Medienmenschen: Patrick Gruhn

Durch und durch katholisches TV. Von Josef Bordat
Patrick Gruhn ist Geschäftsführer der Kephas Stiftung gGmbH
Foto: privat

Herr Gruhn, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Wesentliches und tatsächlich Wahres herauszufinden und zu kommunizieren und es gleichzeitig so zu präsentieren, dass es in der medialen und nachrichtlichen Flut noch gehört wird. Eine weitere große Herausforderung ist es, Jugendliche zu erreichen. Auf welchem Kommunikationskanal muss ich aktiv sein, um die junge Generation auch mit Glaubensthemen zu erreichen?

Sehen Sie die Pressefreiheit in Gefahr? Wenn ja durch wen?

Die Pressefreiheit ist in verschiedenen Ländern in Gefahr – durch politische Systeme oder auch religiöse Mächte. Dabei müsste man Pressefreiheit erst einmal definieren. Ist Pressefreiheit nicht schon dort in Gefahr, wo ein Redakteur einen positiven Bericht über Menschen oder Organisationen verfassen möchte, der der Redaktion dann aber so nicht passt und der „umgeschrieben“ werden muss, damit er dem Mainstream gefällt?

Worüber berichten die Medien zu wenig?

Ich gebe Ihnen drei Beispiele: Mutige Eltern, die sich für ihr Kind entscheiden, trotz Armut, Not oder Behinderung, Ehepaare, die sich durch alle Wirren des Lebens über Jahre und Jahrzehnte die Treue halten und ihre Kinder zu guten und gläubigen Menschen erziehen und Menschen, die ihrer religiösen Berufung im Ordensleben oder Priestertum völlig unspektakulär oder gerade spektakulär treu sind und so Gott die Ehre erweisen. Leider sind solche positiven Dinge selten wirklich Bestandteil der Berichterstattung.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Solange schätzungsweise mehr als 80 Prozent der Journalisten – davon muss man beispielsweise in Deutschland ausgehen – einen politisch roten oder grünen Hintergrund haben, wird sich daran nicht wirklich etwas ändern. Es sei denn, man macht es wie k-tv und produziert durch und durch christliches und katholisches Fernsehen im Dienst der Glaubensvermittlung.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Der weltanschauliche Hintergrund ist die Brille, mit der der Journalist die Welt sieht. Davon kann man sich nicht befreien. Die aktuelle Berichterstattung über das Werbeverbot zur Abtreibung – § 219a StGB – ist ein gutes Beispiel dafür. Welche Medien berichten wirklich „unabhängig“ und schlagen sich nicht nur einfach auf die Seite der Abtreibungsbefürworter? Auch die unselige Diskussion über die geforderte Studie zu den Abtreibungsfolgen in Deutschland passt dazu. Wenn es wirklich um die Frauen ginge, dann würde auch geschrieben, dass das Geld gut investiert wäre.

 
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