Kurz vorgestellt

Was bleibt einem Atheisten noch übrig, wenn er neben dem Glauben auch die Vernunft nicht versteht? Diese Frage drängt sich bei der Lektüre des Buchs „Leibniz war kein Butterkeks – Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur“ auf, das der Atheist Michael Schmidt-Salomon als Gesprächsband mit seiner 21 Jahre alten Tochter Lea verfasst hat. Die Tochter fragt, der Vater antwortet. Die beiden möchten „althergebrachten Glaubensrezepten“ nicht mehr blind vertrauen, denn „Nachdenken ist nicht nur vernünftiger als Nachbeten, es macht auch vielmehr Spaß“, meinen die Autoren.

Der Spaß bei der Lektüre vergeht dann aber schnell, wenn gleich zu Beginn des Buches nur Kant nachgeahmt wird. Wie er fragen auch die Autoren, ob die Dinge so, wie sie uns erscheinen, auch in Wirklichkeit sind. Schmidt-Salomon erklärt seiner Tochter, dass wir etwa ein Sofa nur mit unseren Tastsinnen wahrnehmen können, aber nicht wissen, wie es an sich ist. Und weil wir die Wirklichkeit nicht in ihrem Ansichsein erkennen würden, ist es nun der einfachste Weg, zu sagen, man könne keine endgültigen Aussagen machen. Bei Kant, Hegel und vielen anderen ging es aber nie um die Frage der Abhängigkeit der Welt von der Wahrnehmung, sondern von der Vernunft, was einen erheblichen Unterschied ausmacht. Aber auf dieser simplen Grundlage sprechen die Beiden dann über die Existenz Gottes. Und da zieht sich Schmidt-Salomon nun aus der Affäre, indem er über Gott sagt: „Mir ist völlig unklar, was sich hinter diesem Begriff verbirgt“, weil jeder eine andere Vorstellung habe. Aber würde der Atheist doch in Begriffen denken, wie es die Philosophen immer getan haben, dann würde er leicht merken, dass man mit dem „Ansichsein“ nicht Gott aushebeln kann – auch Hegel etwa spricht vom Ansichsein, aber bei ihm ist die Philosophie selbst der Gottesbeweis. Den Gipfel der Unerträglichkeit erreicht das Buch mit der Aussage, dass Gott die Welt verpfuscht habe und „zum Ausgleich für den verursachten Schaden“ seinen Sohn an das Kreuz nageln ließ. Wer sich aber auf diesem Niveau der Gottesfrage nährt, dem wird die Religion verschlossen bleiben. Alexander Riebel

Themen & Autoren

Kirche