Mit dem Netz überfordert

Der „Norton Online Family Report 2011“ bietet Daten über den Umgang von Jugendlichen mit dem Internet. Von Jose Garcia

Für Kinder und Jugendliche gehört das Internet zum Alltag, wobei die virtuelle Welt der Minderjährigen überwiegend aus den sozialen Internet-Netzwerken besteht. Laut der kürzlich veröffentlichten Untersuchung „Norton Online Family Report 2011“ nutzen inzwischen 96 Prozent der unter 30-Jährigen soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder SchülerVZ. Die Daten entstammen einer Umfrage des Marktforschungsinstituts StrategyOne im Auftrag von Symantec, in deren Rahmen 12704 Erwachsene (darunter 2 956 Eltern) sowie 4 553 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren und 2 379 Lehrer in 24 Ländern online befragt wurden. Die deutsche Fassung der Untersuchung kann im Internet abgerufen werden: www.symantec.com/content/de/de/home_homeoffice/html/cybercrimereport/.

Soziale Netzwerke werden indes nicht nur zur Freundschaftspflege genutzt. „Cybermobbing“ – Pöbeleien, obszöne Beleidigungen bis hin zu Aufforderungen zum Selbstmord – gehört ja ebenfalls zum Alltag der virtuellen Welt, wie der ARD-Fernsehfilm „Homevideo“ Mitte Oktober eindrücklich verdeutlichte. Aber nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer leiden unter dieser Art Internet-Hetze: Beim „Cyberbaiting“ provozieren Schüler ihre Lehrer. Sie filmen deren Wutausbrüche heimlich mit ihren Handys und veröffentlichen dann das Video in einem Internetforum. Laut der Studie haben 27 Prozent der Lehrer in Deutschland bereits persönliche Erfahrungen mit dieser Internethetze gesammelt oder kennen einen anderen Lehrer, der Opfer eines solchen Cyberbaitings geworden ist.

Die oft gestellte Frage, ob Eltern mit ihren Kindern etwa auf Facebook „befreundet“ sein sollten, wendet die Online-Untersuchung auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis an, wobei es 73 Prozent der deutschen Lehrer kritisch finden, solche Netzwerk-Freundschaften mit Schülern einzugehen, weil dies ein Risiko für die respektvolle Distanz zwischen Lehrern und Schülern werden könnte. Darüber hinaus gaben 51 Prozent der Lehrer an, dass ihre Schule bereits einen Verhaltenskodex für solche Beziehungen mit Schülern in den sozialen Netwerken entwickelt hat. Gefahren für Jugendliche im „Netz“ bestehen jedoch nicht nur in den sozialen Netzwerken: 51 Prozent der acht- bis 17-Jährigen in Deutschland sagten aus, bereits eine „negative Online-Situation“ erlebt zu haben. Unter solchen Erfahrungen versteht die Untersuchung etwa eine Freundschaftsanfrage von jemandem, den sie nicht kannten, erhalten (23 Prozent), oder einen Virus heruntergeladen zu haben (17 Prozent). Zu solchen „negativen Online-Situationen“ zählt aber auch, Nacktbilder im Netz gesehen zu haben (14 Prozent).

Eine deutliche Diskrepanz zwischen Eltern und Lehrern macht die Studie in der Einschätzung aus, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche im Internet verbringen: Sind 60 Prozent der befragten Eltern der Meinung, dass Kinder zu viel Zeit im Internet verbrachten, so forderten einige Lehrer, dass in der Schule das Internet häufiger eingesetzt werden sollte. Wahrscheinlich ist dies dadurch zu erklären, dass Eltern allzu häufig nicht wissen, was ihre Kinder im Internet tun. Dies gaben auch sieben Prozent der Eltern unumwunden zu, wobei die gleiche Frage an die Kinder noch einiges erhellt: 14 Prozent denken, dass ihre Eltern nicht wissen, was sie im Internet tun.

Dazu ist es allerdings wenig hilfreich, den eigenen Kindern „nachzuspionieren“, wie einige Eltern angaben. So haben 34 Prozent der Eltern die Internetnutzung oder den Browser-Verlauf ihrer Kinder ohne deren Wissen überprüft, während 25 Prozent heimlich die Website des sozialen Netzwerks ihrer Kinder überprüft haben. Um Kinder und Jugendliche frühzeitig für das Internet zu sensibilisieren, sollten Eltern eher auf eine ausgewogene Mischung aus Vertrauen und klaren Regelungen setzen. Solche Richtlinien werden im letzten Kapitel des Reports als „Verbesserungsmöglichkeiten“ angesprochen.

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