem Parkplatz ein mit der Braut befreundetes junges Paar ein, das um eine Mitfahrgelegenheit bittet. Zu viert machen sie sich auf die lange Reise von München nach Korfu. Allerdings nicht sonderlich lange: Die Streitigkeiten eskalieren bald so sehr, dass das Pärchen bei der nächsten Gelegenheit aus dem Porsche aussteigt. Zu zweit geht es also in Richtung Griechenland weiter, wobei sich Alain und Valérie nicht nur ununterbrochen bekriegen. Vor allem sucht jeder nach einer günstigen Gelegenheit, den anderen loszuwerden und die Fahrt mit dem Brautkleid für die Tochter alleine fortzuführen. Doch der Weg durch halb Europa ist lang. Auch wenn sie sich immer wieder trennen, finden Valérie und Alain irgendwie erneut zueinander.

Regisseur Alexandre Coffre und seine Drehbuch-Mitautoren Yoann Gromb und Laurent Zeitoun verknüpfen den schlagfertigen Geschlechterkrieg mit einem „Road-Movie“ durch Europa. Als Vorbilder nennt Alexandre Coffre den US-amerikanischen Film aus den achtziger Jahren, der beide Elemente verbindet: „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (Robert Zemeckis, 1984) sowie den Scheidungskriegsfilm schlechthin: Danny DeVitos „Der Rosenkrieg“ (1989). In beiden Filmen spielen übrigens Michael Douglas und Kathleen Turner die Hauptrollen.

Die Cinemascope-Landschaftsaufnahmen von Bayern, Österreich, Slowenien und Griechenland sowie die teilweise sehr aufwändigen Actionszenen, die Kameramann Pierre Cotterau einfängt, geben den Rahmen für den Schlagabtausch der Ex-Eheleute. Dramaturgisch problematisch ist es dabei, dass die schönen Kulissen häufig lediglich die Folie für eine Aneinanderreihung von einmal besser, einmal weniger gut gelungenen Sketchen bilden, bei denen allzu häufig ein klamaukiger Brachialhumor herrscht. Wichtig ist den Filmemachern – produziert wurde „Der unaussprechliche Vulkanfilm“ von denselben Produzenten wie „Ziemlich beste Freunde“ (2011) –, dass Alain und Válerie gleich behandelt werden. Dazu führt Regisseur Alexandre Coffre aus: „Das Schwierigste war, die Balance zwischen ihm und ihr zu wahren. Wir wollten nicht, dass einer von beiden der ,Böse‘ und der andere der ,Gute‘ ist – immerhin geben sich beide große Mühe, dem anderen zu schaden, manchmal schön der Reihe nach, manchmal gleichzeitig. Uns lag daran, dass sich der Zuschauer jederzeit seine eigene Meinung über dieses Paar bilden kann.“

Dany Boon, dem seit seinem Riesenerfolg „Willkommen bei den Sch’tis“ (2008) das Image des naiven Komikers anhaftet, versucht mit seiner Darstellung des Alain, diesem Typ ein paar neue Seiten als hinterhältiger, verschlagener Manipulator hinzuzufügen. Dennoch bleiben sowohl seine als auch die von Valérie Bonneton verkörperte Figur etwas holzschnittartig, so dass die Authentizität der Handlung darunter leidet. Und weil es sich um eine Komödie handelt, kann sich der Zuschauer getrost zurücklehnen: Trotz aller Hindernisse auf dem Weg zur Hochzeit der gemeinsamen Tochter wird es schon auch für die Beziehung zwischen den beiden irgendwie gut ausgehen. Immerhin stimmt die Chemie zwischen den beiden, weil sich Dany Boon und Valérie Bonneton seit mehr als zwanzig Jahren kennen und ihre ersten Schritte auf der Theaterbühne gemeinsam taten. Dies ist die große Stärke von „Eyjafjallojökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“, die ihn erst sehenswert macht.

Weil viele der Witze nicht gleich zünden und die Aufeinanderreihung von witzigen Situationen häufig allzu konstruiert anmutet, kann es der Film von Alexandre Coffre wohl kaum mit Dany Boons „Willkommen bei den Sch’tis“ oder auch mit Olivier Nakaches und Eric Toledanos „Ziemlich beste Freunde“ aufnehmen. Dennoch: Wer am absurden Humor seine Freude hat, ohne sich vom teilweise überzogenen Klamauk stören zu lassen, wird auch in „Eyjafjallojökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“ herzlich lachen und mit den Protagonisten dieses modernen, sehr französischen „Rosenkrieges“ auf ihrer abenteuerlichen Reise mitfiebern.

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