Mit Freundschaft zum Erfolg auf dem Fußballplatz

Spannend erzählter Jugendroman über den Willen zum Kämpfen und trotz Hindernissen seinen eigenen Weg zu gehen: Michael Horenis „Asphaltfieber“. Von José García

Fußball nimmt unter allen Sportarten eine ganz besondere Stellung ein. Zwar können sich auch andere Sportereignisse – etwa alle vier Jahre die Olympischen Spiele oder alljährlich der „Super Bowl“, das Endspiel der US-amerikanischen National Football League NFL – einer weltweiten Aufmerksamkeit sicher sein. Keine andere Sportart hat jedoch eine so universale „Sprache“ entwickelt wie Fußball, die an so unterschiedlichen Orten verstanden wird. Fußball weckt Emotionen auf der ganzen Welt – so wird etwa ein Champions League-Finale nicht nur in Europa, sondern ebenso in Los Angeles, Saudi Arabien oder Indonesien mit denselben Gefühlsausbrüchen wie im Heimatland der Endspielteilnehmer verfolgt.

Andererseits ist Fußball zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, was natürlich auch seine Schattenseiten hat – siehe FIFA- und UEFA-Skandale. Dies hat jedoch auch positive Seiten: Die größten, weltweit operierenden Fußballvereine schicken nicht nur „Scouts“ in die ganze Welt, um möglichst früh Fußballtalente zu entdecken. Sie unterhalten darüber hinaus auch Fußballschulen in Dritte-Welt-Ländern, was zweifelsohne auch zur Entwicklung in diesen Ländern beiträgt. Im Unterschied zu früheren Jahrzehnten verspricht das Milliarden-Geschäft Fußball darüber hinaus immensen Reichtum für herausragende Sportler. Erstmals führt beispielsweise 2016 mit Cristiano Ronaldo ein Fußballspieler die Forbes-Rangliste der bestbezahlten Sportler der Welt. Und an zweiter Stelle steht wiederum ein Fußballprofi, Lionel Messi. Erst dann folgen US-amerikanische Sportler aus der Basketball-, Baseball- oder Football-Liga.

Kein Wunder also, dass Millionen Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt von einer Fußballprofi-Karriere träumen – oder wenigstens davon, für ein paar Stunden schwierigen Lebensverhältnissen zu entfliehen. Dies gilt nicht nur für die Dritte Welt, wo eine Profikarriere als der beste Weg aus der Armut erscheint, sondern durchaus auch für Europa. Wie ein solcher Weg in den Profifußball gehen kann, beschrieb Michael Horeni 2012 in „Die Brüder Boateng. Eine deutsche Familiengeschichte“. Das Buch über die drei unterschiedlichen Brüder – George, der älteste, schaffte es nicht, aber seine Brüder Kevin und Jérôme wurden berühmte und erfolgreiche Fußballstars – beschränkte sich keineswegs auf den Sport. Die Familiengeschichte der in zwei grundverschiedenen Berliner Stadtteilen aufgewachsenen Halbbrüder, Fragen von Integration und Ausgrenzung sowie das Vater-Sohn-Verhältnis spielten in „Die Brüder Boateng“ eine genauso wichtige Rolle.

Der Berliner Sportkorrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat nun einen Roman über Jugendliche geschrieben, für die Fußball eine ganze Welt bedeutet. In den zwei Protagonisten von „Asphaltfieber“ wird der Leser unschwer einige Grundzüge der „Boateng-Geschichte“ wiederfinden, auch wenn sie selbstverständlich fiktional verfremdet sind. Die zwei Vierzehnjährigen, die im Mittelpunkt von „Asphaltfieber“ stehen, wohnen nicht nur in zwei grundverschiedenen Berliner Stadtbezirken. Familienverhältnisse und soziales Umfeld könnten unterschiedlicher nicht sein. Sammy wohnt bei seiner alleinerziehenden Mutter, wobei „erziehend“ hier nicht allzu wörtlich zu nehmen ist, in Neukölln. Zum Haushalt der Alkoholsüchtigen gehören noch der elfjährige Pascal und der zehnjährige Janis – jeder der drei hat einen anderen Vater.

Dagegen wächst der gleichaltrige Dani in behüteten Verhältnissen in Dahlem auf. Zwar liegen zwischen Sammy und Dani deshalb Welten – so besucht Dani beispielsweise eine Privatschule und spielt in einem exklusiven Verein Hockey. Dennoch ist auch Dani ein Außenseiter im vornehmen Zehlendorf. Zu den Unterschieden zwischen Dani und seiner jüngeren Schwester Luise heißt es in „Asphaltfieber“: „Die Unterschiede zwischen Dani und Luise waren groß. Das war einerseits ganz offensichtlich. Denn dass Luise ein Mädchen war und weder Fußball noch Hockey mochte, war ein ganz wichtiger und nicht zu bestreitender Unterschied. Aber darauf kam es jetzt nicht mehr an. Entscheidend war etwas anderes: Luise war weiß. Und er schwarz – wie sein Vater.“

Sammy und Dani eint aber die Fußball-Leidenschaft. Auf glaubwürdige Weise schildert „Asphaltfieber“, wie sich die Jungs aus so unterschiedlichen Welten kennenlernen und schließlich nicht nur „Käfig-Fußball“, sondern auch im Verein zusammen spielen. Eine wichtige Person kommt dann auch hinzu, der Jugend-Fußballtrainer und Streetworker in Personalunion ist, wobei dieser Ahmet ebenfalls ein real existierendes Vorbild hat.

Selbstverständlich schildert Michael Horeni in seinem Jugendroman viele Einzelheiten aus dem Fußballspiel, nicht zuletzt den „Street-King-Trick“ – schließlich handelt die äußere Handlung vom Berliner „Käfig-Cup“. Wie schon in Horenis Sachbuch über die Boateng-Brüder geht es in „Asphaltfieber“ allerdings nicht nur um den Sport. Der Roman handelt von einer Freundschaft über Unterschiede hinweg, aber auch über Familie und über die Schwierigkeiten, in einem sozial benachteiligten Umfeld aufzuwachsen, wo etwa Alkohol und Drogen allgegenwärtig sind und der Schritt in die Kriminalität ein ganz kleiner sein kann. Ehrgeiz und Willen zum Erfolg gelten nicht nur auf dem Fußballplatz beziehungsweise -Käfig, sondern auch im Alltagsleben dieser Jugendlichen.

„Asphaltfieber“ richtet sich sicherlich vorwiegend an ein junges Publikum, und zwar nicht nur an Jungen. Schließlich stehen auch die Schwestern Ayse und Selin im Fußballkäfig ihre Frau. Michael Horeni schafft es außerdem, so spannend zu erzählen, dass auch erwachsene Leser schwerlich das Buch aus der Hand geben.

Michael Horeni: „Asphaltfieber“. Baumhaus Verlag Köln 2016, 252 Seiten, ISBN 978-3-8339-0388-5, EUR 12,99

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