Mit neuem Konzept für den Schutz des Papstes gerüstet

40 neue Rekruten der Päpstlichen Schweizergarde legten am Samstag ihren Eid ab. Von Ulrich Nersinger

In Erinnerung an die 147 Hellebardiere, die am 6. Mai 1527 bei der Plünderung Roms, dem berühmt-berüchtigten „Sacco di Roma“, heldenhaft für die Verteidigung des Heiligen Vaters gefallen sind, fand im Damasushof des Apostolischen Palastes am Nachmittag des 6. Mai die Vereidigung neuer Mitglieder der Päpstlichen Schweizergarde statt. Erstmals leisteten vierzig Rekruten, die ein neues Ausbildungsmodell der Garde durchlaufen haben, in einer feierlichen Zeremonie vor vatikanischen Würdenträgern, ihren Familien und zahlreichen Gästen den Eid.

Seit Ende vergangenen Jahres setzt die Päpstliche Schweizergarde auf ein neues Ausbildungskonzept für ihre Rekrutenschulungen. Hierzu ist sie eine Kooperation mit der Tessiner Kantonspolizei eingegangen. Die Kommandanten der beiden Korps, Oberst Christoph Graf (Päpstliche Schweizergarde) und Oberst Matteo Cocchi (Kantonspolizei Tessin), hatten am 26. September 2016 im Gardequartier eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, die durch die Neustrukturierung der Rekrutenschulen eine weitere Professionalisierung des traditionsreichen Korps ins Auge fasste. Bei der Unterzeichnung anwesend war auch der Schweizer Staatsrat Norman Gobbi, Vorsteher des Departementes für Inneres, Justiz und Polizei des Kantons Tessin. Die neu gestaltete Rekrutenschule der Schweizergarde, welche das erste Mal Ende Oktober 2016 durchgeführt wurde, findet alljährlich zweimal statt.

Sie besteht aus zwei Teilen. Zunächst begeben sich die neuen Rekruten nach Rom, um sich den medizinischen Untersuchungen im Vatikan zu unterziehen. Dann absolvieren sie für einen Monat eine Ausbildung bei der Tessiner Kantonspolizei. Folgende Bereiche kommen dabei zum Tragen: Elemente der Psychologie und des Rechts, Brandbekämpfung, lebensrettende Sofortmaßnahmen, Schießausbildung, persönliche Sicherheit, taktisches Verhalten und Sport. Am Ende dieser Ausbildung werden die Rekruten in den Vatikan zurückkehren und einen weiteren Monat im Quartier der Päpstlichen Schweizergarde ausgebildet. Diese Ausbildung beinhaltet das Erwerben der notwendigen Orts- und Personenkenntnisse, der ersten Grundkenntnisse der italienischen Sprache sowie eine gardespezifisch-militärische Ausbildung und das Vermitteln der Schutzaufgaben.

Für die Rekrutenschulung wurde eine eigene Trainingsuniform eingeführt. Sie besteht aus einem Oberteil, einer Hose und einer Schirmmütze von dunkelblauer Farbe. Unter dem Oberteil wird ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck „Guardia Svizzera Pontificia“ getragen. Eine Jacke ergänzt das neue Outfit. An der Uniform sind mehrere Patches (Stoffabzeichen) mit den Schriftzügen „Päpstliche Schweizergarde – Guardia Svizzera Pontifica“, der Tiara mit den gekreuzten Schlüsseln, einem schmalen gelb-weißen Farbband sowie dem Schulabzeichen der Tessiner Polizei angebracht. Mit der Intensivausbildung im Tessiner Isone reagiert die kleinste Armee der Welt auf die veränderte Gefahrenlage im Vatikan und in Italien. Die jüngsten terroristischen Vorgänge in Europa sind auch an der Leibwache des Heiligen Vaters nicht spurlos vorbeigegangen, gesteht der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Christoph Graf, ein.

In der Vatikanstadt selber sind nicht alle Möglichkeiten gegeben, um die bestmögliche Ausbildung zu garantieren. Bislang konnte man stets entsprechende Einrichtungen in Italien in Anspruch nehmen. Doch diese sind seit den diversen Terroranschlägen in den europäischen Nachbarländern vollständig von den italienischen Einsatzkräften belegt.

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