Mit Gott hinter Gitter

Das Medienprojekt "Gott im Abseits" geht in die dritte Runde; diesmal mit dem Schwerpunkt auf Gefängnisseelsorge. Von Tobias Klein

Gefangene zu besuchen ist eines jener „Werke der Barmherzigkeit“, die den Jüngern Jesu im Matthäusevangelium ausdrücklich aufgetragen werden. Einer, der diesen Auftrag beim Wort nimmt, ist der Franziskanerbruder Gabriel Zörnig, der seit 2010 überwiegend in der Gefängnisseelsorge tätig ist. Mit diesem Tätigkeitsschwerpunkt steht er nun im Fokus der dritten Staffel des im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz produzierten Medienprojekts „Gott im Abseits“, deren erste Folge am 25. Juni erschienen ist.

Das Konzept von „Gott im Abseits“ orientiert sich an dem erfolgreichen Format „Valerie und der Priester“: Im Rahmen des Projekts „treffen junge, kirchenferne Journalisten auf Menschen, die ihre Berufung zum Lebensinhalt machen und das persönliche Leben nach ihrem Glauben ausrichten“, so beschreibt es die Pressemitteilung zum Start der neuen Staffel. Der „fremde Blick“ der für das Projekt ausgewählten Journalisten auf Kirche und Glauben spielt konzeptionell eine zentrale Rolle – und kann wohl als repräsentativ für die angestrebte Zielgruppe betrachtet werden. Während „Valerie und der Priester“ jedoch den beruflichen Alltag eines Kaplans in einer Pfarrei nachzeichnete, konzentriert sich das Nachfolgeprojekt – wie der Titel bereits andeutet – ganz auf „das Engagement für Menschen im gesellschaftlichen Abseits“: In der ersten Staffel wurde eine von Ordensschwestern betriebene Straßenambulanz für Obdachlose vorgestellt, in der zweiten ein Rehabilitationsprojekt für Drogenabhängige und nun also der Bereich Gefängnisseelsorge. Diese Schwerpunktsetzung ist bezeichnend für die Ausrichtung des Projekts auf ein kirchenfernes Publikum: Studien legen nahe, dass kirchliches Engagement im Bereich der Sozialfürsorge auch bei solchen Personen ein vergleichsweise hohes Ansehen genießt, die der Glaubenslehre der Kirche distanziert bis ablehnend gegenüberstehen. „Gott im Abseits“ mag also durchaus geeignet sein, die Kirche in der Öffentlichkeit in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und eventuellen Austrittsneigungen bei religiös distanzierten Kirchenmitgliedern entgegenzuwirken. Pfarrer Michael Maas vom Zentrum für Berufungspastoral, der das Projekt im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz betreut, hofft jedoch auf mehr – nämlich darauf, dass „Gott im Abseits“ das Zielpublikum auch für die Frage sensibilisiert, was die porträtierten Ordensleute und pastoralen Mitarbeiter „für eine solche aufopferungsvolle Arbeit motiviert und woraus sie für ihren Dienst Kraft schöpfen“ – und dass auf diesem Weg das Interesse am christlichen Glauben geweckt wird. Ob die entschieden kirchen- und religionskritische Haltung der jeweiligen Autoren diesem Anliegen dienlich ist, darf indes wohl infrage gestellt werden. Die Autorin der dritten Staffel von „Gott im Abseits“, die 33-jährige Merih Ugur, sagt von sich selbst: „Ich bin kein Mensch, der gerne Vorurteile hat.“ Die türkischstämmige Journalistin gibt an, ihren Eltern sei es wichtig gewesen, dass sie „sowohl die christliche als auch die islamische Religion kennenlernte“. Gleichwohl beschreibt sie sich „der Religion gegenüber“ als „kritisch, vielleicht sogar misstrauisch“. Bereits in der ersten Folge der neuen Staffel werden – wenn auch nur am Rande – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam diskutiert; es steht zu erwarten, dass dieser Aspekt auch im weiteren Verlauf des Projekts noch eine Rolle spielen wird. Ebenfalls bereits in der ersten Folge kommt zur Sprache, dass auch Bruder Gabriel „nicht mit allem, was die katholische Kirche betrifft, einverstanden ist“; der Kontrast zwischen den beiden Protagonisten, der einen wesentlichen Reiz von „Valerie und der Priester“ ausmachte, dürfte demnach in der neuen Staffel etwas weniger scharf ausfallen.

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