Medienmenschen: Christen eine Stimme geben

Worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus? Die Realität so abzubilden, wie sie tatsächlich ist. Von Josef Bordat
Medienmenschen: Christen eine Stimme geben

Worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Die Realität so abzubilden, wie sie tatsächlich ist. Und zwar nüchtern und sachlich, wenn es um Beiträge im Nachrichten-Format geht. Im Kommentar hingegen gilt es, Dinge sorgfältig einzuordnen und dem Leser Hintergründe zur Entscheidungsfindung zu eröffnen, vor allem auch theologische und historische. Für Medien wie idea kommt hinzu, dass wir evangelischen und anderen Christen im deutschsprachigen Raum eine Stimme geben wollen.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Der Staat bedroht sie nicht. Was sich aber beobachten lässt: Medien, die weltanschaulich von der Mehrheitsmeinung abweichen, kriegen Gegenwind von gesellschaftlichen Institutionen. Jüngstes Beispiel: Die Kürzung des EKD-Zuschusses für idea. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass damit der Kurs von idea abgestraft werden sollte, der Fehlentwicklungen in Kirche und Gesellschaft aus christlicher Perspektive heraus stets klar benannt hat.

Worüber berichten die Medien in Deutschland zu wenig?

Zum einen über das Drama der vielen Abtreibungen und die Qualen, die viele Frauen später durchmachen, weil sie ihre Entscheidung bitter bereuen. Zum zweiten über das Leid der verfolgten Christen in weiten Teilen der Welt, das immer noch viel zu wenig im allgemeinen Bewusstsein ist. Und schließlich über die wachsenden Kirchen in Asien, Afrika und Südamerika, wo das Christentum boomt.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Eine große! Wer an keinen Gott glaubt, neigt oft zum Zynismus. Er läuft Gefahr, zynisch mit seinen Informanten, Quellen und Lesern umzuspringen. Für uns Christen muss klar sein, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Das sollte sich auch auf den Umgang miteinander auswirken. Berufliche Aufgabe eines Journalisten bleibt es dennoch, Dinge zu hinterfragen, kritisch nachzuhaken und nicht aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis Dinge unter den Teppich zu kehren. So versuchen wir bei idea zu arbeiten — aber eben ohne Überheblichkeit.

Sind sie selbst ein gläubiger Mensch?

Auf jeden Fall. Als sächsischer Lutheraner habe ich mir – im positiven Sinne – meinen kindlich-naiven Glauben bewahrt. Die Aussagen des Glaubensbekenntnisses sind für mich ausnahmslos wahr. Unser himmlischer Vater ist der Herr der Geschichte, der auch heute noch handelt. 1989 haben wir Deutschen das hautnah erlebt.

Matthias Pankau (41) ist Journalist und Pfarrer im Ehrenamt der sächsischen Landeskirche. Er wuchs in Leipzig auf, wo er 1989 mit den friedlichen Montagsdemonstrationen den Anfang vom Ende der DDR erlebte. Am 1.2. wird er als neuer Chefredakteur von Idea eingeführt.

 
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19.09.2021, 17 Uhr
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