Medien-ABC: B wie Blog

B wie Blog: Quelle der Verblödung?

Kaum jemand aus der Medienwelt ist heute noch ohne. Gemeint ist das „Blog“. Ein „Blog“ (Kurzwort für „Weblog“) ist ein öffentliches Tagebuch im Internet, das irgendwo zwischen einer „normalen“ Website und einem Nachrichtenticker angesiedelt ist. Zunehmend erfreut sich das Bloggen auch in der Kirche großer Beliebtheit. Es gibt Bischöfe, die bloggen, Priester, Ordensleute, aber vor allem auch Laien. Gemeinsam bilden sie eine „digitale Diözese“, die so genannte „Blogozese“.

Die katholischen Blogger begleiten kritisch und kreativ die Entwicklung ihrer Kirche sowie deren mediale und gesellschaftliche Rezeption. Vor allem in innerkirchlichen Debatten beziehen die Blogs engagiert Stellung. Blogger haben den Vorteil, unabhängig zu berichten und zu kommentieren. Als Produkte Einzelner sind die katholischen Blogs oft subjektiv, gehen aber weit über das klassische Anliegen eines Weblogs, „öffentliches Tagebuch“ zu sein, hinaus: Sie befördern die einschlägigen Debatten.

Zu besonderen Anlässen bilden sich auch Gemeinschaftsblogs, an denen die katholischen Blogger maßgeblich beteiligt sind, so etwa zum Jahr des Glaubens (2012/2013), als die „Blogozese“ mit dem dafür eigens eingerichteten Blog „Ja des Glaubens“ zahlreiche Impulse setzen konnte. Mehrmals erschien bereits ein gemeinsam von katholischen Blogs gestalteter Adventskalender.

Auch Treffen sich die Blogger regelmäßig in der „realen Welt“, um sich auszutauschen, auch auf internationaler Ebene: Der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel lud am 2. Mai 2011 nach Rom zu einem Treffen ein, um einen konkreten Dialog zwischen den Bloggern und Vertretern der Kirche zu fördern, Erfahrungen auszutauschen und die Ansprüche und Bedürfnisse dieser neuen Kommunikations- und Verkündigungsform kennenzulernen. An diesem ersten offiziellen internationalen Treffen nahmen 150 Blogger teil.

Wie viele katholische Blogger es insgesamt gibt, ist schwer zu sagen; es dürften im deutschsprachigen Raum etwa 350 bis 400 sein. Ihre genaue Zahl kennt niemand, ständig entstehen neue, aber genauso werden Blogs auch eingestellt. Die deutschsprachige „Blogozese“ ist Teil eines globalen Netzwerks katholischer Weblogs, die vornehmlich in englischer, französischer, spanischer und italienischer Sprache erscheinen.

Wie wird das Bloggen in der Kirche gesehen? Insgesamt sind die Blogs immer noch ein randständiges Phänomen; ihre Beiträge bleiben daher grundsätzlich unbeachtet. Doch die „Blogozese“ war immerhin schon mal Gegenstand einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit am Zentrum für angewandte Pastoralforschung (Bochum), vorgelegt von Anna Heiliger unter dem Titel „Das missionarische Potenzial der deutschsprachigen katholischen Bloggerszene“ (2015).

Für großes Aufsehen sorgte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, in einem Pressegespräch bei der DBK-Herbstvollversammlung 2015, als er – nach „fundamentalistischen“ Internet-Angeboten gefragt – sich abfällig über Blogs äußerte, indem er zu Protokoll gab, „Verbloggung“ führe manchmal auch zur „Verblödung“. In der „Blogozese“ wurde diese Einschätzung als unangemessene Pauschalkritik zurückgewiesen.

Das Beste ist, man macht sich selbst ein Bild über die Vielfalt in der „Blogozese“. „Die Tagespost“ stellt auf der Medienseite 22 immer mal wieder katholische Blogs vor. Denn sie gehören heute zur katholischen Publizistik wie Pfarrnachrichten, Kirchenzeitungen und Bistumspresse.

 
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