"Lady Bird"

Reifung einer rebellischen jungen Frau: Der Film "Lady Bird" erzählt eigentlich Bekanntes, aber auf eine frische Art, die etliche politisch korrekte Vorurteile über Bord wirft. Von José Garcia
Filmtipp: "Lady Bird" - Filmszene mit Saoirse Ronan und Laurie Metcalf
Foto: Universal

„Wer über den Hedonismus in Kalifornien redet, hat noch nie Weihnachten in Sacramento erlebt“. Das Zitat aus der Feder der in eben dieser Stadt geborenen Schriftstellerin Joan Didion, das Drehbuchautorin und Regisseurin Greta Gerwig ihrem Film voranstellt, gibt den herrschenden ironischen Ton im Spielfilm „Lady Bird“ vor. Die 17-jährige Christine McPherson (Saoirse Ronan), die sich „Lady Bird“ nennt, besucht eine katholische Schule in ihrer Heimatstadt. Sie möchte endlich aus der Stadt, um an einer Universität an der Ostküste zu studieren. Dadurch würde sie auch der Enge ihres Elternhauses, insbesondere der Obhut ihrer allzu fürsorglichen Mutter (Laurie Metcalf) entfliehen. Ihre beste Freundin Julie (Beanie Feldstein) ist ihr auch irgendwann einmal zu wenig glamourös.

Den Trailer zum Film sehen Sie hier:

 

Was Greta Gerwig – vielleicht mit autobiographischen Elementen? – erzählt, ist nichts Neues, „Coming-of-Age“-Geschichten sind ein beliebtes Genre, insbesondere im US-amerikanischen Film. Neu ist allerdings die frische Art, wie die Regisseurin die Handlung entwickelt, und dabei etliche postmoderne, politisch korrekte Ansichten behandelt. Christine ist nicht einmal mit ihrem Namen glücklich. Sie schimpft dauernd auf ihre Mutter, auf die ihrer Ansicht nach bigotte Schule – obwohl der Film zwei Nebenfiguren, einen Priester und Chorleiter sowie die Schulleiterin, eine Ordensschwester, als freundliche, hilfreiche Menschen zeichnet –, auf die dickliche Freundin, auf die langweilige Stadt ... Einige unbeholfene Erfahrungen machen sie nicht gerade glücklich, ja sie beschleicht das Gefühl, dass die Versprechungen eines „selbstbestimmten Lebens“ ziemlich leer sind. Das wird im kurzen, aber aussagekräftigen Epilog deutlich. Darüber hinaus bietet „Lady Bird“ eine der interessantesten Mutter-Tochter-Beziehungen der letzte Filmjahre. Besonders hervorzuheben ist außerdem die großartige schauspielerische Leistung, die Saoirse Ronan abliefert. Wenn die Regisseurin behauptet, sie sei die beste Schauspielerin ihrer Generation, übertreibt sie kein bisschen.

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