Kurz vorgestellt

Kreuze, Buchdeckel für Evangeliare, Messbecher: Der prächtige Band führt in das Leben und Werk von Schwester Lioba Munz ein. Äußerst kunstvoll sind etwa die vergoldeten Kreuze gestaltet, mit Emaillearbeiten und polierten Edelsteinen. Die Verwendung der Materialien ergänzt sich perfekt, ihre Kunst ist Ausdruck höchster Schönheit. Von großer Eindringlichkeit ist auch der Ausdruck der Heiligendarstellungen.

In Bingen wurde die spätere Ordensfrau 1913 geboren. Sie wuchs in einer protestantischen Familie auf und entdeckte schon im Alter von fünf Jahren ihre Liebe zur Musik. Sie lernte Geige und später Cello zu spielen. Offenbar war sie durch das nahe gelegene Benediktinerkloster Eibingen bei Rüdesheim auch schon früh vom Klosterleben fasziniert. Zuweilen sei sie, so wird berichtet, als Jugendliche über die Klostermauern geklettert, um auf das Gelände des Benediktinerklosters zu gelangen. Bis 1929 besuchte sie Kurse der Kunstgewerbeschule in Mainz. Nach kurzer Sympathie mit den Kommunisten im Angesicht der weit verbreiteten Verarmung nach der Weltwirtschaftskrise konvertierte sie am 22. September 1933 zum katholischen Glauben, gegen den Willen ihrer Eltern. Lotte Munz, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, hatte die Absicht, in das Frauenkloster Abtei zur heiligen Maria in Fulda einzutreten. Mit 21 Jahren verließ sie das elterliche Haus: „Es hat Mut verlangt“, sagte sie später, „den hatte ich ja eigentlich, und den Blick auf den geraden Weg, den ich für mich hatte und der mich getragen und gehalten hat – bis heute.“ Sie galt als leidenschaftlich im Glauben, war froh und aufgeschlossen. Und sie konnte sich der Kunst widmen, 1939 baute sie in Fulda die Kunstwerkstätte auf. In der klösterlichen Gemeinschaft fand sie Rückhalt und die Möglichkeit, zu gestalten.

Zunächst waren es keramische Arbeiten, die Schwester Lioba bis 1949 anfertigte. Aus dieser Zeit ist nicht viel überliefert. In der ehemaligen Werkstatt, einem erhaltenen Fachwerkhaus in Fulda, hat sie sich an griechischen Vasen orientiert und die Ornamente mit Jugendstilmustern oder idealisiert dargestellt. Ihr Klosterleben war außergewöhnlich: Sie durfte das Gelände in Zivilkleidung verlassen, klassische Konzerte besuchen und einen Hund halten. Als Ordensfrau war sie natürlich den benediktinischen Regeln verpflichtet. Als Repräsentantin der Klosterkunst wird sie im Band „als eine Art ,Außenministerin‘ der Abtei“ bezeichnet, auch im Kloster selber nahm sie an Verhandlungen über Restaurierung und Finanzierung teil. Den Kunstpreis der Stadt Fulda erhielt sie 1986.

Wunderschön und detailliert sind die Werke im Band dargestellt, die in Kirchen zu bestaunen sind. Eindrucksvoll sind auch ihre Flügelaltäre, insgesamt große Emaillearbeiten. Der früheste von 1952 in Bochum-Weitmar mit der Schutzmantelmadonna strahlt in den Farben Gold, Rot und Blau, aber auch in Köln, Mainz, Naumburg oder Speyer ist ihre Kunst Teil des sakralen Lebens geworden. Alexander Riebel

Themen & Autoren

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann