Kurz Vorgestellt

Die französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts ist längst zur Legende geworden. Zu ihrem Erbe zählen Menschenrechte, Demokratie und der Ausspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, aber auch die Erinnerung an den Terror der öffentlichen Hinrichtungen mit der Guillotine. Seit über 200 Jahren liefern die Ereignisse der Zeit ab 1789 Material für historische Romane. Nun hat sich die britische Schriftstellerin Hilary Mantel mit ihrem Roman „Brüder“ dieses Themas angenommen.

Brüder im eigentlichen Sinne sind die drei Hauptfiguren des Romans nicht. Aber so wie Mantel das Leben der drei Revolutionäre Camille Desmoulins, Georges Danton und Maximilien Robespierre nachzeichnet, sind sie fast so eng verbunden wie Geschwister. In ihrem Vorwort betont Hilary Mantel, dass sich ihr Roman „eng an die historischen Tatsachen anlehnt – sofern diese Tatsachen feststehen, was nur bedingt der Fall ist“.

Was nicht bekannt ist, ergänzt Mantel so geschickt, dass die Grenzen zwischen historischer Nacherzählung und literarischer Schöpfung praktisch verschwinden. Robespierre stellt sich mehr und mehr als die wichtigste Kraft im Ränkespiel heraus. Zwar können Desmoulins und Danton noch spotten, Robespierre wolle sich zur Gottheit der Revolution machen, sie erkennen aber auch die Gefährlichkeit solchen Denkens. Und wer sich verdächtig macht, der ist im Paris des Jahres 1794 dem Tod auf der Guillotine geweiht.

Mit seinen 1 100 Seiten ist „Brüder“ extrem lang geraten. Dennoch gelingt es Mantel, in „Brüder“ den Zeitgeist der französischen Revolution überzeugend zu vermitteln. Axel knönagel

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