Leben in der digitalen Welt

Wie Kinder und Jugendliche die modernen Medien nutzen Von Carl-H. Pierk

Drei von vier Kindern (4,7 Millionen) verwenden zu Hause einen Computer und mehr als 67 Prozent (4,2 Millionen) waren schon einmal Online. 28 Prozent dieser User sind sogar täglich im Internet unterwegs. Das geht aus der soeben veröffentlichten „Kids-Verbraucher-Analyse 2010“ (KidsVA) des Egmont Ehapa Verlags hervor. Die Untersuchung liefert seit 17 Jahren detaillierte und umfangreiche Informationen zum Medien- und Konsumverhalten der sech- bis 13-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Moderne Medien sind demnach zu einem normalen Bestandteil des Alltags von Kindern geworden. Noch 2002 besaßen lediglich 35 Prozent der Kinder ihren eigenen Computer, 2010 sind es 53 Prozent. Mehr Kinder, die einen Computer besitzen oder nutzen, gibt es vor allem unter den Sieben- bis Neunjährigen. Innerhalb eines Jahres stieg deren Zahl um durchschnittlich 16 Prozent. Die Zahl der Internetnutzer unter den Sechs- bis Neunjährigen stieg von 35 auf 46 Prozent, die unter den Zehn- bis 13-Jährigen um drei auf insgesamt 87 Prozent. 36 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe verbringen täglich Zeit online – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bei den Jüngeren bemerkten die Forscher einen Anstieg, allerdings nur um drei auf insgesamt zwölf Prozent.

29 Prozent der Kinder gaben an, die Zeit vor dem Computer für die Schule zu nutzen, etwa jedes vierte Kind sagte, es würde chatten und jedes fünfte, es würde E-Mails verschicken. Die meisten Eltern versuchen, das Onlineverhalten ihrer Kinder zu kontrollieren: 87 Prozent der Eltern erklärten, sie schränkten den Zugang zu bestimmten Internetseiten ein, drei von vier Vätern und Müttern wollen dafür sorgen, dass ihre Kinder nicht zu viel Zeit online verbringen, und 62 Prozent sagten, sie seien immer dabei, wenn ihre Kinder das Web besuchten.

Doch auch andere digitale Geräte sind beliebter geworden: Noch 2003 besaßen 36 Prozent der befragten Kinder Mobiltelefone, im vergangenen Jahr waren es 69 und aktuell 73 Prozent.

Immer mehr Technik in den Kinderzimmern

Ein Fünftel der 6- bis 9-Jährigen hat ein eigenes Handy. Die Zahl der Nutzer von Spielekonsolen unter den Sechs- bis Neunjährigen stieg im vergangenen Jahr um elf auf 35 Prozent und unter den Zehn- bis 13-Jährigen um fünf auf 51 Prozent. Das Fernsehgerät spielt unter den elektronischen Geräten nach wie vor die wichtigste Rolle im Leben der Kinder. Unter den Jungen ist Fernsehen die beliebteste Freizeitbeschäftigung, bei den Mädchen kommt es gleich nach dem Treffen mit Freunden.

Dass Kinder vermehrt das Internet nutzen bedeutet aber keinesfalls, dass das traditionelle Lesen aus dem kindlichen Alltag gedrängt wird. Nur 18 Prozent der Jungen geben an, dass sie in ihrer Freizeit häufig Bücher lesen. „Damit landen die Bücher bei unseren 36 abgefragten Freizeittätigkeiten auf Rang 20 – Zeitschriften rangieren mit 24 Prozent etwas besser“, sagt Ralf Bauer, Leiter des Bereichs Markt-/Mediaforschung bei Egmont MediaSolutions. „Nimmt man die Jungen hinzu, die sagen ,Ich lese Bücher ab und zu‘, kommt man auf 77 Prozent, und die Bücher rücken auf Rang 13 vor.“ Insgesamt geben 95 Prozent der Kinder an, Bücher oder Zeitschriften in ihrer Freizeit zu lesen.

Die zunehmende technische Ausstattung der Kinderzimmer zeugt der Untersuchung zufolge davon, dass die Kinder trotz aller weltweiten wirtschaftlichen Turbulenzen gut durch die Finanzkrise gekommen sind. Ihr Markenbewusstsein sei sehr ausgeprägt, denn die Marken böten den Kindern in der zunehmend komplexen Welt Orientierung. Ihr Einfluss auf familiäre (Kauf-)Entscheidungen sei groß und die Eltern kämen den Wünschen des Nachwuchses weitgehend nach. Ralf Bauer, Leiter Markt-/Mediaforschung beim Egmont Ehapa Verlag: „Wir sehen insbesondere bei sechs- bis neunjährigen Kindern einen beeindruckenden Trend zu wachsender Selbstbestimmung und Einflussnahme auch auf familiäre Entscheidungen.“ Die Studie wurde in diesem Jahr einer methodischen Überholung unterzogen. Kinder und Eltern sind mit Hilfe eines Notebooks mündlich befragt worden. Zudem ändert sich die Grundgesamtheit: Sie wurde um deutschsprachige Ausländer erweitert und bildet somit umfassender die Gesamtheit der jungen Zielgruppen in Deutschland ab.

Der elektronische Berichtsband zur KidsVA 2010 kann gegen eine Schutzgebühr von 99,– Euro unter www.egmont-mediasolutions.de bestellt werden.

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