„Nicht wiederbeleben“

Eine Neuseeländerin lässt sich ihren Sterbewunsch vor der Fernsehkamera tätowieren

Das Sterben wird längst nicht mehr als etwas verstanden, das nur den Einzelnen und die Angehörigen etwas angeht. Denn dass das Sterben immer häufiger von der Kamera begleitet wird, weist eher darauf hin, wie sehr man es als ein gesellschaftliches Ereignis aufgefasst haben will, aber auch, wie groß die Einsamkeit des Menschen geworden ist, dass er ein Massenpublikum am Fernsehen teilnehmen lässt.

Aber nicht nur das Sterben, auch die Vorbereitungen darauf werden immer öffentlicher. Am Donnerstag hat sich eine 79 Jahre alte Neuseeländerin, Paula Westoby, dabei filmen lassen, wie sie sich ihren Sterbewunsch auf die Brust tätowieren ließ. Der neuseeländische Sender TV3 hat gezeigt, wie die Worte „Nicht wiederbeleben“ in ihre Haut eintätowiert wurden. Sterbehilfe ist in Neuseeland verboten.

Westoby verfolgt ein politisches Programm. Sie ist Koodinatorin der Euthanasie-Gruppe „Exit“ und vertritt einen veränderten Würdebegriff. Würde ist für sie an die jeweilige Subjektivität des Menschen gebunden. Und darum will sie sterben, wenn sie es für richtig hält – etwa bei einem Herzinfarkt. Es schreckt sie auch nicht ab, dass die Ärzte der nahen Universität von Otago ihr Handeln aus ethischer Überzeugung ablehnen und jegliche Unterstützung ihrer Ideen verweigern.

Westoby hält die Tätowierung für eine schrille Idee, „a bloody good idea“, die sie einer Achtzigjährigen abgeguckt hat, die sich den Spruch aber schon im Alter von 21 Jahren tätowieren ließ. Ihre Auskunft, dass sowieso viele Ärzte aktive Sterbebegleitung machten, dient nur dazu, den moralischen Boden in der Gesellschaft aufzuweichen. denn im Hinblick auf die Sterbehilfe sind die neuseeländischen Gesetze noch intakt. Daran aber wollen jetzt Aktionen wie die von „Exit“ rütteln. Und das Fernsehen ist immer gern dabei, weil hohe Einschaltquoten garantiert sind. Eine Diskussion darüber, ob das Fernsehen überhaupt solche Aktionen zeigen dürfe, wäre also dringend nötig. In Neuseeland wie auch in jedem anderen Land. Denn um neutrale Meinungsbildung geht es hier natürlich überhaupt nicht. Einzig darum, dem Einzelnen Macht über Leben und Tod zu geben.

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