Mit Fatima fing alles an

Zwei Brüder traten vor vierzig Jahren an, Apostolat und katholische Publizistik zu verbinden. Von Guido Horst
Foto: Fe-Verlag | Der Sitz des Fe-Verlags mit dem Cafe Fatima in Immenried bei der Einweihung vor zehn Jahren.

In der Reihe der kleineren katholischen Verlage im deutschsprachigen Raum, die nicht im Dunstkreis einer Diözese arbeiten und dort etwa die Bistumszeitung, Bücher des Ortsbischofs und der Alt-Bischöfe sowie kirchliche Schriftreihen veröffentlichen oder zum Herausgeberkreis des Gesangbuchs Gotteslob gehören, ist der Fe-Medienverlag eine Ausnahmeerscheinung. Mitten im Allgäu gelegen, in dem kleinen Dörfchen Immenried, das zu dem Luftkurort Kisslegg gehört, hat sich dieser Verlag etwas bewahrt, das auf dem hart umkämpften Medienmarkt, der durch den Zwang zur Digitalisierung, zur Entwicklung von Online-Angeboten und völlig anderen Finanzierungskonzepten für das Marketing der Neuen Medien zusätzlich unter Druck geraten ist, nicht gerade selbstverständlich ist. Wer ihn besucht, merkt das schon bei der Ankunft. Direkt gegenüber der Dorfkirche Immenrieds liegt das vor zehn Jahren eingeweihte Verlagsgebäude, das sich dem Besucher nicht mit einer Rezeption samt Telefonanlage und einer mehr oder weniger freundlichen Empfangsdame präsentiert, sondern mit einem Ort des geselligen Zusammenseins: dem Cafe Fatima. Der Name verweist nicht auf eine ländliche Döner-Bude, er hat auch nichts mit einer geheimnisvollen Schönen des untergegangenen Osmanischen Reichs zu tun, sondern mit dem Ort, der in diesen Monaten ein denkwürdiges Hundertjahr-Jubiläum begeht: dem portugiesischen Heiligtum, das seine Existenz jener Begegnung dreier Hirtenkinder mit der himmlischen Dame verdankt, die Papst Franziskus wieder lebendig werden lässt, wenn er in wenigen Tagen zwei der drei Kinder, Jacinta und Francisco, in Fatima heiligspricht.

Fatima stand am Anfang des Fe-Verlags. Zwei Schüler, die Zwillinge Bernhard und Martin Müller, ließen sich im zarten Alter von sechzehn Jahren von dem anstehenden Sechzigjahr-Jubiläum der Erscheinungen von Fatima dazu inspirieren, Informationsmaterial über die Erscheinungen der Gottesmutter und die den drei Seherkindern mitgeteilten Geheimnisse zu verbreiten. Der Inhalt dritten Geheimnisses war damals noch unbekannt. Und das zweite mit der Bekehrung Russlands hatte in jenen Jahren – es war die heiße Phase des Kalten Kriegs und die von der Gottesmutter angemahnte Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz war noch nicht vollzogen – einen überaus aktuellen Hintergrund.

Es war der Mai 1977: Gemeinsam mit Freunden und mit Unterstützung des Pfarrers von Immenried, der sie die Abzugsmaschine des Pfarrbüros für ihre Informationsblätter nutzen ließ, stürzten sich die Müller-Brüder in die zunächst sogenannte „Fatima-Aktion 77“. Kostenlose Füllanzeigen in der lokalen Schwäbischen Zeitung und ein Rundbrief waren der Anfang. Die Nachfrage war beachtlich und aus dem Rundbrief wurde eine kleine Zeitschrift: Fatima Ruft. Die Müller-Brüder begannen mit einem Schriften-Apostolat und sammelten Spendengelder für die verfolgte Kirche in der Sowjetunion. Um dieser Arbeit auch einen institutionellen Rahmen zu geben, entstand bald ein eingetragener gemeinnütziger Verein, die Fatima-Aktion. Und dieses apostolische und caritative Hilfswerk, das in diesen Tagen sein vierzigjähriges Bestehen feiern kann, wurde zum Dachverein für alle publizistischen Aktivitäten, die die Brüder Bernhard und Martin seither ins Leben gerufen haben.

Neben der Geselligkeit blieb die Gemeinnützigkeit ein Charakteristikum ihrer Arbeit. Die Müllers wollen mit ihrer verlegerischen Arbeit keine großen Gewinne erwirtschaften, das heißt sich den Gesetzen des kapitalistischen Marktes unterwerfen. Was bei allen Projekten an Geld übrigbleibt, fließt wieder in den Betrieb zurück, dessen verlegerische Früchte im Verlauf der Jahre immer bunter wurden: Seit dreißig Jahren erscheint das pur-magazin, das für Katholiken wichtige Vorgänge in Gesellschaft und Kirche verfolgt – seit 1999 ergänzt durch das vierteljährliche herausgegebene Themenheft namens pur-spezial. Vor 25 Jahren wurde die Fe-Medienverlags GmbH gegründet, als hundertprozentige Tochter der Fatima-Aktion. Im regelmäßig erscheinenden Verlagsprojekt werden eigene Titel angeboten – wie jüngst die beiden Interview-Bücher von Kardinal Robert Sarah, „Gott oder Nichts“ und „Kraft der Stille“ – wie auch aufgekaufte Restauflagen anderer katholischer Verlage. Seit zehn Jahren erscheint das in Rom produzierte Vatican-magazin im Fe-Verlag, der dann 2010 auch den schweizerischen Christiana-Verlag übernehmen konnte. Und vor zehn Jahren schließlich wurde das neue Verlagsgebäude eingeweiht – das trotz geräumiger Lagerhalle von Anfang an schon zu klein war, so dass bald ein zweites Lager am Dorfrand von Immenried „nachgebaut“ werden musste.

Medienapostolat, Hilfsgelder für verfolgte Christen und die missionarische Arbeit der Kirche in armen Regionen wie den peruanischen Anden, katholische Literatur, wie auch hin und wieder ein streitbarer Leitartikel in einer der Fe-Zeitschriften: Die Ereignisse in Fatima vor hundert Jahren haben nicht nur der Volksfrömmigkeit und der Marienverehrung kräftige Impulse gegeben, sondern auch publizistische Initiativen entstehen lassen wie das Verlagshaus der Brüder Müller mitten im Allgäu. Ohne einen einzigen Cent an Zuschüssen deutscher Diözesen oder aus Kirchensteuermitteln haben sie gezeigt, dass man auch heute mit Mut, Fleiß und Phantasie ein katholisches Werk aufbauen kann. Das Wörtchen „Fe“, das ihrem Verlag den Namen gegeben hat, ist übrigens Spanisch und heißt „Glaube“ – der bekanntlich Berge versetzen kann.

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