Mein Tagesposting: Die liturgische Form bewahren

Von Monika Metternich
Tagesposting: Schutzraum für die Kinder Gottes
Foto: Archiv | Monika Metternich ist eine katholische Publizistin und Autorin.

Der Vorwurf, allzu konservativ zu sein, entsteht unter Katholiken vor allem, wenn es um die Liturgie geht. Hier soll es gar nicht um den Streit gehen, ob Hand- oder Mundkommunion die andächtigere Weise des Kommunionempfangs sei, und es soll auch keine Gegnerschaft zwischen „altem Ritus“ und „neuem Ritus“ aufgebaut werden. Auch die Gläubigen, die vor vielen Jahrzehnten angesichts der Umwandlung der „Weiber“ im Ave Maria in „Frauen“ um ein Haar ihren Glauben verloren hätten, sollen hier nicht als leuchtendes Beispiel konservativer Lebensart aufgeführt werden. Als „konservativ“ gilt jedoch heute oft schon, wer liturgische Formen wichtig findet, um Gott – wie das Wort „Gottesdienst“ schon sagt – in Gemeinschaft dienen zu können.

Als kürzlich eine Bekannte resigniert berichtete, wie verwirrt sie ihre letzte Sonntagsmesse hinterlassen habe, ging es um gar keine so großen Sachen: Das Schuldbekenntnis fiel aus, die Lesungen wurden ersetzt durch eine Betrachtung zum Hungertuch, garniert mit Stilblüten wie „Du bist der Himmel, der nach März riecht. Du bist der Weg, der das Weite sucht.“ Dass das Glaubensbekenntnis durch ein Lied ersetzt wurde, ist heute schon fast normal. Wenn es aber ein der Gemeinde gänzlich unbekanntes ist, wirkt das ebenso befremdlich wie kompliziert formulierte Antworten auf die Fürbitten, bei denen die Gemeinde, statt zu respondieren, verstummt. Und so fort. Zusammengefasst könnte man sagen: Sie fühlte sich nicht daheim in dieser Heiligen Messe. Und genau das kann auch ich aus unzähligen ähnlichen Erfahrungen bestätigen.

C.S. Lewis formulierte es einmal so: „Manche Geistliche scheinen anzunehmen, die Leute ließen sich in die Kirche locken, indem man den Gottesdienst noch kurzweiliger, verständlicher, länger, kürzer, schlichter oder verwickelter gestaltet.“ Neuerungen und Änderungen hätten aber bei vielen Gläubigen den Effekt, dass sie die volle Aufmerksamkeit auf den Gottesdienst lenkten. Lewis führte zum Vergleich an: Wer auf seine Schritte achte und sie zähle, könne noch nicht tanzen. Wer einzelne Buchstaben betrachte, noch nicht lesen. Und wer in der Messe – auch wenn er es inständig zu vermeiden trachtet – ständig innerlich „Was soll das schon wieder?“ oder „Wo ist denn die Lesung abgeblieben?“ oder „Wie war noch mal die Antwort auf die Fürbitten?“ oder „Kann ein Weg das Weite suchen?“ denkt, hat zwar dem Gottesdienst seine volle Aufmerksamkeit geschenkt. Aber über ihn – und zwar gleichermaßen kritisch oder interessiert! – nachzudenken ist eben nicht dasselbe wie Gott zu dienen. Ist es „konservativ“, sich zu wünschen, dass die tätige Teilnahme, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil als so wichtig erachtet hat, am sprichwörtlichen Gottes-Dienst gelingt? Diese braucht Praxis und setzt, genau wie das Tanzen und Lesen, Einübung und Gewohnheit voraus.

Das bedeutet nicht, dass „wir Konservativen“ liturgische Gourmets sein wollen, denen das Alte, Verfeinerte immer am besten „mundet“. Und auch nicht, dass wir alles Neue ablehnen. Gerade Sprache verändert sich so stark, dass eine sensible Angleichung zuweilen vonnöten ist, will man keine Miss- und Unverständnisse generieren. Wir bitten nur darum, die liturgische Form zu bewahren, die unsere weltliche Aufmerksamkeit loslassen und frei werden hilft zum wahren Gottes-Dienst.

 
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