Maschinen beherrschen die Welt

Reine Action in einem post-apokalyptischen Szenario: Der Spielfilm „Terminator – Die Erlösung“

Noch keine zwei Wochen sind vergangen, seitdem zuletzt an dieser Stelle über Hollywoods Hang zu Fortsetzungen berichtet wurde („Nachts im Museum 2“, DT vom 28. Mai), und nun steht mit „Terminator – Die Erlösung“ wieder eine solche „Sequel“ ins Kino. Dass die Fortsetzung nicht unbedingt einen Qualitätsabfall gegenüber dem Original bedeuten muss, führten eindrucksvoll die zwei „Batman“-Filme „Batman Begins“ (DT vom 16.06.2005) und „The Dark Knight“ (DT vom 21.08.2008) vor, mit denen Regisseur Christopher Nolan eine festgefahrene Serie aus der Sackgasse herausholte. „The Dark Knight“ wurde nicht nur ein riesiger Kassenerfolg beschieden. Er gilt darüber hinaus als die beste Realverfilmung des beliebten Fledermaus-Comics.

„Terminator“ kam 1984 in die Kinos. Der geradlinig erzählte Actionfilm, bei dem James Cameron das Drehbuch schrieb und Regie führte, bot nicht nur Arnold Schwarzenegger seine Paraderolle, sondern basierte auf einem anregenden Gedankenspiel: Im Kampf zwischen Maschinen und Menschen im Jahre 2029 schicken die Maschinen einen „Terminator“ genannten Killer-Roboter (Arnold Schwarzenegger) in die Vergangenheit (1984), um zu verhindern, dass ihr Hauptfeind John Connor überhaupt geboren wird. Der Terminator soll Johns Mutter Sarah Connor töten, ehe sie mit John schwanger wird. Als John Connor von diesen Plänen erfährt, beordert er ebenfalls einen Menschen ins Jahr 1984, um seine Mutter zu beschützen. Kyle Reese nimmt die Beschützerrolle so ernst, dass er der Vater von John Connor wird.

Dem Spiel mit den Zeitebenen und mit dem Paradoxon, dass jemand die Voraussetzung für seine eigene Existenz dadurch schafft, dass er seinen künftigen Vater in die Vergangenheit entsendet, lag nicht nur das wesenseigene Science-Fiction-Sujet zugrunde, ob die Gegenwart durch eine Zeitreise verändert werden kann. Mit solchen Szenarien soll die Frage veranschaulicht werden, inwieweit der Mensch sein eigenes Schicksal zu beeinflussen in der Lage ist.

Eigentlich war „Terminator“ ein kleiner Film mit einem bescheidenen Budget von 6,4 Millionen Dollar, der aber mehr als 78 Millionen Dollar einnahm. Deshalb wunderte es kaum, dass 1991 James Cameron eine Fortsetzung drehte: „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“. Das Drehbuch variierte zwar die Handlung, aber im Grunde wurde darin mit viel größerem Budget („Terminator 2“ war der erste Film, dessen Herstellungskosten die 100 Millionen Dollar-Grenze durchbrachen) die gleiche Zeitreise- sowie Maschinen gegen Menschen-Geschichte erzählt. „Terminator 2“ wurde ein noch größerer Kassenerfolg (mehr als 519 Millionen Dollar Einnahmen) als der erste „Terminator“-Film. Als Jonathan Mostow im Jahre 2003 eine weitere Fortsetzung „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ realisierte, wurde die Idee mit den zeitreisenden Terminatoren ausgereizt.

Deshalb kehren die Drehbuchautoren John Brancato und Michael Ferris, die bereits das Skript zu „Terminator 3“ geschrieben hatten, für den nunmehrigen „Terminator 4“ zum Ursprung zurück. Dieser liegt freilich in der Zukunft – im Jahr 2018, neun Jahre vor der Zeitreise des Terminators und von Kyle Reese, als der Supercomputer Skynet eine nukleare Katastrophe entfesselt hat, um die Menschheit auszurotten. John Connor (Christian Bale) ist noch nicht der unumstrittene Anführer des menschlichen Widerstandes, aber er befindet sich bereits auf der Suche nach Kyle Reese (Anton Yelchin), der zu diesem Zeitpunkt noch ein Teenager ist. Die Filmemacher gehen offensichtlich davon aus, dass der „Terminator 4“-Zuschauer den Kern der „Terminator“-Saga kennt – deshalb die ausführliche Inhaltsangabe zu Beginn dieser Besprechung.

Wirklich neu in „Terminator 4“ ist lediglich die Figur des Marcus Wright (Sam Worthington), ein im Jahre 2003 zum Tode Verurteilter, der von einer Wissenschaftlerin (Helena Bonham Carter) in einen Mensch-Maschinen-Hybrid verwandelt wurde. Fünfzehn Jahre später wacht er wieder auf, ohne zu wissen, was für eine Rolle er in der post-apokalyptischen Welt spielen soll.

Die verworrene Handlung von „Terminator 4“ kleidet Regisseur McG in ein düsteres Produktionsdesign. Er reichert sie vor allem mit den Mitteln des Actionfilms an: Eine schier endlose Aneinanderreihung von Verfolgungsjagden wechselt sich mit allerlei Materialschlachten ab. Den Filmemachern gelingen zwar atemberaubende Kamerafahrten und hin und wieder elegante, an Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnernde Sequenzen. Gegen die Wucht der Explosionen und Schießereien kommen aber die Schauspieler kaum an, so dass der Zuschauer in keinem Augenblick mit den Figuren mitfühlt. Außerdem kommt „Terminator – Die Erlösung“ in der Grundfrage Freiheit gegen Determinismus keinen einzigen Schritt weiter als der erste „Terminator“ 1984.

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