Gender

LGBTIQ-Aktivismus gefährdet die Kunstfreiheit

Gender überlagert die Freiheit der Kunst: Die LGBTIQ-Lobby in den USA und eine Organisation des Europarates in Europa wollen eine massive Präsenz von diversen Personen in den Medien erreichen .
Filmszene aus der Netflix-Serie „Pose“, die ausschließlich im „Trans-Milieu“ spielt .
Foto: Serienjunkies | Die LGTBQ-Lobby fordert, dass bis 2025 zwanzig Prozent der Film- und Serienrollen mit LGBTIQ-Charakteren besetzt werden sollen. Die Netflix-Serie „Pose“ spielt ausschließlich im „Trans-Milieu“.

Zu den neuen Begriffen, die in letzter Zeit in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben, gehört wohl an erster Stelle „Diversität“. In der Filmwelt ging die US-amerikanische Filmakademie, die alljährlich den Oscar verleiht, diesbezüglich voran: Die Filme, die zum Hauptpreis einer Oscarverleihung ab 2024 vorausgewählt werden, müssen wenigstens zwei „Diversitätskriterien“ erfüllen: Mindestens eine Haupt- oder Nebenfigur muss einer anderen als der weißen Ethnie angehören. Die „positive“ Diskriminierung muss außerdem auch hinter der Kamera zutreffen, etwa beim Produktions- und Kreativteam.

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Die neuen Kriterien werden ebenso erfüllt, wenn ein Film insgesamt von einer „unterrepräsentierten Gruppe“ handelt – etwa von Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderung oder auch LGBTIQ-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle, Queere). Außerdem will die US-amerikanische Filmakademie Seminare über diesbezügliche „unbewusste Voreingenommenheit“ für Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler anbieten.

Dies mag als Reaktion auf die „MeToo“- und die „Black Lives Matter“-Bewegungen angesehen werden, hatte gerade der sogenannte „Weinstein-Skandal“ – der zur „MeToo“-Bewegung führte – doch insbesondere in Hollywood für ein regelrechtes Erdbeben gesorgt. Gegen den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein wurden ab Oktober 2017 Vorwürfe laut, er habe jahrzehntelang Frauen aus der Filmindustrie sexuell belästigt und missbraucht.

LGBTIQ betreibt Agendasetting

Dahinter stehen indes ebenso die Bemühungen der LGBTIQ-Lobby, für mehr „Sichtbarkeit“ von Lesben, Schwulen, Transgender, Bisexuellen, Intersexuellen und Queers in den Medien zu sorgen. Hier ist insbesondere die „Non-Profit-Organisation“ GLAAD zu nennen, deren Name ein Akronym („Gay & Lesbian Alliance Against Defamation“, zu deutsch „Schwul-lesbische Allianz gegen Diffamierung“) ist. Sie bezeichnet sich selbst als „weltweit größte Organisation für die Interessenvertretung von LGBTIQ-Personen in den Medien“. Ihr Motto: „Das Gespräch bestimmen. Das Narrativ der Medien gestalten. Die Kultur verändern. Das ist GLAAD bei der Arbeit“ („Leading the conversation. Shaping the media narrative. Changing the culture. That's GLAAD at work“).

In ihrem Bericht „Where We Standing on TV“ für 2019/2020 forderte deren Präsidentin Sarah Kate Ellis die Online-Branche auf, bis 2025 sollen „zwanzig Prozent der regulären Seriencharaktere in Primetime-Fernsehserien LGBTIQ“ sein. Alle Plattformen sollen „dafür sorgen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre die Hälfte der LGBTIQ-Charaktere auf jeder Plattform ,People of Color' sind.“

„Das Zahlenwerk, mit dem GLAAD ihre Forderungen untermauert,
stimmt jedoch nicht mit der Wirklichkeit überein“

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Über die Bedeutung der Medien für sie führte Ellis aus: „Das ,Public Religion Research Institute' hat herausgefunden, dass weniger als ein Viertel der Amerikaner einen engen Freund oder ein Familienmitglied haben, das transgender ist.“ Deshalb wisse die „überwältigende Mehrheit der Amerikaner über Trans-Menschen nur das, was sie im Fernsehen, in Filmen und in den Nachrichten sehen.“

Im Bericht 2020/2021 stellte Megan Townsend, GLAADs Direktorin für „Entertainment Research & Analysis“ fest, dass „die LGBTIQ-Integration in der Branche“ noch immer von wenigen angeführt würde. Deshalb „muss eine Priorität sein, nuancierte und vielfältige LGBTIQ-Charaktere im Jahr 2021 und darüber hinaus einzuführen.“ Das Zahlenwerk, mit dem GLAAD ihre Forderungen untermauert, stimmt jedoch nicht mit der Wirklichkeit überein. In einem Beitrag für die evangelikale Online-Plattform „Decision“ vom 12. November 2019 werden die Taschenspielertricks von GLAAD entlarvt: Der Bericht „Where We Standing on TV“ für 2019/2020 zitiert eine von Harris Poll im Auftrag von GLAAD durchgeführte Online-Umfrage unter 2.037 Erwachsenen aus dem Jahr 2017.

Die Lobbyisten „GLAAD“ tricksten bei der Umfrage

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Laut GLAAD identifizierten sich zwölf Prozent der Befragten als LGBTIQ, wobei unter den 18 bis 34-Jährigen diese Zahl zwanzig Prozent betrage. „Decision“ dazu: „Eine ebenfalls 2017 von Gallup unter 340.000 Menschen durchgeführte Umfrage zeigte, dass sich nur 4,5 Prozent der US-Bevölkerung selbst als LGBTIQ identifizieren“. Diese Zahl sei den Ergebnissen aus früheren Umfragen zu diesem Thema „viel näher“.

Daraus folge, so „Decision“, dass die Forderungen von GLAAD zu einer Überrepräsentation von LGBTIQ-Charakteren führen würden: Sollten zwanzig Prozent der Fernsehfiguren solche Charaktere sein, so „würden LGBTIQ-Fernsehfiguren die tatsächliche LGBTIQ-Bevölkerung um vierzig Prozent überrepräsentieren“ – selbst wenn die Rechnung nach den eigenen GLAAD-Daten erfolgt. Werden jedoch die Gallup-Daten zugrunde gelegt, „würden LGBTIQ-Charaktere im Fernsehen die tatsächliche LGBTIQ-Bevölkerung um 77,5 Prozent übersteigen, was eine absurde Überrepräsentation bedeutet.“

Auch in Europa gibt es ähnliche Bestrebungen. Die zum Europarat gehörende, aus 41 europäischen Mitgliedstaaten (plus Europäische Union) bestehende „Europäische Audiovisuelle Informationsstelle“ hat ihren aktuellen „Iris“-Bericht vorgelegt, bei dem es um die Fragen geht: „Was können wir tun, um D&I (Diversität und Inklusion) in der Film- und Fernsehproduktion zu verbessern? Und wie sieht es mit der On-Screen-Repräsentation der Gesellschaft im Film, in Fernsehserien und anderen audiovisuellen Inhalten aus?“

Der Druckmittel der „Diversen“: öffentliche Fördergelder

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Unter den „rechtlichen Maßnahmen zur Förderung von Diversität und Inklusion“ zählt der Bericht die Auferlegung von Verpflichtungen oder auch „ein sehr konkretes und effizientes Mittel für die Förderung von Diversität und Inklusion im audiovisuellen Sektor“: Öffentliche Fördermittel sollen von „der Erfüllung von Gleichstellungs- und Diversitätskriterien abhängig“ sein.

Dass die Vergabe von Fördermitteln eine „effiziente“ Form ist, die Auswahl von Filmstoffen zu beeinflussen, und damit die künstlerische Freiheit der Filmschaffenden einzuschränken, stellt die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unter Beweis. Sie verpflichtet die Antragsteller dazu, „einen Fragenkatalog zur Diversität zu beantworten“.

Solche Verpflichtungen bergen jedoch die Gefahr, dass – um die Bedingungen für die Vergabe von Fördermitteln zu erfüllen, oder aber um Sanktionen zu vermeiden – etwa LGBTIQ-Figuren einen größeren Raum eingeräumt wird, als in der Wirklichkeit.

Die Freiheit der Kreativen wird massiv behindert

Die Kehrseite der Medaille nimmt sich nicht besser aus: Je genauer beispielsweise der Prozentsatz von LGBTIQ-Rollen oder von behinderten Menschen vorgeschrieben wird, die an der Herstellung eines Filmes beteiligt sein sollen, desto eingeschränkter die Freiheit der Kreativen und der Produktionsfirmen bei der Entwicklung von Filmstoffen, zumal die Einhaltung solcher Quoten durch damit einhergehende „Monitoring“ und „Überwachung“ sichergestellt werden soll.

Wird ein solches System bis zum Ende durchgesetzt, so spricht es der viel gelobten Freiheit der Kunst Hohn, die etwa in der Beschreibung des „Preises der deutschen Filmkritik“ zum Ausdruck kommt: Er richte sich „ausschließlich nach künstlerischen Kriterien“. Denn am Ende eines solchen Prozesses werden die künstlerischen Kriterien von den „Diversitäts“-Geboten und -Verboten nicht nur überlagert, sondern sogar verdrängt.

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