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Kulturinvestments lohnen sich doppelt

Für Kulturliebhaber kann es interessant sein, in Bücher und Musikinstrumente zu investieren, um damit dem Gemeinwohl zu dienen.
Kaum ein Instrument ist so teuer wie die echte Stradivari.
Foto: via imago-images.de (www.imago-images.de) | Kaum ein Instrument ist so teuer wie die echte Stradivari.

Elvis Presleys Gitarre für 270.000 US-Dollar, Eric Claptons Gitarre „Blackie“ für 950.000 US-Dollar, John Lennons Klavier für 2,1 Millionen US-Dollar und seine Gitarre für 2,4 Millionen US-Dollar: Instrumente bekannter Künstler erzielen auf Auktionen häufig hohe Preise bei wohlhabenden Sammlern. Aber wer meint, diese Summen seien bereits Spitzenwerte, sieht sich leicht getäuscht: Denn während man die Modelle von Elvis Presley und Co. gegebenenfalls ohne Historie nachkaufen kann, ist das bei Instrumenten, deren Erbauer schon lange tot sind und die deshalb definitiv Einzelstücke sind, definitiv nicht möglich. Daher erreichen Streichinstrumente des italienischen Geigenbaumeisters Stradivari, aber auch seines Zeitgenossen Guarneri del Gesù zum Teil astronomische Preise auf Versteigerungen. Platz 1 der teuersten Geigen der Welt belegt die 1721 hergestellte „Lady Blunt“ mit einem Verkaufspreis von fast 16 Millionen US-Dollar im Jahr 2011.

Streichinstrumente als lukrative Investments

Generell ist der weltweite Markt für Musikinstrumente wie Gitarren, Klaviere, Streichinstrumente, Schlagzeug und Perkussionsinstrumente sehr attraktiv. Er belief sich 2022 auf einen Wert von 2469,93 Millionen US-Dollar, die prognostizierte jährliche Wachstumsrate von 4,56 Prozent lässt auf eine zukünftige Expansion schließen. Bis 2030 wird erwartet, dass der globale Markt für Musikinstrumente einen Wert von 3227,79 Millionen US-Dollar erreichen wird. Christian Reister von Violin Assets aus Frankfurt am Main vermittelt seit vielen Jahren historische und neue Streichinstrumente als Sachwerte-Investments: „Nur erstklassige Streichinstrumente sind eine renditestarke Anlageklasse und der lukrativste Teil des Instrumentenmarktes: Laut der Taxe der Streichinstrumente von Albert Fuchs haben die Verkaufspreise seit der ersten Auflage 1907 einen durchschnittlichen Wertzuwachs zwischen fünf bis acht Prozent erreicht. Spitzeninstrumente können sogar zweistellig pro Jahr wachsen.“

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Aber wer kann sich einen solchen Kauf leisten? Die Preise für historische Streichinstrumente reichen von etwa 150.000 Euro bis in den (teilweise zweistelligen) Millionenbereich. Daher empfiehlt Christian Reister vor allem das Investment in neue Instrumente. „Diese Stücke aus italienischen Meisterwerkstätten kosten ab zwischen 50.000 und 90.000 Euro und sind noch knapper. Ein Geigenbauer erschafft pro Jahr in der Regel zwischen vier und acht Instrumente. Wer ein solches Streichinstrument erhalten kann, gehört als Investor und Musiker zu einem exklusiven Kreis.“

Christian Reister betont dabei eine besondere Zielgruppe: „Streichinstrumente als Investition wecken besonders das Interesse von Mäzenen und Stiftungen, die den Bereich Kunst und Kultur fördern möchten. Dabei sind diese Investments unkorreliert zu anderen Anlageklassen, was bedeutet, dass beispielsweise Schwankungen an den Börsen sich nicht auf den Wert von Streichinstrumenten auswirken.“ Für den Anlageexperten steht daher das Schlagwort „Mission Investment“ im Fokus. Diese Investitionen sollen finanzielle Renditen erzielen und gleichzeitig sozialen, ökologische oder kulturelle Ziele fördern. Wer in ein wertvolles Streichinstrument investiert, kann dieses langfristig einem talentierten Musiker überlassen, um sowohl die künstlerische Ausbildung zu unterstützen als auch die kulturelle Tradition dieser Musikinstrumente zu bewahren. Das Investment hat auch steuerliche Vorteile. Die mäzenatische Überlassung erfolgt in der Regel kostenfrei, sodass der Verkauf der Instrumente nach einer Haltefrist von einem Jahr nicht der Einkommensteuer unterliegt und bei der Weitergabe keine Erbschaft- und Schenkungsteuer fällig wird.

Mäzenatisches Kulturinvestment ist wichtig

Die 19-jährige Violinistin Anne Sophie Luong aus Bad Homburg gehört zu den Künstlern, die durch einen Mäzen ein hochwertiges Streichinstrument erhalten hat. Sie gewann bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen und studiert bei dem italienischen Solisten und Musikprofessor an der Musikhochschule Mannheim, Marco Rizzi und spielt aktuell auf einer zeitgenössischen Geige von Luca Salvadori. „Mäzenatische Arbeit in der Musikbranche hat seit jeher eine große Bedeutung, vor allem für Musiker, deren Entwicklung von der Qualität und dem Klang der jeweiligen Instrumente abhängig ist. Bei meiner Violine unterstützt mich finanziell die Hermann und Dr. Irmgard Neumann Stiftung beziehungsweise die Berner Stiftung, die mich bereits seit meiner Schulzeit an der Schillerschule in Frankfurt am Main großzügig gefördert hat. Dadurch kann ich mich voll auf meine Musik und Weiterentwicklung konzentrieren.“ Christian Reister hatte den Kontakt zwischen der fördernden Stiftung, dem Eigentümer des Instruments und der Künstlerin vermittelt. Mittlerweile hat er mit „Instrumentum“ seine eigene Stiftung gegründet und ermöglicht qualifizierten Musikern durch Spenden und Zustiftungen den Zugang zu erstklassigen Streichinstrumenten.

Auch der Markt mit seltenen Büchern boomt, Auktionspreise von mehr als 100.000 US-Dollar sind keine Seltenheit. Für Experten sind Investments in wertvolle Bücher daher ein guter Baustein zur Diversifikation eines Anlageportfolios – wenn man es richtig macht. Weltweit erzielten seltene Sammelbücher (einschließlich Bücher, Karten und Manuskripte) bei Auktionen im Jahr 2022 einen Umsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar, eine deutliche Steigerung im Verhältnis zum Umsatz von 1,15 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021, als sich der Markt im Vergleich zu vor drei Jahren verdoppelte hatte, so der Buchexperte Bruce McKinney. Die Kernfrage ist: Was macht ein Buch selten? Der offensichtlichste Grund ist, dass es nur wenige Exemplare des Buches gibt, wobei Erstausgaben oft am begehrtesten sind. Ein Buch kann auch selten sein, wenn es von historischer Bedeutung ist, eine wichtige wissenschaftliche Entdeckung enthält oder mit einer berühmten Person in Verbindung steht. Weitere Faktoren, die zur Seltenheit eines Buches beitragen können, sind sein Alter, Zustand und die Ausgabe, heißt es bei der Investmentplattform Altoo. Bevor man also in seltene Bücher investiert, ist es entscheidend, ausreichend Recherche zu betreiben oder die Hilfe von Experten in Anspruch zu nehmen.

Der physische Zustand eines Buches ist ausschlaggebend für seinen Wert: Bücher ohne Beschädigungen, mit intaktem Einband und ohne fehlende Seiten sind wesentlich wertvoller. Die Herkunft eines Buches, einschließlich seiner Geschichte und früheren Besitzer, kann seinen Wert erheblich steigern, weshalb die dokumentierte und zertifizierte Authentizität für höhere Investitionssicherheit unerlässlich ist. Und: Einige Bücher sind aufgrund ihrer historischen Bedeutung oder Seltenheit besonders begehrt. Das Verständnis von Markttrends kann dabei helfen, solche Exemplare zu identifizieren, deren Wert mit der Zeit wahrscheinlich steigen wird. Wer also in Bücher und Musikinstrumente investiert, kann einen doppelten Nutzen stiften: durch eine Finanzrendite für sich selbst und eine kulturelle Rendite für die Allgemeinheit.

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Patrick Peters

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